Ein­la­gen­rück­ge­währ an einen Kom­man­di­tis­ten – als Dar­le­hen

Behält sich eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft die erneu­te Ein­for­de­rung der an einen Kom­man­di­tis­ten zurück­ge­zahl­ten Ein­la­ge vor, indem sie den Zah­lungs­vor­gang unge­ach­tet des Feh­lens dar­le­hens­ty­pi­scher Rege­lun­gen, ins­be­son­de­re zur Ver­zin­sung, als Dar­le­hens­ge­wäh­rung bezeich­net, so stellt sich die spä­te­re Rück­zah­lung des ver­meint­li­chen Dar­le­hens als erneu­te Ein­zah­lung der Ein­la­ge dar.

Ein­la­gen­rück­ge­währ an einen Kom­man­di­tis­ten – als Dar­le­hen

Leis­tun­gen eines Kom­man­di­tis­ten an die Kom­man­dit­ge­sell­schaft erhö­hen soweit sie wert­hal­tig sind den Bestand sei­ner Ein­la­ge aller­dings nur, wenn sie auf die Ein­la­ge erbracht wer­den, wofür etwa die Erfül­lung eines von der Ein­la­ge­ver­pflich­tung unab­hän­gi­gen Ver­kehrs­ge­schäfts nicht genügt 1. Aus­rei­chend ist aber jeden­falls eine min­des­tens kon­klu­den­te Über­ein­stim­mung zwi­schen der Gesell­schaft und dem Kom­man­di­tis­ten, der Gesell­schaft Eigen­ka­pi­tal zuzu­füh­ren 2. Die Ein­la­ge kann auch durch die Gewäh­rung eines "Dar­le­hens", das Bestand­teil der im Han­dels­re­gis­ter ein­zu­tra­gen­den Haft­sum­me ist, geleis­tet wer­den 3. Schließ­lich kann der Kom­man­di­tist, auch wenn im Innen­ver­hält­nis zur Gesell­schaft kei­ne Ein­la­ge­ver­pflich­tung besteht, eine den Gesell­schafts­gläu­bi­gern nach § 171 Abs. 1 HGB haf­ten­de Ein­la­ge mit haf­tungs­be­frei­en­der Wir­kung in das Ver­mö­gen der Gesell­schaft zur Stär­kung ihres Haf­tungs­fonds leis­ten und sich hier­durch sei­ner Außen­haf­tung ent­le­di­gen 4.

Nach die­sen Maß­ga­ben hat der Kom­man­di­tist durch die Rück­zah­lung ihm zuvor gewähr­ter Aus­schüt­tun­gen eine Leis­tung auf die Ein­la­ge erbracht.

Dies folgt schon dar­aus, dass die Zah­lung des Kom­man­di­tis­ten nach den Umstän­den des Fal­les (auch) dazu dien­te, sei­ne Haf­tung gegen­über den Gesell­schafts­gläu­bi­gern aus­zu­schlie­ßen, wofür die ent­spre­chen­de Auf­sto­ckung des Haf­tungs­fonds der Gesell­schaft eine not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung bil­de­te. Die Wech­sel­wir­kung zwi­schen gewinn­un­ab­hän­gi­gen Aus­schüt­tun­gen und der per­sön­li­chen Haf­tung der dar­an teil­neh­men­den Gesell­schaf­ter wird bereits in der ein­schlä­gi­gen Rege­lung des Gesell­schafts­ver­trags auf­ge­zeigt. Denn in § 11 Nr. 3 GV wird die Mög­lich­keit ange­spro­chen, "im Hin­blick auf das Wie­der­auf­le­ben der Haf­tung" auf gewinn­un­ab­hän­gi­ge Aus­schüt­tun­gen zu ver­zich­ten. Die Erklä­run­gen der Schuld­ne­rin anläss­lich ihres Rück­zah­lungs­ver­lan­gens ver­deut­li­chen die ange­streb­te Ver­knüp­fung von Rück­zah­lung und Haf­tungs­weg­fall. Die Schuld­ne­rin hat ihr Zah­lungs­be­geh­ren auf den Betrag beschränkt, um den "die im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­ne Haft­ein­la­ge jedes ein­zel­nen Kom­man­di­tis­ten gemin­dert wor­den ist", womit ersicht­lich das (teil­wei­se) Wie­der­auf­le­ben der nach der ein­ge­tra­ge­nen Haft­sum­me zu bemes­sen­den Außen­haf­tung gemeint war. Die­se Haf­tung soll­te durch die Rück­ge­währ der Aus­schüt­tun­gen wie­der ent­fal­len.

Zudem ent­sprach ein mit der Zah­lung bewirk­ter Haf­tungs­aus­schluss dem für die Schuld­ne­rin erkenn­ba­ren Inter­es­se des Kom­man­di­tis­ten. Denn im Regel­fall will ein Kom­man­di­tist, der eine ihm zuge­flos­se­ne gewinn­un­ab­hän­gi­ge Aus­schüt­tung zurück­gibt, ver­nünf­ti­ger­wei­se damit zugleich das Risi­ko ver­mei­den, den näm­li­chen Betrag gege­be­nen­falls noch­mals an einen Gesell­schafts­gläu­bi­ger zah­len zu müs­sen und inso­weit auf einen Erstat­tungs­an­spruch gegen die Gesell­schaft ver­wie­sen zu sein, des­sen Durch­setz­bar­keit zwei­fel­haft sein kann.

Dem Ver­ständ­nis der Zah­lung des Kom­man­di­tis­ten als einer Leis­tung auf sei­ne Ein­la­ge steht nicht ent­ge­gen, dass er mit die­ser Zah­lung Sach­ver­halt (auch) den ver­meint­li­chen Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch der Schuld­ne­rin (teil­wei­se) erfül­len woll­te.

Die Schuld­ne­rin hat den Bestim­mun­gen des Gesell­schafts­ver­trags ent­nom­men, dass die Aus­schüt­tun­gen dar­le­hens­wei­se gewährt wür­den, so dass sie gege­be­nen­falls zurück­ge­for­dert wer­den könn­ten. Ein sol­ches "Dar­le­hen" wäre indes kein von den gesell­schafts­recht­li­chen Bezie­hun­gen getrennt zu sehen­des Ver­kehrs­ge­schäft. Es hin­der­te die Anwen­dung der für die Ein­la­geleis­tung gel­ten­den Regeln eben­so wenig wie umge­kehrt ein Anspruch der Gesell­schaf­ter auf Aus­zah­lung einer gewinn­un­ab­hän­gi­gen Aus­schüt­tung, der auf einer beson­de­ren gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung beruht 5. Behält sich eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft die erneu­te Ein­for­de­rung der an einen Kom­man­di­tis­ten zurück­ge­zahl­ten Ein­la­ge vor, indem sie den Zah­lungs­vor­gang unge­ach­tet des Feh­lens dar­le­hens­ty­pi­scher Rege­lun­gen, ins­be­son­de­re zur Ver­zin­sung, als Dar­le­hens­ge­wäh­rung bezeich­net, so stellt sich die spä­te­re Rück­zah­lung des ver­meint­li­chen Dar­le­hens als erneu­te Ein­zah­lung der Ein­la­ge dar.

Der Umstand, dass auf einen angeb­li­chen Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch gezahlt wur­de, ändert dem­zu­fol­ge nichts dar­an, dass der Kom­man­di­tist die Ein­la­ge wie­der auf­ge­füllt und sei­ne Außen­haf­tung inso­weit in Weg­fall gebracht hat. Er betrifft ledig­lich die Fra­ge, ob die Schuld­ne­rin auf die durch die Zah­lung des Kom­man­di­tis­ten in jedem Fall bewirk­te Wie­der­her­stel­lung des vor­he­ri­gen Zustan­des einen Anspruch hat­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Okto­ber 2017 – II ZR 353/​15

  1. Strohn in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 171 Rn. 38; Staub/​Thiessen, HGB, 5. Aufl., § 171 Rn. 66; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 172 Rn. 46; Oetker/​Oetker, HGB, 5. Aufl., § 171 Rn. 38[]
  2. Staub/​Thiessen, HGB, 5. Aufl., § 171 Rn. 69[]
  3. BGH, Urteil vom 17.05.1982 – II ZR 16/​81, ZIP 1982, 835, 836; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 172 Rn. 49[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 09.05.1963 – II ZR 124/​61, BGHZ 39, 319, 329; Staub/​Thiessen, HGB, 5. Aufl., § 171 Rn. 112 f.; sie­he auch BGH, Urteil vom 25.07.2017 – II ZR 122/​16, ZIP 2017, 1948 Rn. 21 mwN zu ent­spre­chen­den Zah­lun­gen an ein­zel­ne Gesell­schafts­gläu­bi­ger[]
  5. vgl. dazu BGH, Urteil vom 10.12 1984 – II ZR 28/​84, BGHZ 93, 159, 163[]