Ein­zel­pos­ten in der Aus­ein­an­der­set­zung einer stil­len Gesellchaft

Die Kün­di­gung der stil­len Gesell­schaft führt zu deren Auf­lö­sung und zur Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen dem Inha­ber des Han­dels­ge­schäfts und dem stil­len Gesell­schaf­ter, bei der die wech­sel­sei­ti­gen Ansprü­che grund­sätz­lich unselbst­stän­di­ge Rech­nungs­pos­ten der Gesamt­ab­rech­nung wer­den und vor Been­di­gung der Aus­ein­an­der­set­zung nur aus­nahms­wei­se gel­tend gemacht wer­den kön­nen, wenn dadurch das Ergeb­nis der Aus­ein­an­der­set­zung (teil­wei­se) in zuläs­si­ger Wei­se vor­weg­ge­nom­men wird und ins­be­son­de­re die Gefahr von Hin- und Her­zah­lun­gen nicht besteht.

Ein­zel­pos­ten in der Aus­ein­an­der­set­zung einer stil­len Gesellchaft

Eine stil­le Gesell­schaft kann gemäß § 234 Abs. 1 Satz 2 HGB, § 723 BGB aus wich­ti­gen Grün­den ohne Ein­hal­tung einer Frist gekün­digt wer­den. Die Kün­di­gung führt zur Auf­lö­sung der stil­len Gesell­schaft und zur Aus­ein­an­der­set­zung nach Maß­ga­be des § 235 HGB, bei der die Ein­zel­an­sprü­che unselbst­stän­di­ge Rech­nungs­pos­ten wer­den [1]. Der Anspruch des stil­len Gesell­schaf­ters auf Aus­zah­lung des Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­bens wird regel­mä­ßig erst nach die­ser Aus­ein­an­der­set­zung fäl­lig [2]. Inso­weit gilt – ent­spre­chend der Durch­set­zungs­sper­re bei der Auf­lö­sung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft – auch für die Been­di­gung einer stil­len Gesell­schaft das Prin­zip der Gesamt­ab­rech­nung [3]. Erst der Sal­do der Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung ergibt, wer von wem noch etwas zu for­dern hat [4].

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der stil­le Gesell­schaf­ter, soweit kei­ne abwei­chen­den Ver­ein­ba­run­gen getrof­fen sind, zwar aus­nahms­wei­se ohne Aus­ein­an­der­set­zung Zah­lung ver­lan­gen, wenn vor Been­di­gung der Aus­ein­an­der­set­zung mit Sicher­heit fest­steht, dass er jeden­falls einen bestimm­ten Betrag for­dern kann [2].

Aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 04.12 2012 [5] kann für eine aus­nahms­wei­se Gel­tend­ma­chung ohne Aus­ein­an­der­set­zung im vor­lie­gen­den Fall nichts her­ge­lei­tet wer­den. Aus die­ser Ent­schei­dung ergibt sich viel­mehr, dass die selbst­stän­di­ge Gel­tend­ma­chung von Ein­zel­an­sprü­chen vor Been­di­gung der Aus­ein­an­der­set­zung nur dann aus­nahms­wei­se zuzu­las­sen ist, wenn dadurch das Ergeb­nis der Aus­ein­an­der­set­zung (teil­wei­se) in zuläs­si­ger Wei­se vor­weg­ge­nom­men wird und ins­be­son­de­re die Gefahr von Hin- und Her­zah­lun­gen wäh­rend des Aus­ein­an­der­set­zungs­ver­fah­rens nicht besteht. Nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts besteht die­se Gefahr hier jedoch gera­de, solan­ge nicht mit Sicher­heit fest­steht, dass sich im Rah­men der (wei­te­ren) Aus­ein­an­der­set­zung in jedem Fall ein posi­ti­ver Sal­do für den Klä­ger erge­ben wird. Die vom Bun­des­ge­richts­hof in dem ange­führ­ten Urteil vom 04.12 2012 ange­nom­me­ne wei­te­re Aus­nah­me bei einem auf Natu­ral­re­sti­tu­ti­on gerich­te­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch [6] kommt im vor­lie­gen­den Fall gleich­falls nicht in Betracht.

Für wei­te­re Aus­nah­men vom Gebot der Gesamt­ab­rech­nung auf­grund einer auf § 242 BGB bezo­ge­nen Inter­es­sen­ab­wä­gung im Hin­blick auf eine sich noch unab­seh­bar lang hin­zie­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung besteht kein Anlass. Das Inter­es­se des (stil­len) Gesell­schaf­ters an einer raschen Zah­lung ist nur inso­weit schutz­wür­dig, als hin­rei­chend sicher fest­steht, dass er den vor Been­di­gung der Aus­ein­an­der­set­zung gefor­der­ten Betrag nicht zurück­zah­len muss. Die­sem Inter­es­se ist dadurch gedient, dass für die Gel­tend­ma­chung eines jeden­falls fest­ste­hen­den Min­dest­be­tra­ges eine Aus­nah­me von der Gesamt­ab­rech­nung gilt [2].

Pro­zes­sua­le Über­le­gun­gen: Fest­stel­lungs­kla­ge

Für das wei­te­re Ver­fah­ren weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass die Gel­tend­ma­chung nicht mehr iso­liert ein­klag­ba­rer, weil in eine Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung ein­zu­be­zie­hen­der For­de­run­gen ohne Wei­te­res auch das Fest­stel­lungs­be­geh­ren ent­hält, dass die ent­spre­chen­den For­de­run­gen in die Aus­ein­an­der­set­zungs­rech­nung (als unselbst­stän­di­ge Rech­nungs­pos­ten) ein­ge­stellt wer­den [7].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Febru­ar 2015 – II ZR 335/​13

  1. BGH, Urteil vom 08.11.2004 – II ZR 300/​02, ZIP 2005, 82, 84[]
  2. BGH, Urteil vom 29.06.1992 – II ZR 284/​91, ZIP 1992, 1552, 1553[][][]
  3. BGH, Urteil vom 12.06.1972 – II ZR 109/​71, WM 1972, 1056; Urteil vom 08.07.1976 – II ZR 34/​75, WM 1976, 1030, 1032; Urteil vom 29.06.1992 – II ZR 284/​91, ZIP 1992, 1552, 1553; Urteil vom 08.11.2004 – II ZR 300/​02, ZIP 2005, 82, 84; vgl. auch Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 235 Rn. 18; Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn/​Gehrlein, HGB, 3. Aufl., § 235 Rn. 7; Har­b­arth in Großkommentar/​HGB, 5. Aufl., § 235 Rn. 14 mwN[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 04.12 2012 – II ZR 159/​10, ZIP 2013, 361 Rn. 43[]
  5. BGH, Urteil vom 04.12 2012 – II ZR 159/​10, ZIP 2013, 361 Rn. 43 ff.[]
  6. BGH, Urteil vom 04.12 2012 – II ZR 159/​10, ZIP 2013, 361 Rn. 44 f.[]
  7. st. Rspr.: vgl. BGH, Urteil vom 15.05.2000 – II ZR 6/​99, ZIP 2000, 1208, 1210; Urteil vom 22.05.2012 – II ZR 2/​11, ZIP 2012, 1500 Rn. 42[]