Gewinn­ver­tei­lung in der Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft

Haben Ehe­gat­ten still­schwei­gend eine Innen­ge­sell­schaft ver­ein­bart, so dass aus­drück­li­che Abspra­chen über ihre jewei­li­ge Betei­li­gung am Gewinn feh­len, ist – gege­be­nen­falls anhand einer Ver­trags­aus­le­gung – zu prü­fen, ob sich aus ande­ren fest­stell­ba­ren Umstän­den Hin­wei­se auf eine bestimm­te Ver­tei­lungs­ab­sicht erge­ben. Erst wenn es hier­an fehlt, greift ergän­zend die Rege­lung des § 722 Abs. 1 BGB ein.

Gewinn­ver­tei­lung in der Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft

Für das Vor­lie­gen einer Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft kommt es maß­geb­lich dar­auf an, wel­che Ziel­vor­stel­lun­gen die Ehe­gat­ten mit der Ver­mö­gens­bil­dung ver­fol­gen, ins­be­son­de­re ob sie mit ihrer Tätig­keit einen über die blo­ße Ver­wirk­li­chung der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft hin­aus­ge­hen­den Zweck errei­chen wol­len, und ob ihrem Tun die Vor­stel­lung zugrun­de liegt, dass das gemein­sam geschaf­fe­ne Ver­mö­gen wirt­schaft­lich betrach­tet nicht nur dem for­mal Berech­tig­ten, son­dern auch dem ande­ren Ehe­gat­ten zuste­hen soll. Indi­zi­en für eine nach gesell­schafts­recht­li­chen Grund­sät­zen zu bewer­ten­de Zusam­men­ar­beit der Ehe­gat­ten erge­ben sich zum Bei­spiel aus Pla­nung, Umfang und Dau­er der Ver­mö­gens­bil­dung, fer­ner aus Abspra­chen über die Ver­wen­dung und Wie­der­an­la­ge erziel­ter Erträ­ge. Dage­gen darf das Erfor­der­nis der gleich geord­ne­ten Mit­ar­beit wegen der unter­schied­li­chen Mög­lich­kei­ten der Betei­li­gung nicht über­be­tont wer­den, so lan­ge nur jeder Ehe­gat­te für die Gesell­schaft einen nen­nens­wer­ten und für den erstreb­ten Erfolg bedeut­sa­men Bei­trag leis­ten soll1.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall haben die (frü­he­ren) Ehe­gat­ten die Grund­stü­cke, auf denen die Tier­zucht betrie­ben wur­de, gemein­sam erwor­ben und durch gemein­sam auf­ge­nom­me­ne Dar­le­hen finan­ziert. Damit haben bei­de wesent­li­che Bei­trä­ge zur Errei­chung des mit dem Betrieb ver­folg­ten, über die Ver­wirk­li­chung der ehe­li­chen Lebens­ge­mein­schaft hin­aus­ge­hen­den Zwecks erbracht. Dar­über hin­aus hat der Ehe­mann den Betrieb jeden­falls auch durch sei­ne Fach­kennt­nis­se unter­stützt. Dass er gleich­wohl kei­nen nen­nens­wer­ten Bei­trag geleis­tet haben kann, ergibt sich jeden­falls nicht aus einer ander­wei­ti­gen voll­schich­ti­gen Tätig­keit. Bei die­ser Sach­la­ge ist eine kon­klu­den­te Eini­gung über die Zusam­men­ar­beit der Par­tei­en im Rah­men einer Ehe­gat­ten­in­nen­ge­sell­schaft anzu­neh­men.

Die Fra­ge, mit wel­chem Anteil die Gesell­schaf­ter am Gewinn teil­neh­men, ist grund­sätz­lich nach der Ver­ein­ba­rung im Gesell­schafts­ver­trag zu beant­wor­ten. Haben Ehe­gat­ten still­schwei­gend eine Innen­ge­sell­schaft ver­ein­bart, so dass aus­drück­li­che Abspra­chen feh­len, ist – gege­be­nen­falls anhand einer Ver­trags­aus­le­gung – zu prü­fen, ob sich aus ande­ren fest­stell­ba­ren Umstän­den Hin­wei­se auf eine bestimm­te Ver­tei­lungs­ab­sicht erge­ben. Erst wenn es hier­an fehlt, greift ergän­zend die Rege­lung des § 722 Abs. 1 BGB ein, wonach jeder Gesell­schaf­ter ohne Rück­sicht auf Art und Grö­ße sei­nes Bei­trags einen gleich hohen Anteil hat. Wer mehr als die Hälf­te für sich bean­sprucht, muss dies nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des Beweis­rechts dar­le­gen und bewei­sen2.

Ein Indiz dafür, dass die Gesell­schaf­ter eine vom Grund­satz glei­cher Betei­li­gung abwei­chen­de Ver­tei­lung gewollt haben, sind unter­schied­lich hohe Bei­trä­ge. Dabei sind nicht nur Arbeits­leis­tun­gen, son­dern auch Geld- und Sach­leis­tun­gen ein­zu­be­zie­hen. Haben die Ehe­gat­ten etwa Arbeits­leis­tun­gen in deut­lich unter­schied­li­chem Umfang erbracht, spricht dies gegen eine hälf­ti­ge Betei­li­gung. Das Glei­che gilt, wenn bei­de Ehe­gat­ten in glei­chem Umfang mit­ge­ar­bei­tet haben, ein Ehe­gat­te aber zusätz­lich nen­nens­wer­te finan­zi­el­le Inves­ti­tio­nen erbracht hat3.

Die­se Umstän­de sind in die Beur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen. Die Zwei­fels­re­gel des § 722 Abs. 1 BGB darf erst man­gels fest­stell­ba­rer ande­rer Umstän­de her­an­ge­zo­gen wer­den.

Im Übri­gen weist der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin, dass es in der Regel ange­mes­sen ist, die Las­ten­tra­gung des eine Immo­bi­lie allein nut­zen­den Mit­ei­gen­tü­mers in der Form zu berück­sich­ti­gen, dass der auf den ande­ren Ehe­gat­ten ent­fal­len­de Anteil der Las­ten dem fest­zu­set­zen­den Nut­zungs­ent­gelt gegen­ge­rech­net wird. Die Fest­set­zung eines Nut­zungs­ent­gelts ent­fällt jeden­falls dann, wenn Las­ten und zuzu­rech­nen­der Nut­zungs­wert sich in etwa ent­spre­chen4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Febru­ar 2016 – XII ZR 29/​13

  1. BGH, Urtei­le vom 28.09.2005 – XII ZR 189/​02 , Fam­RZ 2006, 607, 608 und BGHZ 142, 137 = Fam­RZ 1999, 1580, 1581 f.
  2. BGH, Urtei­le BGHZ 142, 137 = Fam­RZ 1999, 1580, 1585; und vom 14.03.1990 – XII ZR 98/​88 , Fam­RZ 1990, 973, 974
  3. Wever Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung der Ehe­gat­ten außer­halb des Güter­rechts 6. Aufl. Rn. 652 f.
  4. BGH, Urteil vom 13.04.1994 – XII ZR 3/​93 , Fam­RZ 1994, 822, 824; Wever Ver­mö­gens­aus­ein­an­der­set­zung der Ehe­gat­ten außer­halb des Güter­rechts 6. Aufl. Rn. 135