For­de­run­gen der Gesell­schaf­ter und die Zah­lungs­un­fä­hig­keit der GmbH

Geschäfts­füh­rer haf­ten der GmbH für Zah­lun­gen an die Gesell­schaf­ter auf Scha­dens­er­satz, soweit die­se Zah­lung zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit der Gesell­schaft füh­ren muss­te, § 64 Satz 3 GmbHG. Im Fall des § 64 Satz 3 GmbHG kann die Gesell­schaft die Zah­lung an den Gesell­schaf­ter ver­wei­gern. Bei der Ermitt­lung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit nach § 64 Satz 3 GmbHG ist eine fäl­li­ge For­de­rung des Gesell­schaf­ters in der Liqui­di­täts­bi­lanz zu berück­sich­ti­gen 1.

For­de­run­gen der Gesell­schaf­ter und die Zah­lungs­un­fä­hig­keit der GmbH

Die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers nach § 64 Satz 3 GmbHG und das damit ver­bun­de­ne „Zah­lungs­ver­bot“ sol­len der Gefahr vor­beu­gen, dass bei sich abzeich­nen­der Zah­lungs­un­fä­hig­keit von den Gesell­schaf­tern Mit­tel ent­nom­men wer­den 2. Die­ses Ziel kann nur erreicht wer­den, wenn die Gesell­schaft den Mit­tel­ab­fluss ver­wei­gern kann und der Geschäfts­füh­rer nicht den Mit­tel­ab­fluss unter Inkauf­nah­me einer eige­nen Haf­tung bewir­ken muss. Fol­ge­rich­tig ist der Geschäfts­füh­rer auch an Wei­sun­gen der Gesell­schaf­ter nicht gebun­den (§ 64 Satz 4 GmbHG i.V.m. § 43 Abs. 3 Satz 3 GmbHG). Wenn spä­ter Zah­lungs­un­fä­hig­keit und damit Insol­venz­rei­fe ein­tre­ten, wird über das bis dahin bestehen­de Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht gege­be­nen­falls ein Nach­rang der Gesell­schaf­ter­for­de­rung rea­li­siert (§ 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO) und der Insol­venz­ver­wal­ter ist nicht dar­auf ver­wie­sen, abge­flos­se­ne Mit­tel über die Insol­venz­an­fech­tung nach § 135 Abs. 1 InsO oder nach § 64 Satz 3 GmbHG zurück­zu­ho­len. Eben­so ent­fällt das Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht, wenn die Gesell­schaft der dro­hen­den Zah­lungs­un­fä­hig­keit begeg­nen kann und saniert wird. Dass sich Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­rech­te auch aus ande­ren Vor­schrif­ten erge­ben kön­nen, etwa in den Fäl­len der Exis­tenz­ver­nich­tungs­haf­tung (§ 826 BGB), steht einem über § 64 Satz 3 GmbHG begrün­de­ten Leis­tungs­ver­wei­ge­rungs­recht nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Okto­ber 2012 – II ZR 298/​11

  1. vgl. Arnold in Henssler/​Strohn, § 64 GmbHG Rn. 78; Kol­mann in Saenger/​Inhester, GmbHG, § 64 Rn. 90; Scholz/​Verse, GmbHG, 11. Aufl., § 29 Rn. 93; Scholz/​K. Schmidt, GmbHG, 10. Aufl., § 64 Rn. 91; MünchKomm-GmbHG/H.F. Mül­ler, § 64 Rn. 174; Klein­diek in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 17. Aufl., § 64 Rn. 21 und 27; Winstel/​Skauradszun, GmbHR 2011, 185, 187; Desch, BB 2010, 2586, 2589; aA OLG Mün­chen, ZIP 2010, 1236, 1237; OLG Mün­chen, ZIP 2011, 225, 226; Baumbach/​Hueck/​Haas, GmbHG, 19. Aufl., § 64 Rn. 107; Scholz/H.P. Wes­ter­mann, GmbHG, 10. Aufl., Nach­trag MoMiG § 30 Rn. 16; Sand­haus in Gehrlein/​Ekkenga/​Simon, GmbHG, § 64 Rn. 51[]
  2. BT-Drucks. 16/​6140, S. 46[]