Gewinn­aus­schüt­tung an Kom­man­di­tis­ten und der Rück­for­de­rungs­vor­be­halt

Ein Rück­for­de­rungs­vor­be­halts bei Aus­schüt­tun­gen der Gesell­schaft an Kom­man­di­tis­ten ist unwirk­sam.

Gewinn­aus­schüt­tung an Kom­man­di­tis­ten und der Rück­for­de­rungs­vor­be­halt

Wie der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Grund­satz­ur­teil vom 12.03.2013 1 aus­ge­führt hat, schul­det ein Gesell­schaf­ter die Rück­zah­lung nicht durch Gewinn gedeck­ter Aus­zah­lun­gen an die Gesell­schaft nicht bereits nach den §§ 171 Abs. 1, 172 Abs. 4 HGB, die nur für das Außen­ver­hält­nis gegen­über den Gläu­bi­gern der Gesell­schaft gel­ten, bezie­hungs­wei­se nach denen Rück­zah­lungs­an­sprü­che nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens von dem Insol­venz­ver­wal­ter gemäß § 171 Abs. 2 HGB gel­tend gemacht wer­den. Viel­mehr kann sich ein sol­cher Rück­zah­lungs­an­spruch der Gesell­schaft im Innen­ver­hält­nis gegen­über dem Gesell­schaf­ter nur aus ande­ren Rechts­grün­den erge­ben, ins­be­son­de­re aus einer Ver­ein­ba­rung im Gesell­schafts­ver­trag 2.

Ob die Ver­ein­ba­rung eines sol­chen Rück­for­de­rungs­vor­be­halts vor­liegt, ist durch eine objek­ti­ve Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­tra­ges in Anleh­nung an die Aus­le­gung und Inhalts­kon­trol­le von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen zu ermit­teln 3. Für den einer Publi­kums­per­so­nen­ge­sell­schaft bei­tre­ten­den Gesell­schaf­ter müs­sen sich die mit dem Bei­tritt ver­bun­de­nen, nicht unmit­tel­bar aus dem Gesetz fol­gen­den Rech­te und Pflich­ten klar aus dem Gesell­schafts­ver­trag erge­ben; Zwei­fel bei der Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­tra­ges gehen in Anleh­nung an § 305c Abs. 2 BGB zu Las­ten der Gesell­schaft 4. Die Rege­lun­gen im Gesell­schafts­ver­trag sind auch dar­an zu mes­sen, ob sie über­ra­schend im Sin­ne des § 305c Abs. 1 BGB sind 5.

Nach die­sen Grund­sät­zen fin­det sich im hier ent­schie­de­nen Fall im Gesell­schafts­ver­trag der Kom­man­dit­ge­sell­schaft bereits kei­ne Rege­lung, der die Kom­man­di­tis­ten klar ent­neh­men konn­ten, dass sie die emp­fan­ge­nen Aus­schüt­tun­gen ggf. jeder­zeit an die Kom­man­dit­ge­sell­schaft zurück­zah­len müs­sen. Ein­zi­ger Anhalts­punkt hier­für könn­te § 13 Ziff. 7. sein, wonach "Aus­schüt­tun­gen von Liqui­di­täts­über­schüs­sen (…) den Kom­man­di­tis­ten als unver­zins­li­che Dar­le­hen gewährt (wer­den), sofern die Aus­schüt­tun­gen nicht durch Gut­ha­ben auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten gedeckt sind.". Die­se Rege­lung ist jedoch schon für sich genom­men unklar, im Zusam­men­hang mit den übri­gen Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges aber jeden­falls über­ra­schend. Im Übri­gen spre­chen gewich­ti­ge Indi­zi­en und die äuße­ren Umstän­de dafür, dass tat­säch­lich kei­ne Rück­for­der­bar­keit gewollt war. Die Kom­man­di­tis­tin hat den Anspruch auch nicht aner­kannt.

Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg teilt nicht die Auf­fas­sung, dass sich nach den zitier­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­ho­fes ein Rück­zah­lungs­vor­be­halt stets bereits aus einer gesell­schafts­ver­trag­li­chen Bestim­mung erge­be, der zufol­ge die betref­fen­den Aus­schüt­tun­gen an die Kom­man­di­tis­ten "als Dar­le­hen gewährt" wer­den. Zwar ist der Kom­man­dit­ge­sell­schaft im Hin­blick auf den Wort­laut des § 13 Nr. 7. zuzu­ge­ben, dass die For­mu­lie­rung "Aus­schüt­tun­gen wer­den den Kom­man­di­tis­ten als Dar­le­hen gewährt" über die Begrif­fe "Dar­le­hens­kon­to" und "Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit" in § 11 Nr. 3. des den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­ho­fes zugrun­de lie­gen­den Gesell­schafts­ver­tra­ges inso­weit hin­aus­geht, als dass Unsi­cher­hei­ten bezüg­lich der Ein­ord­nung von Gläu­bi­ger und Schuld­ner der Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit zumin­dest ein­ge­grenzt wer­den. Allein die Ver­wen­dung des Begrif­fes "Dar­le­hen" genügt jedoch nicht, um die Rück­for­der­bar­keit der Aus­schüt­tun­gen sicher fest­stel­len zu kön­nen. Viel­mehr erfor­dert eine kla­re Rege­lung, dass die Vor­aus­set­zun­gen der Dar­le­hens­ge­wäh­rung hin­rei­chend deut­lich wer­den. Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. § 13 Ziff. 7. lässt nicht hin­rei­chend deut­lich erken­nen, wann die Kom­man­di­tis­ten eine Aus­schüt­tung dau­er­haft und wann nur dar­le­hens­wei­se emp­fan­gen sol­len. Viel­mehr ver­un­klart der Ver­weis auf vor­han­de­ne "Gut­ha­ben auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten" die Rege­lung, da hier­mit Bezug genom­men wird auf einen Sach­ver­halt, der sich dem frag­li­chen Zah­lungs­vor­gang nicht ent­neh­men lässt und damit aus Sicht des Kom­man­di­tis­ten als Zah­lungs­emp­fän­ger die siche­re Beur­tei­lung, ob die Kom­man­dit­ge­sell­schaft ihm eine Aus­schüt­tung ohne Rück­for­de­rungs­recht oder nur ein Dar­le­hen gewäh­ren will, von vorn­her­ein ver­hin­dert.

Soweit die Kom­man­dit­ge­sell­schaft meint, die­se Unklar­heit wer­de dadurch besei­tigt, dass die Bezug­nah­me auf Gesell­schaf­ter­kon­ten in § 13 Zif­fer 7. aus­schließ­lich auf das Gesell­schaf­ter­kon­to gemäß § 11 Zif­fer 4. des Gesell­schafts­ver­tra­ges ver­wei­se und nicht auf die in § 11 eben­falls ange­spro­che­nen Kapi­tal­kon­ten I und II oder ein Ver­lust­son­der­kon­to des Kom­man­di­tis­ten, kann dem nicht gefolgt wer­den.

Zwar trifft es zu, dass nach der Sys­te­ma­tik des § 11 des Gesell­schafts­ver­tra­ges ein Gut­ha­ben auf dem Gesell­schaf­ter­kon­to gemäß § 11 Zif­fer 4. ledig­lich dann ent­ste­hen kann, wenn das Ver­lust­son­der­kon­to gemäß § 11 Zif­fer 3. durch ent­spre­chen­de Gewinn­an­tei­le aus­ge­gli­chen sei, da wei­te­re Gewinn­an­tei­le erst danach auf das Gesell­schaf­ter­kon­to gemäß § 11 Zif­fer 4. gebucht wer­den kön­nen, so dass ein etwai­ger Dar­le­hens­cha­rak­ter der Aus­schüt­tun­gen gemäß § 13 Zif­fer 7. erst dann ent­fie­le, wenn sämt­li­che Ver­lust­an­tei­le des Kom­man­di­tis­ten durch Gewinn­an­tei­le aus­ge­gli­chen sind.

Aller­dings kann das Rege­lungs­mo­dell des Gesell­schafts­ver­tra­ges man­gels nähe­rer Rege­lun­gen zu den Gesell­schaf­ter­kon­ten auch dahin ver­stan­den wer­den, dass auf­grund des dem Aus­zah­lungs­vor­gang gemäß § 8 Zif­fer 8. e)) des Gesell­schafts­ver­tra­ges vor­aus­ge­hen­den Aus­schüt­tungs­be­schlus­ses zunächst ein Gesell­schaf­ter­kon­to gemäß § 11 Zif­fer 4. ange­legt und auf die­ses der ent­spre­chend dem Aus­schüt­tungs­be­schluss an den jewei­li­gen Kom­man­di­tis­ten zu leis­ten­de Betrag als For­de­rung gegen die Gesell­schaft gebucht wird. Hier­nach stün­de der anschlie­ßen­den Aus­zah­lung des Aus­schüt­tungs­be­tra­ges dann aber ein ent­spre­chen­des Gut­ha­ben auf dem betref­fen­den Gesell­schaf­ter­kon­to gegen­über, so dass die Vor­aus­set­zung des § 13 Zif­fer 7. des Gesell­schafts­ver­tra­ges inso­weit gera­de nicht ein­tre­ten könn­te. Für eine sol­che Inter­pre­ta­ti­on spricht immer­hin, dass durch den ent­spre­chen­den Aus­schüt­tungs­be­schluss ein Anspruch des Kom­man­di­tis­ten gegen die Kom­man­dit­ge­sell­schaft ent­stan­den ist, der auch schon vor dem tat­säch­li­chen Aus­zah­lungs­vor­gang auf einem Gesell­schaf­ter­kon­to zu sei­nen Guns­ten ver­bucht wer­den muss. Andern­falls hät­te der Kom­man­di­tist nicht die Mög­lich­keit, sich einen zunächst ste­hen gelas­se­nen Aus­schüt­tungs­be­trag (vgl. § 13 Zif­fer 8. Satz 2 des Gesell­schafts­ver­tra­ges) spä­ter doch noch aus­zah­len zu las­sen. Zugleich ist unklar, ob der ste­hen gelas­se­ne Aus­schüt­tungs­be­trag, der nach dem Wort­laut des § 13. Zif­fer 7. ggf. trotz­dem nur dar­le­hens­wei­se gewährt wur­de, für die Fra­ge, ob bei der nächs­ten Aus­schüt­tung das Gesell­schaf­ter­kon­to einen nega­ti­ven Sal­do auf­weist, zu berück­sich­ti­gen ist oder nicht. Die­se Unklar­hei­ten müs­sen zu Las­ten der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gehen.

Selbst wenn § 13 Zif­fer 7. – ent­ge­gen dem zuvor fest­ge­stell­ten Befund – für aus­rei­chend erach­tet wer­den könn­te, um eine Dar­le­hens­ge­wäh­rung zu begrün­den, dürf­te die Kom­man­dit­ge­sell­schaft einen Rück­zah­lungs­an­spruch hier­auf nicht stüt­zen, denn die Klau­sel wäre ent­spre­chend § 305c Abs. 1 BGB unwirk­sam. Danach wer­den Bestim­mun­gen, die nach den Umstän­den so unge­wöhn­lich sind, dass der Ver­trags­part­ner des Ver­wen­ders mit ihnen nicht zu rech­nen braucht, nicht Ver­trags­be­stand­teil. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen in Bezug auf § 13 Zif­fer 7. vor, denn die Kom­man­di­tis­ten muss­ten nicht damit rech­nen, dass sie die Aus­schüt­tun­gen ggf. zu erstat­ten haben. Weder aus den sons­ti­gen Rege­lun­gen des Gesell­schafts­ver­tra­ges noch aus dem Emis­si­ons­pro­spekt las­sen sich Anhalts­punk­te für den Wil­len der Kom­man­dit­ge­sell­schaft ent­neh­men, die aus Liqui­di­tät erfolg­ten Aus­schüt­tun­gen unter dem Vor­be­halt der Rück­for­de­rung zu stel­len.

Der Gesell­schafts­ver­trag sieht Aus­zah­lun­gen durch Aus­schüt­tun­gen von Gewin­nen und Liqui­di­täts­über­schüs­sen vor (vgl. § 8 Zif­fer 8. e) und macht die­se – neben dem erfor­der­li­chen zustim­men­den Gesell­schaf­ter­be­schluss – nur davon abhän­gig, dass die Liqui­di­täts­la­ge der Gesell­schaft nicht gefähr­det wird (vgl. § 13 Zif­fer 6.). Schon aus Grün­den der Klar­heit hät­te in die­sem Zusam­men­hang in § 13 dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den müs­sen, dass die Gesell­schaft sich ein Rück­for­de­rungs­recht unab­hän­gig von einer Kün­di­gung des Anle­gers vor­be­hält. Denn immer­hin kann der Anle­ger dem Gesell­schafts­ver­trag ohne Wei­te­res ent­neh­men, dass er im Fal­le sei­ner Kün­di­gung die Aus­schüt­tun­gen, die nicht durch Gewinn­an­tei­le gedeckt sind, zurück­zah­len muss, wenn sein Aus­ein­an­der­set­zungs­gut­ha­ben nega­tiv ist (vgl. § 17 Zif­fer 4. a.E.).

Über­ra­schend ist die Klau­sel auch des­halb, weil bei wort­laut­ge­treu­em Ver­ständ­nis des § 13 Zif­fer 7. ein Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch der Gesell­schaft auch dann fort­be­stehen wür­de, wenn nach der in Rede ste­hen­den Aus­schüt­tung im spä­te­ren Ver­lauf im Umfang des Aus­schüt­tungs­be­tra­ges Gewinn­an­tei­le zu Guns­ten des Kom­man­di­tis­ten zu buchen sind, die zu einem Gut­ha­ben auf dem – dem Ver­ständ­nis der Kom­man­dit­ge­sell­schaft fol­gend – gemäß § 11 Zif­fer 4. anzu­le­gen­den Gesell­schaf­ter­kon­to füh­ren. In die­ser Lage wür­den zwar spä­te­re Aus­schüt­tun­gen auch nach Auf­fas­sung der Kom­man­dit­ge­sell­schaft kei­nen wei­te­ren Dar­le­hens­rück­zah­lungs­an­spruch begrün­den, gleich­wohl bestün­de die Ver­pflich­tung zur Rück­zah­lung frü­he­rer Aus­schüt­tun­gen aber auf Dau­er unver­än­dert fort. Die­ses Ver­ständ­nis hat offen­bar auch die Kom­man­dit­ge­sell­schaft, die – obwohl den Aus­schüt­tun­gen von € 347.167, 23 ein kumu­lier­tes Han­dels­bi­lanz­er­geb­nis von ledig­lich minus € 86.950, 07 ent­ge­gen­steht – die Kün­di­gung sämt­li­cher Aus­zah­lun­gen unab­hän­gig davon erklärt hat, dass plan­ge­mäß ein Groß­teil der aus Sicht der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gewähr­ten "Dar­le­hen" inzwi­schen durch Gewinn­an­tei­le aus­ge­gli­chen sind. So for­dert die Kom­man­dit­ge­sell­schaft in ihrem Schrei­ben vom 15.10.2012 20 % der Zeich­nungs­sum­me als "ers­ten Teil­be­trag" zurück und behält sich wei­te­re Zah­lungs­auf­for­de­run­gen vor. Dies wird auch dadurch belegt, dass die Aus­schüt­tun­gen in den Jah­res­ab­schlüs­sen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft, vor­ge­legt mit ihrem Schrift­satz vom 17.10.2014, zunächst bis 2010 in vol­ler Höhe (ca. 13,4 Mio €) als Ent­nah­men pas­si­viert wor­den sind, im Jahr 2011 20 % der Aus­schüt­tun­gen (ca. 2,75 Mio €) unter Hin­weis auf die geplan­te Teil­rück­for­de­rung als "For­de­run­gen gegen Gesell­schaf­ter" akti­viert und die rest­li­che Sum­me (ca. 10,6 Mio €) wei­ter­hin als Ent­nah­me aus­ge­wie­sen wur­den sowie im Jahr 2012 die noch nicht zurück­ge­for­der­ten 80 % (ca. 10,6 Mio €) nicht mehr als Ent­nah­me, son­dern als "Dar­le­hens­wei­se aus­ge­zahl­te Aus­schüt­tun­gen" pas­si­viert wor­den sind. Deut­li­cher kann nicht zum Aus­druck gebracht wer­den, dass die Kom­man­dit­ge­sell­schaft der Auf­fas­sung ist, dass eine Ver­rech­nung der Aus­schüt­tun­gen mit spä­te­ren Gewin­nen nicht vor­ge­se­hen ist. Die­sen Umstand hat der Bun­des­ge­richts­hof aus­drück­lich als Indiz gegen eine Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung des Kom­man­di­tis­ten gewür­digt 6.

Die Klau­sel über­rascht auch in Bezug auf die Fol­gen ste­hen gelas­se­ner Aus­schüt­tun­gen.

Nach dem oben Gesag­ten bleibt unklar, ob der ste­hen gelas­se­ne Aus­schüt­tungs­be­trag für die Fra­ge, ob bei der nächs­ten Aus­schüt­tung das Gesell­schaf­ter­kon­to einen nega­ti­ven Sal­do auf­weist, zu berück­sich­ti­gen ist oder nicht. Für bei­de Vari­an­ten ergä­ben sich über­ra­schen­de Fol­gen:

Ist der ste­hen gelas­se­ne Aus­schüt­tungs­be­trag nicht zu berück­sich­ti­gen, über­rascht es den Anle­ger, dass sein Gesell­schaf­ter­kon­to zwar einen posi­ti­ven Sal­do auf­weist, ihm eine wei­te­re Aus­schüt­tung aber den­noch nur als Dar­le­hen gewährt wird.

Ist der ste­hen gelas­se­ne Aus­schüt­tungs­be­trag dage­gen zu berück­sich­ti­gen, führt dies zu einer Bes­ser­stel­lung der­je­ni­gen, die Aus­schüt­tun­gen ste­hen las­sen, ohne dass dies für die Anle­ger erkenn­bar wäre, denn in die­ser Kon­stel­la­ti­on dürf­te der Anle­ger, der vor­he­ri­ge Aus­schüt­tun­gen ste­hen gelas­sen und damit einen posi­ti­ven Sal­do her­bei­ge­führt hat, die fol­gen­de Aus­schüt­tung dau­er­haft behal­ten, wäh­rend die­je­ni­gen, die die vor­he­ri­gen Aus­schüt­tun­gen ent­nom­men haben, auch die fol­gen­de Aus­schüt­tung nur als Dar­le­hen erhal­ten sol­len. Die­se Fol­ge wird schon des­halb nicht deut­lich, weil § 13 Ziff. 7. die Dar­le­hens­ge­wäh­rung nicht erst an die Ent­nah­me knüpft, son­dern bereits an die Aus­schüt­tung. Dass bei­de Begrif­fe nicht inhalts­gleich ver­wen­det wer­den, folgt schon dar­aus, dass andern­falls eine Aus­schüt­tung nicht ste­hen gelas­sen wer­den könn­te. Mit die­ser Fol­ge brauch­ten die Anle­ger auch nicht des­halb zu rech­nen, weil der­je­ni­ge, der eine Aus­schüt­tung ste­hen lässt, der Gesell­schaft gera­de kei­ne Mit­tel ent­zieht, denn nach § 18 Ziff. 2. a) des Gesell­schafts­ver­tra­ges erhält die­ser Anle­ger die ste­hen gelas­se­nen Aus­schüt­tun­gen bei der Ver­tei­lung des Liqui­da­ti­ons­er­lö­ses vor­ab. Gleich­zei­tig durf­ten die Anle­ger ange­sichts die­ser Rege­lung auch anneh­men, dass mit die­ser Gleich­be­hand­lung aller Anle­ger zugleich die Kon­se­quenz ver­bun­den ist, dass sämt­li­che Aus­schüt­tun­gen dau­er­haft bei ihnen ver­blei­ben sol­len, denn § 18 Ziff. 2. a) unter­schei­det nicht danach, ob die Aus­schüt­tung als Dar­le­hen im Sin­ne von § 13 Ziff. 7. oder zum dau­er­haf­ten Ver­bleib gewährt wur­de, auch im ers­ten Fall ist die Aus­zah­lung vor­ge­se­hen. Im Übri­gen hält der Bun­des­ge­richts­hof Rege­lun­gen wie die­se für ein gewich­ti­ges Indiz dafür, dass in der Pha­se des Betriebs des Schiffs eine Rück­for­de­rung die­ser Aus­zah­lun­gen nicht gewollt gewe­sen ist 7. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg folgt nicht der Auf­fas­sung, dass die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes inso­weit nicht über­trag­bar sei, denn neben dem zuvor dar­ge­stell­ten Wider­spruch fehlt es auch vor­lie­gend an einem aus­drück­li­chen Hin­weis dar­auf, dass eine Pflicht zur Rück­zah­lung der Dar­le­hen droht.

Dass die Kom­man­di­tis­ten nicht mit einer dar­le­hens­wei­sen Gewäh­rung rech­nen muss­ten, ergibt sich auch dar­aus, dass es nahe­lie­gend gewe­sen wäre, im Gesell­schafts­ver­trag die Vor­aus­set­zun­gen zu regeln, unter denen der Gesell­schaf­ter zur Rück­zah­lung der Aus­schüt­tun­gen an die Gesell­schaft ver­pflich­tet sein soll­te, wenn die Aus­zah­lun­gen unter dem Vor­be­halt einer Rück­for­de­rung hät­ten ste­hen sol­len. Das Recht der Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaf­ten gewährt kei­nen gesetz­li­chen Anspruch auf Rück­zah­lung von (ver­trag­lich ein­ge­räum­ten) Aus­schüt­tun­gen, auf den man­gels ver­trag­li­cher Rege­lun­gen zurück­ge­grif­fen wer­den könn­te. Ein Rück­griff auf gesetz­li­che Rege­lun­gen des bür­ger­li­chen ‑recht­li­chen Dar­le­hens­ver­tra­ges wür­de dem im Gesell­schafts­ver­trag zum Aus­druck kom­men­den Wil­len der Gesell­schaf­ter nicht gerecht. Es wäre wider­sprüch­lich, wenn die Gesell­schaf­ter, wie dies der Gesell­schafts­ver­trag und die Finanz­pla­nung vor­se­hen, regel­mä­ßig aus Liqui­di­täts­über­schüs­sen Zah­lun­gen von der Gesell­schaft erhal­ten sol­len, ihnen die­se – mög­li­cher­wei­se über erheb­li­che Zeit­räu­me hin­weg geleis­te­ten – Zah­lun­gen aber ohne beson­de­ren Grund kurz­fris­tig wie­der ent­zo­gen wer­den könn­ten 8. Dies muss umso mehr gel­ten, als in § 13 Zif­fer 6. des Ver­tra­ges aus­drück­lich gere­gelt ist, dass Aus­schüt­tun­gen nur dann zuläs­sig sind, wenn die­se die Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen nicht gefähr­den. Bei die­ser Sach­la­ge darf ein ver­stän­di­ger Leser erwar­ten, dass im Ver­trag gere­gelt wird, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen geprüf­te Aus­zah­lun­gen gleich­wohl wie­der zurück­ver­langt wer­den kön­nen.

Soweit die Kom­man­dit­ge­sell­schaft gel­tend macht, sie sei selbst­ver­ständ­lich nur im Fal­le einer Liqui­di­täts­kri­se zur Rück­for­de­rung berech­tigt, ergibt sich die­se Ein­schrän­kung nicht aus dem Ver­trag. Die­se wäre aber aus Grün­den der Klar­heit zwin­gend gebo­ten gewe­sen. Dies zeigt sich auch an dem Umstand, dass die Kom­man­dit­ge­sell­schaft das angeb­li­che Dar­le­hen ohne Ein­hal­tung einer Frist gekün­digt und zur sofor­ti­gen Rück­zah­lung auf­ge­for­dert hat.

Im Übri­gen spricht auch die­ser Umstand vor dem Hin­ter­grund ganz erheb­li­cher Aus­schüt­tun­gen von nahe­zu 100 % der Zeich­nungs­sum­me dafür, dass eine sol­che Kon­se­quenz bei Abfas­sung der Sat­zung nicht gewollt war.

Über­ra­schend ist die Rege­lung auch des­halb, weil die Aus­schüt­tung als sol­che gemäß §§ 8 Zif­fer 8. Buchst. e)), 9 Zif­fer 2. Satz 1 des Gesell­schafts­ver­tra­ges einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit von 75 % der abge­ge­be­nen Stim­men der Gesell­schaf­ter bedarf, die Rück­for­de­rung als "actus con­tra­ri­us" aber allein von der an kei­ne wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen gebun­de­nen Ent­schei­dung der Kom­ple­men­tä­rin der Kom­man­dit­ge­sell­schaft abhän­gen soll.

Auch der Emis­si­ons­pro­spekt, der nicht zuletzt wegen der mit der Bei­tritts­er­klä­rung aus­drück­lich erfolg­ten Inbe­zug­nah­me auch im Rah­men der Aus­le­gung des Gesell­schafts­ver­tra­ges zu berück­sich­ti­gen ist 9 und den die Kom­man­di­tis­tin vor­ge­legt hat, legt nicht nahe, dass es sich bei den Aus­schüt­tun­gen, die bereits in der Ein­lei­tung auf Sei­te 4 und dann spä­ter bei der Liqui­di­täts­vor­schau auf Sei­te 19 in Höhe von ins­ge­samt 98 % des Anla­ge­be­tra­ges in Aus­sicht gestellt wer­den, um bloß dar­le­hens­hal­ber und mit­hin jeder­zeit und ohne Ein­hal­tung einer Frist rück­for­der­bar gewähr­te Zah­lun­gen han­deln sol­le. Hier­auf wird der Anle­ger auch nicht in der wei­te­ren Dar­stel­lung zu den Aus­schüt­tun­gen auf Sei­te 13 des Pro­spekts hin­ge­wie­sen, dort fin­det sich viel­mehr allein ein Hin­weis dar­auf, dass in Höhe der Aus­schüt­tun­gen "die Haf­tung für die Kommanditisten/​Treu­ge­ber gemäß §§ 169 ff. HGB wie­der auf­lebt". Der Ver­weis auf Sei­te 16 des Emis­si­ons­pro­spekts unter dem Stich­wort "Haf­tung" bezieht sich eben­falls ledig­lich dar­auf, dass "die Aus­schüt­tun­gen …(zumin­dest teil­wei­se) zu einem Wie­der­auf­le­ben der Haf­tung füh­ren" wer­den. Die Über­sicht "Liqui­di­täts­vor­schau und steu­er­li­che Ergeb­nis­rech­nung" auf Sei­te 19 des Emis­si­ons­pro­spekts lässt im Zusam­men­hang mit den dort pro­gnos­ti­zier­ten Aus­schüt­tun­gen einen Hin­weis auf deren jeder­zei­ti­ge Rück­for­der­bar­keit durch die Kom­man­dit­ge­sell­schaft eben­falls nicht erken­nen. Von einer "eventuelle(n) Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung" in Höhe der in Anspruch genom­me­nen Aus­schüt­tun­gen ist ledig­lich auf Sei­te 39 des Pro­spekts unter "Pro­spekt­an­ga­ben" inso­weit die Rede, als dass dort auf die Aus­füh­run­gen auf Sei­te 13 des Emis­si­ons­pro­spekts ver­wie­sen wor­den ist. Auf eine etwai­ge Dar­le­hens­ge­wäh­rung der Gesell­schaft an die Kom­man­di­tis­ten fin­det sich dort aber gleich­falls kein Hin­weis.

Neben den zuvor dar­ge­stell­ten Grün­den spre­chen auch die äuße­ren Umstän­de gegen den Wil­len, ein Rück­for­de­rungs­recht bezüg­lich liqui­di­täts­be­ding­ter Aus­schüt­tun­gen zu begrün­den. Wäh­rend der gesam­ten Lauf­zeit des Fonds sind Mit­tei­lun­gen an die Kom­man­di­tis­ten unter­blie­ben, dass die jewei­li­gen Aus­schüt­tun­gen ledig­lich dar­le­hens­hal­ber gewährt wer­den. Eine Ver­bu­chung als Dar­le­hen auf den Gesell­schaf­ter­kon­ten ist nicht erfolgt. Die angeb­li­chen Dar­le­hens­for­de­run­gen sind erst­mals im Jah­res­ab­schluss 2011 als Ver­mö­gens­ge­gen­stand akti­viert wor­den. Soweit die Kom­man­dit­ge­sell­schaft in ihrem Schrift­satz vom 17.10.2014 vor­trägt, dass eine Akti­vie­rung des­halb nicht erfolgt sei, weil die Geschäfts­füh­rung der Kom­man­dit­ge­sell­schaft die Auf­fas­sung ver­tre­ten habe, dass (nur) ein auf­schie­bend beding­ter Rück­for­de­rungs­an­spruch der Gesell­schaft vor­lie­ge, der erst in einer Kri­se der Gesell­schaft durch die Geschäfts­füh­rer gel­tend gemacht dür­fe, spricht dies nicht für einen ernst­haf­ten Rück­for­de­rungs­wil­len. Denn für die recht­li­che Kon­struk­ti­on eines auf­schie­bend beding­ten Rück­zah­lungs­an­spruchs (Ein­tritt einer Kri­se) fin­det sich im Gesell­schafts­ver­trag kei­ner­lei Ansatz, ins­be­son­de­re ist nicht gere­gelt, wann eine Kri­se vor­lie­gen soll.

Ob selbst bei Annah­me eines Dar­le­hens der Rück­zah­lungs­an­spruch wirk­sam begrün­det wor­den wäre, obwohl die Kom­man­dit­ge­sell­schaft vor der Kün­di­gung noch nicht ein­mal die Zustim­mung des Bei­ra­tes ein­ge­holt hat­te, wozu sie nach der Sat­zung bei allen Maß­nah­men ver­pflich­tet ist, die über den gewöhn­li­chen Geschäfts­be­trieb hin­aus­ge­hen (vgl. § 6 Zif­fer 3. des Gesell­schafts­ver­tra­ges), kann im Ergeb­nis offen­blei­ben. Die frist­lo­se Kün­di­gung von Gesell­schaf­ter­dar­le­hen im Umfang von nahe­zu 100 % der Zeich­nungs­sum­men dürf­te jedoch kei­ne Hand­lung des gewöhn­li­chen Geschäfts­be­trie­bes dar­stel­len. Die Ent­schei­dung, ob ein Schiff trotz lau­fen­der Ver­lus­te unter Ein­satz von Mit­teln der Gesell­schaf­ter wei­ter fah­ren oder unver­züg­lich (mög­li­cher­wei­se zu einem hohen Schrott­preis) ver­kauft wer­den soll, ist kei­ne Maß­nah­me, die die Geschäfts­füh­rung ohne Betei­li­gung der Gesell­schaf­ter ent­schei­den darf.

Soweit die Kom­man­dit­ge­sell­schaft meint, die Kom­man­di­tis­tin sei jeden­falls des­halb zur Zah­lung ver­pflich­tet, da sie dem Jah­res­ab­schluss 2011, der "For­de­run­gen gegen die Gesell­schaf­ter" aus­weist, zuge­stimmt habe, kann dem nicht gefolgt wer­den. Dem steht schon ent­ge­gen, dass die Zustim­mung zum Jah­res­ab­schluss 2011 nicht als Aner­kennt­nis des erst Ende 2012 gel­tend gemach­ten Dar­lehns­rück­zah­lungs­an­spru­ches gewer­tet wer­den kann. Die blo­ße Zustim­mung zum Jah­res­ab­schluss kann auch nicht als Aner­kennt­nis der in der Bilanz akti­vier­ten "For­de­run­gen gegen Gesell­schaf­ter" ange­se­hen wer­den, da die­se Bilanz­po­si­ti­on zu unbe­stimmt ist, als dass inso­weit von einem Erklä­rungs­wil­len aus­ge­gan­gen wer­den könn­te.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 7. Novem­ber 2014 – 11 U 60/​14

  1. BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/​11[]
  2. BGH, aaO.; Urtei­le vom 01.07.2014 – II ZR 72/​12, II ZR 73/​12[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/​11[]
  4. vgl. BGH, aaO., Rn. 14[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 11.12.2003 – III ZR 118/​03[]
  6. BGH, Urteil vom 12.03.2013 – II ZR 73/​11 17[]
  7. vgl. BGH, aaO., Rn. 26[]
  8. BGH, aaO., Rn 23[]
  9. BGH, Urteil vom 08.10.2013 – II ZR 272/​1220[]