Gemein­sa­me Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen bei meh­re­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten – und die Kos­ten­rech­nun­gen des Notars

Bei der Beur­kun­dung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen zwei­er Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung, in denen jeweils die Zustim­mung zur Auf­he­bung von Unter­neh­mens­ver­trä­gen mit der­sel­ben Allein­ge­sell­schaf­te­rin beschlos­sen wur­de, in einer Nie­der­schrift han­delt es sich um meh­re­re in einem Beur­kun­dungs­ver­fah­ren zusam­men­ge­fass­te Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de.

Gemein­sa­me Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen bei meh­re­ren Toch­ter­ge­sell­schaf­ten – und die Kos­ten­rech­nun­gen des Notars

Für die Zusam­men­fas­sung die­ser Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de in einem Beur­kun­dungs­ver­fah­ren fehlt auch bei iden­ti­scher Zusam­men­set­zung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen regel­mä­ßig ein sach­li­cher Grund, so dass das Beur­kun­dungs­ver­fah­ren hin­sicht­lich jedes die­ser Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de als beson­de­res Ver­fah­ren gilt und abzu­rech­nen ist (§ 93 Abs. 2 Satz 1 GNot­KG).

Bei den beur­kun­de­ten Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen han­delt es sich um meh­re­re in einem Beur­kun­dungs­ver­fah­ren zusam­men­ge­fass­te Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de im Sinn des § 93 Abs. 2 Satz 1 GNot­KG.

Beur­kun­dungs­ge­gen­stand ist gemäß § 86 Abs. 1 GNot­KG das Rechts­ver­hält­nis, auf das sich die Erklä­run­gen bezie­hen, bei Tat­sa­chen­be­ur­kun­dun­gen die beur­kun­de­te Tat­sa­che oder der beur­kun­de­te Vor­gang. Meh­re­re Rechts­ver­hält­nis­se, Tat­sa­chen oder Vor­gän­ge sind ver­schie­de­ne Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de, soweit nicht aus­nahms­wei­se von dem­sel­ben Beur­kun­dungs­ge­gen­stand gemäß § 109 GNot­KG aus­zu­ge­hen ist (§ 86 Abs. 2 GNot­KG). Bei den Zustim­mungs­be­schlüs­sen der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen ver­schie­de­ner Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung han­delt es sich um ver­schie­de­ne Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de. Die Auf­he­bung eines Beherr­schungs- oder Gewinn­ab­füh­rungs­ver­trags bedarf eines Beschlus­ses der Gesell­schaf­ter in jeder abhän­gi­gen GmbH1. Ein Aus­nah­me­tat­be­stand des § 109 Abs. 2 Nr. 4 GNot­KG ist hier nicht erfüllt.

Die bei­den Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se wur­den in einer Nie­der­schrift beur­kun­det, so dass trotz zwei­er Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de ein Beur­kun­dungs­ver­fah­ren im kos­ten­recht­li­chen Sinn vor­liegt (§ 85 Abs. 2 GNot­KG; vgl. Korintenberg/​Bormann, GNot­KG, 20. Aufl., § 85 Rn. 16; Regie­rungs­ent­wurf eines Zwei­ten Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts, BT-Drs. 17/​11471 S. 176).

Da die meh­re­ren Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de ohne sach­li­chen Grund in einem Beur­kun­dungs­ver­fah­ren zusam­men­ge­fasst wur­den, gilt das Beur­kun­dungs­ver­fah­ren hin­sicht­lich jedes der bei­den beur­kun­de­ten Beschlüs­se gebüh­ren­recht­lich als beson­de­res Ver­fah­ren.

Grund­sätz­lich wer­den in dem­sel­ben Beur­kun­dungs­ver­fah­ren Gebüh­ren jeweils nur ein­mal erho­ben (§ 93 Abs. 1 Satz 1 GNot­KG). Die Wer­te meh­re­rer Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de inner­halb des­sel­ben Beur­kun­dungs­ver­fah­rens wer­den zusam­men­ge­rech­net (vgl. § 35 Abs. 1 GNot­KG). Etwas ande­res gilt nach § 93 Abs. 2 Satz 1 GNot­KG, wenn meh­re­re Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de ohne sach­li­chen Grund in einem Beur­kun­dungs­ver­fah­ren zusam­men­ge­fasst wer­den. Dann gilt das Beur­kun­dungs­ver­fah­ren hin­sicht­lich jedes die­ser Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de auch hin­sicht­lich der Höchst­wer­te des § 108 Abs. 5 GNot­KG als beson­de­res Ver­fah­ren2.

Ein sach­li­cher Grund für die Beur­kun­dung der Beschlüs­se der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen zwei­er Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung in einer Nie­der­schrift lag nicht vor.

Nach § 93 Abs. 2 Satz 2 GNot­KG ist ein sach­li­cher Grund ins­be­son­de­re dann anzu­neh­men, wenn hin­sicht­lich jedes Beur­kun­dungs­ge­gen­stands die glei­chen Per­so­nen an dem Ver­fah­ren betei­ligt sind. Das war nicht der Fall. Es kann dahin­ste­hen, ob die Gesamt­heit der Gesell­schaf­ter oder die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung als Wil­lens­bil­dungs­or­gan einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung anzu­se­hen ist. Jeden­falls han­deln bei der Beschluss­fas­sung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen zwei­er Gesell­schaf­ten mit beschränk­ter Haf­tung ver­schie­de­ne Wil­lens­bil­dungs­or­ga­ne. Damit han­deln auch bei iden­ti­scher Zusam­men­set­zung der Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen unter­schied­li­cher Gesell­schaf­ten ver­schie­de­ne Betei­lig­te im mate­ri­el­len Sinn3. Gegen die­se Wür­di­gung erhebt die Rechts­be­schwer­de kei­ne Ein­wän­de.

Im Übri­gen liegt auch kein sach­li­cher Grund für eine gemein­sa­me Beur­kun­dung bei­der Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de in einer Nie­der­schrift vor. Ein sol­cher müss­te objek­tiv vor­lie­gen. Der Wunsch eines Betei­lig­ten nach einer Zusam­men­be­ur­kun­dung reicht nicht4. Wenn bereits der Wunsch eines Betei­lig­ten nach einer Zusam­men­be­ur­kun­dung zu einer gegen­über der getrenn­ten Beur­kun­dung ein­tre­ten­den Kos­ten­er­spar­nis führ­te, wider­sprä­che das dem Geset­zes­zweck und dem Wil­len des Gesetz­ge­bers. Wer­den meh­re­re Beur­kun­dungs­ge­gen­stän­de ein­zig aus dem Motiv zusam­men­ge­fasst, die gebüh­ren­recht­li­chen Fol­gen der Zusam­men­fas­sung aus­zu­nut­zen, soll das Beur­kun­dungs­ver­fah­ren hin­sicht­lich die­ser ein­zel­nen Gegen­stän­de als beson­de­res Ver­fah­ren behan­delt wer­den5.

Die blo­ße Kon­zern­zu­ge­hö­rig­keit meh­re­rer Gesell­schaf­ten ist kein sach­li­cher Grund für die Zusam­men­be­ur­kun­dung. Stim­men, wie hier, meh­re­re Toch­ter­ge­sell­schaf­ten der Auf­he­bung ihrer jewei­li­gen Unter­neh­mens­ver­trä­ge zu, han­delt es sich um Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen ver­schie­de­ner Gesell­schaf­ten zu unter­schied­li­chen und von­ein­an­der unab­hän­gi­gen Beschluss­ge­gen­stän­den. Ein sach­li­cher Grund dafür, dass die­se nicht getrennt, son­dern in einer Urkun­de zusam­men­ge­fasst beur­kun­det wer­den, wird auch im Schrift­tum ver­neint6. Ent­ge­gen der Behaup­tung der Betei­lig­ten zu 2 ist das Ver­fah­ren durch die gewähl­te Vor­ge­hens­wei­se nicht ver­ein­facht wor­den. Die Bevoll­mäch­tig­te der Betei­lig­ten zu 2, die die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen der bei­den GmbH abge­hal­ten und die Zustim­mung beschlos­sen hat, hät­te kei­nen merk­li­chen Mehr­auf­wand betrei­ben müs­sen, wenn die Ver­samm­lun­gen in ver­schie­de­nen Nie­der­schrif­ten beur­kun­det wor­den wären.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Sep­tem­ber 2017 – II ZB 27/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 31.05.2011 – II ZR 109/​10, BGHZ 190, 45 Rn. 17 ff. []
  2. vgl. BT-Drs. 17/​11471, S. 179; Bor­mann in Bormann/​Diehn/​Sommerfeldt, GNot­KG, 2. Aufl., § 93 Rn. 12; Korintenberg/​Diehn, GNot­KG, 20. Aufl., § 93 Rn. 28; Korintenberg/​Tiedtke, GNot­KG, 20. Aufl., § 108 Rn. 9 []
  3. vgl. Korintenberg/​Diehn, GNot­KG, 20. Aufl., § 93 Rn. 30 []
  4. Wudy in Rohs/​Wedewer, GNot­KG, 115. Aktua­li­sie­rung Dezem­ber 2016, § 93 Rn. 59 []
  5. vgl. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung zum Ent­wurf eines Zwei­ten Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts [2. Kos­ten­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz 2. KostRMoG], BT-Drs. 17/​11471 S. 179 []
  6. vgl. Korintenberg/​Diehn, GNot­KG, 20. Aufl., § 93 Rn. 35 []
  7. vgl. Münch­Komm-BGB/van Gemme­ren, StGB, 3. Aufl., § 64 Rn. 64 f. mwN []