Gesell­schafter­lis­te und das Beschwer­de­recht des Notars

Wei­gert sich das Regis­ter­ge­richt wegen for­ma­ler Bean­stan­dun­gen, eine von einem Notar ein­ge­reich­te Gesell­schafter­lis­te in den Regis­ter­ord­ner auf­zu­neh­men, hat der Notar ein eige­nes Beschwer­de­recht.

Gesell­schafter­lis­te und das Beschwer­de­recht des Notars

Die Beschwer­de gegen den Beschluss des Regis­ter­ge­richts ist gemäß § 58 Abs. 1 FamFG statt­haft. Nach die­ser Vor­schrift fin­det die Beschwer­de gegen die im ers­ten Rechts­zug ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen der Amts- und Land­ge­rich­te in „Ange­le­gen­hei­ten nach die­sem Gesetz“ statt, also in Ange­le­gen­hei­ten nach dem FamFG. Zu die­sen Ange­le­gen­hei­ten gehört auch die in § 9 Abs. 1 HRV gere­gel­te Auf­nah­me der Gesell­schafter­lis­te in den Regis­ter­ord­ner, denn die in der HRV ergän­zend gere­gel­ten Ver­fah­rens­vor­schrif­ten beru­hen auf der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 387 Abs. 2 FamFG.

Der ein­rei­chen­de Notar ist auch dazu befugt, die Beschwer­de im eige­nen Namen ein­zu­le­gen. Das folgt zwar noch nicht aus § 59 Abs. 2 FamFG. Danach steht die Beschwer­de, wenn ein Beschluss nur auf Antrag erlas­sen wer­den kann und der Antrag zurück­ge­wie­sen wor­den ist, allein dem Antrag­stel­ler zu. In Fäl­len des § 59 Abs. 2 FamFG müs­sen immer auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 59 Abs. 1 FamFG erfüllt sein [1]. Das ist hier aber der Fall. Nach § 59 Abs. 1 FamFG steht die Beschwer­de dem­je­ni­gen zu, der durch den Beschluss in eige­nen Rech­ten beein­träch­tigt ist. Durch die Ableh­nung des Regis­ter­ge­richts, die vom Notar gemäß § 40 Abs. 2 GmbHG ein­ge­reich­te Gesell­schafter­lis­te in den Regis­ter­ord­ner auf­zu­neh­men, wird (auch) der Notar in eige­nen Rech­ten beein­träch­tigt. Soweit die Beschwer­de­be­fug­nis des Notars von Tei­len der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung mit der Erwä­gung in Abre­de gestellt wird, der Notar habe sei­ner per­sön­li­chen Amts­pflicht bereits mit der Ein­rei­chung der Lis­te genügt, so dass ihn die Zurück­wei­sung der Lis­te durch das Regis­ter­ge­richt nicht mehr in eige­nen Rech­ten beein­träch­ti­ge [2], ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof dem nicht zu fol­gen.

§ 40 Abs. 2 GmbHG ver­pflich­tet einen Notar, der an Ver­än­de­run­gen des Gesell­schaf­ter­be­stan­des mit­ge­wirkt hat, unver­züg­lich nach deren Wirk­sam­wer­den die geän­der­te Gesell­schafter­lis­te anstel­le der Geschäfts­füh­rer zu unter­schrei­ben, zum Han­dels­re­gis­ter ein­zu­rei­chen und eine Abschrift der geän­der­ten Lis­te an die Gesell­schaft zu über­mit­teln. Der Notar kommt mit der Ein­rei­chung der Lis­te zum Han­dels­re­gis­ter einer ihm oblie­gen­den Amts­pflicht nach, die ihm als Fol­ge­ver­pflich­tung aus sei­ner Mit­wir­kung an der Anteils­über­tra­gung erwächst [3]. Weist das Regis­ter­ge­richt eine vom Notar ein­ge­reich­te Gesell­schafter­lis­te zurück, macht es ihm die Erfül­lung sei­ner Amts­pflicht strei­tig. Wäre die Zurück­wei­sung berech­tigt, stün­de der Notar wei­ter­hin gemäß § 40 Abs. 2 GmbHG in der Amts­pflicht, eine (kor­ri­gier­te) Gesell­schafter­lis­te ein­zu­rei­chen [4].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. März 2011 – II ZB 6/​10

  1. BGH, Beschluss vom 27.08.2003 – XII ZB 33/​00, FamRZ 2003, 1738, 1740 zu § 20 FGG; Unger in SchulteBunert/​Weinreich, FamFG, 2. Aufl., § 59 Rn. 25[]
  2. OLG Köln, FGPrax 2010, 202[]
  3. OLG Köln, FGPrax 2010, 202; Altmeppen/​Roth, GmbHG, 6. Aufl., § 40 Rn. 14; Scholz/​Schneider, GmbHG, 10. Aufl., § 40 Rn. 38[]
  4. im Ergeb­nis eben­so OLG Jena, ZIP 2010, 831, 832[]