Gesell­schafts­recht­li­che Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen – Streit­wert und Beschwer

Es obliegt grund­sätz­lich dem Beschwer­de­füh­rer, dar­zu­le­gen und glaub­haft zu machen, dass er mit der beab­sich­tig­ten Revi­si­on die Abän­de­rung des Beru­fungs­ur­teils in einem Umfang erstre­ben will, der die Wert­gren­ze von 20.000 € über­steigt [1].

Gesell­schafts­recht­li­che Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen – Streit­wert und Beschwer

Bei gesell­schafts­recht­li­chen Anfech­tungs- und Nich­tig­keits­kla­gen rich­tet sich die Wert­be­mes­sung der Beschwer oder des Beschwer­de­ge­gen­stands nach den Grund­sät­zen des § 247 Abs. 1 AktG [2].

Der Streit­wert ist danach unter Berück­sich­ti­gung aller Umstän­de des Ein­zel­falls, ins­be­son­de­re der Bedeu­tung der Sache für die Par­tei­en, nach bil­li­gem Ermes­sen zu bestim­men. Das gilt auch bei der GmbH [3].

Das Inter­es­se des Klä­gers bemisst sich an dem wirt­schaft­li­chen Erfolg, den er durch die Nich­tig­erklä­rung des Beschlus­ses anstrebt.

Der Ver­mö­gens­wert von gesell­schafter­li­chen Ver­wal­tungs- und Herr­schafts­rech­te ist nicht höher als sein Anteils­wert zu bemes­sen [4]. In Erman­ge­lung ande­rer Anhalts­punk­te ist der Nenn­wert der Gesell­schafts­an­tei­le des Klä­gers zugrun­de zu legen [5].

Nichts ande­res ergibt sich aus dem Umstand, dass die beklag­te GmbH Kom­ple­men­tä­rin einer wirt­schaft­lich erfolg­rei­chen Kom­man­dit­ge­sell­schaft ist. Bei der Kom­man­dit­ge­sell­schaft und der beklag­ten GmbH als deren Kom­ple­men­tär-GmbH han­delt es sich um zwei recht­lich selb­stän­di­ge und damit getrenn­te Gesell­schaf­ten, die jede über ihren eige­nen Unter­neh­mens­wert ver­fü­gen, der wie­der­um in den jewei­li­gen Geschäfts- bzw. Gesell­schafts­an­tei­len abge­bil­det wird. Der Unter­neh­mens­wert der Kom­man­dit­ge­sell­schaft hat nur dann Ein­fluss auf den Wert der Kom­ple­men­tär-GmbH und damit auf die dar­an gehal­te­nen Geschäfts­an­tei­le, wenn die GmbH am Ver­mö­gen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft betei­ligt ist [6].

Weiterlesen:
Mindestbeschwer für die Revision - und die Zinsen

Die Bedeu­tung der Sache für die beklag­te Gesell­schaft ori­en­tiert sich an ihrem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se an der Auf­recht­erhal­tung des Beschlus­ses [7]. Soweit sich ein kon­kre­ter Ver­mö­gens­wert nicht fest­stel­len lässt, kön­nen die Höhe des Stamm­ka­pi­tals, Bilanz­sum­me sowie ggf. die Ergeb­nis­ver­schlech­te­rung zu berück­sich­ti­gen sein [8].

Wer­den kon­kre­te wirt­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen für die GmbH von den Par­tei­en nicht vor­ge­tra­gen, besteht inso­weit nur ein „Läs­tig­keits­wert“ des Begeh­rens des kla­gen­den Gesell­schaf­ters für die Gesell­schaft, der mit höchs­tens 10 % des Stamm­ka­pi­tals der beklag­ten GmbH zu ver­an­schla­gen ist [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10.11.2020 – II ZR 243/​19

  1. BGH, Beschluss vom 10.01.2017 – II ZR 177/​15 5; Beschluss vom 12.11.2019 – II ZR 262/​18, ZIn­sO 2020, 440 Rn. 3[]
  2. BGH, Beschluss vom 28.09.1981 – II ZR 88/​81, ZIP 1981, 1335, 1336; Beschluss vom 15.03.1999 – II ZR 94/​98, ZIP 1999, 840; Beschluss vom 21.06.2011 – II ZR 22/​10, NZG 2011, 997[]
  3. BGH, Beschluss vom 05.07.1999 – II ZR 313/​97, NZG 1999, 999; Beschluss vom 10.11.2009 – II ZR 196/​08, NZG 2009, 1438 Rn. 3[]
  4. BGH, Beschluss vom 08.12.2008 – II ZR 39/​08, NZG 2009, 518 Rn. 2[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 02.03.2009 – II ZR 59/​08, GmbHR 2009, 995 Rn. 4; Beschluss vom 14.05.2013 – II ZR 123/​12 1[]
  6. BGH, Beschluss vom 02.03.2009 – II ZR 59/​08, GmbHR 2009, 995 Rn. 6; Beschluss vom 24.06.2014 – II ZR 29/​13 3[]
  7. BGH, Beschluss vom 06.04.1992 – II ZR 249/​90, NJW-RR 1992, 1122, 1123[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 15.03.1999 – II ZR 94/​98, NZG 551, 552[]
  9. vgl. BGH, Beschluss vom 10.11.2009 – II ZR 196/​08, NZG 2009, 1438 Rn. 4[]

Bild­nach­weis:

Weiterlesen:
Negative Feststellungsklage - als Drittwiderklage gegen den Zedenten der Klageforderung
  • Verhandlungszimmer,Besprechungsraum,Unternehmen,Konferenzzimmer,: Pixabay