Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers

Auch ein Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer einer GmbH kann als “arbeit­neh­mer­ähn­li­che Per­son” in der Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung ver­si­chert sein, wie ein aktu­el­les Urteil des Sozi­al­ge­richts Karls­ru­he zeigt, in dem eine Berufs­ge­nos­sen­schaft ver­ur­teilt wur­de, den Sturz des Klä­gers – eines Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers einer „Fami­li­en-GmbH“ – von einer Lei­ter als Arbeits­un­fall anzu­er­ken­nen. Der Klä­ger, ein Stu­cka­teur­meis­ter, war von der beklag­ten Berufs­ge­nos­sen­schaft im Wesent­li­chen allein auf­grund sei­ner steu­er­li­chen Ver­an­la­gung zuvor den nicht unfall­ver­si­cher­ten unter­neh­mer­ähn­li­chen Per­so­nen zuge­ord­net wor­den.

Gesetz­li­che Unfall­ver­si­che­rung des Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers

Das SG Karls­ru­he ist dage­gen zur gegen­sätz­li­chen Ein­schät­zung des Sta­tus des Klä­gers als unfall­ver­si­cher­ter arbeit­neh­mer­ähn­li­cher Per­son auf­grund einer Gesamt­be­trach­tung der recht­li­chen und tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se der GmbH und sei­ner Anstel­lung gelangt. Als Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer habe der Klä­ger ledig­lich über Geschäfts­an­tei­le der GmbH in Höhe von 10.000 DM (= 20%) ver­fügt; die übri­gen Geschäfts­an­tei­le hiel­ten Vater und Mut­ter des Klä­gers. Gemäß dem maß­geb­li­chen GmbH-Ver­trag erfolg­ten Gesell­schaf­ter­be­schlüs­se aber mit Zwei-Drit­tel-Mehr­heit der abge­ge­be­nen Stim­men. Schon dar­aus wer­de ersicht­lich, dass der Klä­ger bereits for­mal kei­nen beherr­schen­den Ein­fluss auf die GmbH kraft Gesell­schaf­ter­stel­lung gehabt habe. Dafür sprä­chen des Wei­te­ren die Rege­lun­gen im vom Klä­ger geschlos­se­nen Geschäfts­füh­rer­dienst­ver­trag. Danach erhal­te der Klä­ger arbeit­neh­mer­ähn­lich Lohn­fort­zah­lung im Krank­heits­fall und jähr­lichen Erho­lungs­ur­laub von fünf Wochen, der im Ein­ver­neh­men mit der Gesell­schaft zeit­lich fest­zu­le­gen ist. Letz­te­res zei­ge, dass der Klä­ger nicht ein­mal sei­nen jährli­chen Erho­lungs­ur­laub frei bestimmt (= unter­neh­mer­ähn­lich) habe neh­men dür­fen. Die­se Aus­le­gung der der Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer­tä­tig­keit des Klä­gers zugrun­de lie­gen­den Ver­trä­ge decke sich zudem in über­zeu­gen­der Art und Wei­se mit der Unternehmenswirk­lichkeit. Aus den schrift­li­chen und münd­li­chen Aus­sa­gen der gehör­ten Zeu­gen erge­be sich über­ein­stim­mend, dass Ansprech­part­ner im Unter­neh­men, mit dem Prei­se ver­ein­bart und Fra­gen zu Objek­ten bespro­chen wor­den sei­en, im frag­li­chen Zeit­raum allein der Vater des Klä­gers gewe­sen ist. Der Klä­ger selbst habe eher die Rol­le eines Vor­ar­bei­ters erfüllt.

Sozi­al­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 23. Janu­ar 2008 – S 4 U 4767/​06