Ein­tra­gung der Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers

Es liegt eine Anfecht­bar­keit – nicht aber eine Nich­tig­keit eines gefass­ten Beschlus­ses bei einer GmbH oder Unter­neh­mer­ge­sell­schaft (haf­tungs­be­schränkt) gem. § 5a GmbHG vor, wenn die­ser durch Ver­stoß im Abstim­mungs­ver­fah­ren, etwa bei einer Abstim­mung, obwohl die Beschluss­fä­hig­keit nach der Sat­zung nicht gege­ben war, gefasst wur­de. Dies gilt auch für die Abbe­ru­fung des nicht erschie­ne­nen Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers aus wich­ti­gem Grund.

Ein­tra­gung der Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers

Ein sol­cher Beschluss ist solan­ge mit dem fest­ge­stell­ten Inhalt wirk­sam, wie im Anfech­tungs­ver­fah­ren die Nich­tig­keit des Beschlus­ses nicht rechts­kräf­tig aus­ge­spro­chen ist. Die Anfecht­bar­keit allein ist kein Ein­tra­gungs­hin­der­nis für das Regis­ter­ge­richt.

In dem hier vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Fall ver­weist das Regis­ter­ge­richt zwar in dem Nicht­ab­hil­fe­be­schluss vom 13. Okto­ber 2011, zu Recht dar­auf, dass die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung vom 26. August 2011 gem. § 6 Abs. 6 Satz 1 des Gesell­schafts­ver­tra­ges vom 11. Mai 2010 nicht beschluss­fä­hig gewe­sen sei. Die dar­aus gezo­ge­ne recht­li­che Schluss­fol­ge­rung, dass die gefass­ten Beschlüs­se des­halb nich­tig und nicht ein­tra­gungs­fä­hig sei­en, trifft jedoch nicht zu.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits in sei­ner Ent­schei­dung vom 17. Okto­ber 1988 [1] zur Anfech­tung von Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen der GmbH fest­ge­stellt, dass die feh­len­de Beschluss­fä­hig­keit der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung ledig­lich einen Anfech­tungs­grund dar­stel­le. Die Fäl­le, in denen ein Gesell­schaf­ter­be­schluss nich­tig sei, sei­en in § 241 AktG, der im Recht der GmbH sinn­ge­mäß anwend­bar sei, grund­sätz­lich abschlie­ßend auf­ge­führt. Es bestehe kein Grund, im Rah­men der sinn­ge­mä­ßen Anwen­dung der akti­en­recht­li­chen Bestim­mun­gen den Kreis nich­ti­ger Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se gene­rell wei­ter zu zie­hen als im Akti­en­recht. Dem­ge­mäß könn­ten ande­re Ver­stö­ße gegen Gesetz oder Sat­zung nur zur Anfecht­bar­keit ent­spre­chend § 243 AktG füh­ren [2].

Die­se Auf­fas­sung fin­det ihre Recht­fer­ti­gung auch dar­in, dass bei einer Abbe­ru­fung des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers aus wich­ti­gem Grund – wie vor­lie­gend – für ihn ein Stimm­rechts­aus­schluss in Betracht kom­men kann [3]. Zudem müss­te sein Nicht­er­schei­nen zur Ver­samm­lung zum Zwe­cke der Beschluss­ver­hin­de­rung trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Ladung als Treue­pflicht­ver­let­zung bewer­tet wer­den [4] mit der Fol­ge, dass es einer neu­en Ein­be­ru­fung nicht bedarf, weil sich der absicht­lich aus­ge­blie­be­ne Gesell­schaf­ter nicht auf die Beschluss­un­fä­hig­keit beru­fen darf [5].
Schließ­lich ver­tritt die h.M. die Rechts­auf­fas­sung, dass die in der Sat­zung vor­ge­se­he­ne qua­li­fi­zier­te Mehr­heit nicht gilt für eine Abbe­ru­fung aus wich­ti­gem Grund [6].

Die­se sich erge­ben­den Fra­gen kön­nen aber nur in einem Anfech­tungs­ver­fah­ren geklärt wer­den. Solan­ge in die­sem die Nich­tig­keit des Beschlus­ses nicht rechts­kräf­tig aus­ge­spro­chen ist, ist er mit dem fest­ge­stell­ten Inhalt wirk­sam [7].

Danach besteht das von der Rechts­pfle­ge­rin bean­stan­de­te Ein­tra­gungs­hin­der­nis nicht. Der über die Abbe­ru­fung des Betei­lig­ten Ziff. 3 als Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer gefass­te Beschluss ist nicht nich­tig, son­dern nur anfecht­bar und des­halb gül­tig, solan­ge er nicht im Anfech­tungs­ver­fah­ren für nich­tig erklärt wird.

Die auf die Nich­tig­keit des Beschlus­ses gestütz­te Zurück­wei­sung vom 13. Sep­tem­ber 2011 war dem­ge­mäß auf­zu­he­ben. Das Regis­ter­ge­richt hat erneut über die Anmel­dung der Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter vom 30. August 2011 unter Zugrun­de­le­gung der Rechts­auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts zu befin­den.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 25. Okto­ber 2011 – 8 W 387/​11

  1. II ZR 18/​88, NJW-RR 1989, 347[]
  2. h.M., vgl. u.a.: Römer­mann in Mich­alski, GmbH-Gesetz, Bd. II, 2. Aufl. 2010, Anh. § 47 GmbHG Rn. 288; Schmidt in Scholz, GmbH-Gesetz, Bd. II, 10. Aufl. 2007 § 45 GmbHG Rn. 96, § 48 GmbHG Rn. 44 und 44a; Zöll­ner in Baumbach/​Hueck, GmbHG, 19. Aufl. 2010, Anh. § 47 GmbHG Rn. 18, 44, 66, 67, 83, 110, insb. 115, § 48 GmbHG Rn. 3; Roth in Roth/​Altmeppen, GmbHG, 6. Aufl. 2009, § 47 GmbHG Rn. 91, § 48 GmbHG Rn. 34; OLG Bran­den­burg GmbHR 1996, 539; je m.w.N.[]
  3. BGH NJW 1983, 938; OLG Bran­den­burg GmbHR 1996, 539; OLG Düs­sel­dorf NZG 2000, 1135; Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, a.a.O., § 38 GmbHG Rn. 21, 45 ff; Zöllner/​Noack in Baumbach/​Hueck, a.a.O., § 38 GmbHG Rn. 31 und 34; je m.w.N.[]
  4. Zöll­ner in Baumbach/​Hueck, a.a.O., § 48 GmbHG Rn. 4; Roth in Roth/​Altmeppen, a.a.O., § 47 GmbHG Rn. 7; je m.w.N.[]
  5. Schmidt in Scholz, a.a.O., § 48 GmbHG Rn. 44a m.w.N.[]
  6. Alt­mep­pen in Roth/​Altmeppen, a.a.O., § 38 GmbHG Rn. 80 m.w.N.; a.A. Zöllner/​Noack in Baumbach/​Hueck, a.a.O., § 38 GmbHG Rn. 29 ff m.w.N.[]
  7. Roth in Roth/​Altmeppen, a.a.O., § 47 GmbHG Rn. 91; Zöll­ner in Baumbach/​Hueck, a.a.O., Anh. § 47 GmbHG Rn. 18; Zöllner/​Noack in Baumbach/​Hueck, a.a.O., § 38 GmbHG Rn. 45; je m.w.N.[]