Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen den Kom­ple­men­tär-Geschäfts­füh­rer

Will eine GmbH u. CoKG Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen den Geschäfts­füh­rer der Kom­p­le­me­tär-GmbH gel­tend machen, ist ein Beschluss nach § 46 Nr. 8 GmbHG nicht erfor­der­lich, auch nicht ein Beschluss der Kom­ple­men­tär-GmbH. Das gilt auch dann, wenn die Kom­ple­men­tär-GmbH selbst einen Anspruch aus abge­tre­te­nem Recht der GmbH u. Co. KG gel­tend macht.

Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen gegen den Kom­ple­men­tär-Geschäfts­füh­rer

Die GmbH & Co. KG wird durch die Geschäfts­füh­rer ver­tre­ten. Die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung der GmbH & Co. KG muss nicht gemäß § 46 Nr. 8 Fall 2 GmbHG einen beson­de­ren Ver­tre­ter bestel­len. Zwar obliegt es nach die­ser Vor­schrift der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung, einen Ver­tre­ter der Gesell­schaft in Aktiv- wie auch für Pas­siv­pro­zes­se zu bestim­men, die die­se gegen gegen­wär­ti­ge, aber auch gegen aus­ge­schie­de­ne Geschäfts­füh­rer führt. Den­noch kann die Gesell­schaft durch den neu­en Geschäfts­füh­rer ver­tre­ten wer­den, solan­ge, wie hier, kein ande­ren – beson­de­ren – Ver­tre­ter bestellt ist 1.

Für die Gel­tend­ma­chung eines Anspruchs der GmbH & Co. KG ist kein Beschluss nach § 46 Nr. 8 Fall 1 GmbHG erfor­der­lich. Zwar ist er grund­sätz­lich nicht nur für die klag­wei­se, son­dern auch für eine Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen auf­rech­nungs­hal­ber not­wen­dig 2, nicht aber im vor­lie­gen­den Rechts­streit.

Will näm­lich eine GmbH & Co KG eige­ne Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen den Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tä­rin gel­tend machen, braucht kein Beschluss nach § 46 Nr. 8 GmbHG gefasst zu wer­den 3. § 46 Nr. 8 GmbHG fin­det schon wegen sei­ner Stel­lung im GmbH-Gesetz auf die KG kei­ne Anwen­dung. Auch die als Ver­tre­te­rin der KG auf­tre­ten­de Kom­ple­men­tär-GmbH braucht kei­nen Beschluss zu fas­sen 4. Dies gilt auch für die Abtre­tung sol­cher Ansprü­che durch die KG an Drit­te, selbst wenn dies – wie hier – die Kom­ple­men­tä­rin ist.

Die Kom­ple­men­tär-GmbH braucht für die Gel­tend­ma­chung der abge­tre­te­nen For­de­rung eben­falls kei­nen Beschluss nach § 46 Nr. 8 GmbHG zu fas­sen, weil es kein Ersatz­an­spruch ist, der der GmbH aus der Geschäfts­füh­rung durch den Geschäfts­füh­rer zusteht, son­dern ein Anspruch eines Drit­ten, den sie erwor­ben hat. Durch § 46 Nr. 8 GmbH soll sicher­ge­stellt wer­den, dass das obers­te Gesell­schafts­or­gan die Ent­schei­dung dar­über behält, ob die mit der Erhe­bung von Ansprü­chen ver­bun­de­ne Offen­le­gung inne­rer Gesell­schafts­ver­hält­nis­se in Kauf genom­men wer­den soll. Die­se Gefahr besteht bei Ansprü­chen von zedie­ren­den Drit­ten nicht. Ist der Zedent die KG, deren Kom­ple­men­tä­rin die Zes­sio­na­rin ist, könn­te sich eine ver­gleich­ba­re Gefahr erge­ben, der durch eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 46 Nr. 8 GmbHG begeg­net wer­den könn­te 5. Zumin­dest vor­lie­gend ist hier­von jedoch nicht aus­zu­ge­hen, da es um ein Ver­hal­ten der KG in Pro­zes­sen mit Drit­ten geht und den Inter­na der Beklag­ten kei­ne beson­de­re Bedeu­tung zukommt.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 31. Juli 2013 – 7 U 184/​12

  1. BGH, Urteil vom 06.03.2012 – II ZR 76/​11, Rn 12[]
  2. Scholz/​K. Schmidt, GmbHG, 10.Aufl., § 46 Rn 159[]
  3. BGH, Urteil vom 10.02.1992 – II ZR 23/​91, NJW-RR 1992, 800[]
  4. Scholz/​K. Schmidt, GmbHG, 10. Aufl. § 46 Rn 176[]
  5. erwo­gen von: Scholz/​K. Schmidt, aaO Rn 176[]