Erwerb eige­ner Akti­en – und die Befris­tung

Ein Ermäch­ti­gungs­be­schluss der Haupt­ver­samm­lung nach § 71 Abs. 1 Nr. 8 AktG zum Erwerb eige­ner Akti­en muss eine Frist zur Gel­tungs­dau­er der Ermäch­ti­gung fest­le­gen.

Erwerb eige­ner Akti­en – und die Befris­tung

Ein Ermäch­ti­gungs­be­schluss, der kei­ne kon­kre­te Frist ent­hält, ist nach § 241 Nr. 3 AktG nich­tig, weil die Vor­schrift des § 71 Abs. 1 Nr. 8 AktG dem Gläu­bi­ger­schutz dient 1.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ent­hielt der Beschluss, mit dem der Vor­stand zum Erwerb eige­ner Akti­en der Beklag­ten nach § 71 Abs. 1 Nr. 8 AktG ermäch­tigt wur­de, kei­ne Frist. Eine Frist über die Gel­tungs­dau­er ließ sich dem Beschluss auch nicht durch Aus­le­gung ent­neh­men.

Zwar kön­nen Vor­stands­be­rich­te, die den Aktio­nä­ren bei Ein­be­ru­fung der Haupt­ver­samm­lung ihrem wesent­li­chen Inhalt nach bekannt­ge­macht wur­den, bei der Aus­le­gung von Haupt­ver­samm­lungs­be­schlüs­sen her­an­ge­zo­gen wer­den, wenn sie gemäß § 130 Abs. 3 AktG der Nie­der­schrift als Anla­ge bei­gefügt oder inhalt­lich in die Nie­der­schrift auf­ge­nom­men wor­den sind 2. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind im vor­lie­gen­den Fall jedoch nicht gege­ben. Aus dem in der Nie­der­schrift fest­ge­hal­te­nen Vor­trag des Vor­stands­vor­sit­zen­den in der Haupt­ver­samm­lung zur Ermäch­ti­gung ergibt sich nichts zu einer Frist. In dem von der Beklag­ten wäh­rend des Rechts­streits vor­ge­leg­ten Beschluss­vor­schlag ist zwar eine Frist ent­hal­ten. Dass der Wort­laut die­ses Beschluss­vor­schlags der Haupt­ver­samm­lung bei der Ein­be­ru­fung bekannt­ge­ge­ben wur­de und als Anla­ge zur Nie­der­schrift genom­men wur­de, ist aber nicht ersicht­lich.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Mai 2015 – II ZR 181/​14

  1. Hüffer/​Koch, AktG, 11. Aufl., § 71 Rn.19e; Grigoleit/​Rachlitz, AktG, § 71 Rn. 61; Cahn in Spindler/​Stilz, AktG, 2. Aufl., § 71 Rn. 107; Münch­Komm-Akt­G/O­echs­ler, 3. Aufl., § 71 Rn.197; Dry­ga­la in KK-AktG, 3. Aufl., § 71 Rn. 137[]
  2. BGH, Beschluss vom 30.01.1995 – II ZR 132/​93, ZIP 1995, 372, 373; Urteil vom 16.12 1991 – II ZR 58/​91, BGHZ 116, 359, 366[]