Ein­sichts­rech­te des nicht geschäfts­füh­ren­den oHG-Gesell­schaf­ters

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat dem nicht geschäfts­füh­ren­den Mit­ge­sell­schaf­ter der Pri­vat­braue­rei Gaf­fel Becker & Co. oHG ein umfas­sen­des Ein­sichts­recht in die Han­dels­bü­cher und Papie­re der Gesell­schaft und ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft Gaf­fel am Dom GmbH zuge­spro­chen.

Ein­sichts­rech­te des nicht geschäfts­füh­ren­den oHG-Gesell­schaf­ters

Geklagt hat­te der Mit­ge­sell­schaf­ter Johan­nes Becker, der 38% der Gesell­schafts­an­tei­le hält und an der Geschäfts­füh­rung der­zeit nicht betei­ligt ist. Er mach­te gel­tend, ihm sei von den Beklag­ten, sei­nem Bru­der Hein­rich Becker und sei­nem Nef­fen, die Ein­sicht­nah­me in die Geschäfts­un­ter­la­gen in unzu­läs­si­ger Wei­se ver­wei­gert oder nur ver­zö­gert gewährt wor­den. Die Beklag­ten tra­ten dem mit der Behaup­tung ent­ge­gen, in der Ver­gan­gen­heit sei­en stets alle Wün­sche auf Ein­sicht­nah­me in kon­kre­te Unter­la­gen erfüllt wor­den. Ledig­lich zeit­wei­se sei die Ein­sicht in bestimm­te Unter­la­gen ver­wei­gert wor­den, weil die Gefahr bestan­den habe, dass der Klä­ger die gewon­ne­nen Infor­ma­tio­nen zu kre­dit­schä­di­gen­den Aus­sa­gen miss­brau­chen wer­de. Auch jetzt kön­ne dem Klä­ger kein unein­ge­schränk­tes Ein­sichts­recht in die Zukunft hin­ein zuer­kannt wer­den, weil ein am 23. Sep­tem­ber 2011 im mana­ger maga­zin erschie­ne­ner Arti­kel gezeigt habe, dass die Gefahr einer Wei­ter­ga­be kre­dit­schä­di­gen­der Infor­ma­tio­nen real sei. Der Klä­ger hat­te bestrit­ten, selbst Infor­ma­tio­nen an das mana­ger maga­zin wei­ter gege­ben zu haben, die zu dem Arti­kel vom 23. Sep­tem­ber 2011 geführt hät­ten.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Köln hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben; hier­ge­gen haben die Beklag­ten Beru­fung ein­ge­legt, die jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Köln zurück­wies:

Dem Klä­ger ste­he, so das Ober­lan­des­ge­richt Köln, ein grund­sätz­lich unein­ge­schränk­tes Ein­sichts­recht in die Han­dels­bü­cher und Papie­re der Gesell­schaft zu, auch soweit die­se erst zukünf­tig bis zum Zeit­punkt der Urteils­voll­stre­ckung ver­fasst wer­den. Selbst wenn – was das OLG Köln aus­drück­lich offen ließ – der Arti­kel im mana­ger maga­zin vom 23. Sep­tem­ber 2011 auf Infor­ma­tio­nen des Klä­gers beruht haben soll­te, erge­be sich hier­aus der­zeit noch kei­ne hin­rei­chend gro­ße Besorg­nis, dass der Klä­ger künf­tig die aus den Geschäfts­pa­pie­ren erlang­ten wei­te­ren Infor­ma­tio­nen in miss­bräuch­li­cher, gesell­schafts­schä­di­gen­der Wei­se ver­wen­den wer­de. Soll­ten sich aller­dings zukünf­tig Anhalts­punk­te dafür erge­ben, dass der Klä­ger die bei der Urteils­voll­stre­ckung begehr­ten kon­kre­ten Infor­ma­tio­nen zu gesell­schafts­wid­ri­gen Zwe­cken ver­wen­den wol­le, könn­ten die Beklag­ten dies als Rechts­be­helf im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren gel­tend machen. Somit hat das Ober­lan­des­ge­richt dem Klä­ger zwar im Grund­satz recht gege­ben, den Beklag­ten aber die Gel­tend­ma­chung ihrer Ein­wän­de für die Zukunft vor­be­hal­ten.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urteil vom 8. Dezem­ber 2011 – 18 U 38/​11