Geschäfts­füh­rer­haf­tung bei der insol­venz­rei­fen GmbH

Macht der Insol­venz­ver­wal­ter gegen den Geschäfts­füh­rer einer GmbH einen Ersatz­an­spruch nach § 64 Abs. 2 GmbHG aF (= § 64 Satz 1 GmbHG nF) gel­tend und beruft er sich dabei auf eine Über­schul­dung der Gesell­schaft im Sin­ne des § 19 InsO in der bis zum 17. Okto­ber 2008 gel­ten­den Fas­sung, hat er ledig­lich die rech­ne­ri­sche Über­schul­dung anhand von Liqui­da­ti­ons­wer­ten dar­zu­le­gen. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last für eine posi­ti­ve Fort­füh­rungs­pro­gno­se – mit der Fol­ge einer Bewer­tung des Ver­mö­gens zu Fort­füh­rungs­wer­ten – obliegt dem Geschäfts­füh­rer 1.

Geschäfts­füh­rer­haf­tung bei der insol­venz­rei­fen GmbH

Die Akti­vie­rung eines Anspruchs auf Rück­zah­lung einer Miet­kau­ti­on in der Über­schul­dungs­bi­lanz setzt vor­aus, dass der Anspruch einen rea­li­sier­ba­ren Ver­mö­gens­wert dar­stellt.

Gemäß § 19 Abs. 2 InsO aF liegt eine Über­schul­dung vor, wenn das Ver­mö­gen des Schuld­ners die bestehen­den Ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr deckt. Bei der Bewer­tung des Ver­mö­gens des Schuld­ners ist jedoch die Fort­füh­rung des Unter­neh­mens zugrun­de zu legen, wenn die­se nach den Umstän­den über-wie­gend wahr­schein­lich ist. Aus dem Auf­bau des § 19 Abs. 2 InsO aF folgt ohne wei­te­res, dass die Über­schul­dungs­prü­fung nach Liqui­da­ti­ons­wer­ten in Satz 1 den Regel­fall und die nach Fort­füh­rungs­wer­ten in Satz 2, der eine posi­ti­ve Fort­füh­rungs­pro­gno­se vor­aus­setzt, den Aus­nah­me­fall dar­stellt. Im Haf­tungs­pro­zess wegen ver­bo­te­ner Zah­lun­gen nach § 64 Abs. 2 GmbHG aF hat die Geschäfts­lei­tung daher die Umstän­de dar­zu­le­gen und not­falls zu bewei­sen, aus denen sich eine güns­ti­ge Pro­gno­se für den frag­li­chen Zeit­raum ergibt 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Okto­ber 2010 – II ZR 151/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 09.10.2006 – II ZR 303/​05, ZIP 2006, 2171 Rn. 3; BGH, Urteil vom 27.04.2009 – II ZR 253/​07, ZIP 2009, 1220 Rn. 11[]
  2. BGH, Beschluss vom 09.10.2006 – II ZR 303/​05, ZIP 2006, 2171 Rn. 3; zur Insol­venz­ver­schlep­pungs­haf­tung nach § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 64 Abs. 1 GmbHG aF vgl. BGH, Urteil vom 27.04.2009 – II ZR 253/​07, ZIP 2009, 1220 Rn. 11[]