Grün­dungs­kos­ten in der GmbH-Sat­zung

Sieht eine GmbH-Sat­zung vor, dass die GmbH mit einem Stamm­ka­pi­tal von 25.000, -€ Grün­dungs­kos­ten bis zu 15.000, -€ trägt, so sind die­se Kos­ten unan­ge­mes­sen; die­se Sat­zungs­ge­stal­tung ist unzu­läs­sig und steht der Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter ent­ge­gen. Das ist auch dann nicht anders, wenn die­se GmbH im Wege der Umwand­lung ent­steht und als Sach­ein­la­ge eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft ein­ge­bracht wird.

Grün­dungs­kos­ten in der GmbH-Sat­zung

Eine in der GmbH-Sat­zung vor­ge­se­he­ne Belas­tung des 25.000 € betra­gen­den Stamm­ka­pi­tals der (künf­ti­gen) GmbH mit Grün­dungs­kos­ten in Höhe von 15.000 € stellt einen Ver­stoß gegen den das GmbH-Recht beherr­schen­den, dem Gläu­bi­ger­schutz die­nen­den Grund­satz der Kapi­tal­auf­brin­gung und ‑erhal­tung im Sin­ne von § 30 GmbHG dar. Die­ser Ver­stoß wird nicht dadurch aus­ge­räumt, dass eine ent­spre­chen­de Offen­le­gung des nach der Vor­stel­lung der Gesell­schaf­ter von der Gesell­schaft zu tra­gen­den Grün­dungs- bzw. Umwand­lungs­auf­wands im beschlos­se­nen Gesell­schafts­ver­trag der künf­ti­gen GmbH erfolgt.

Beim Stamm­ka­pi­tal einer GmbH han­delt es sich um einen Haf­tungs­fonds für die Gesell­schafts­gläu­bi­ger. Des­we­gen ist das Stamm­ka­pi­tal im Rah­men der Kapi­tal­auf­brin­gung effek­tiv zu leis­ten und ein spä­te­rer offe­ner oder ver­deck­ter Rück­fluss an die Gesell­schaf­ter ist zu ver­hin­dern. Auf die­se Wei­se soll das Gesell­schafts­ver­mö­gen bis zur Höhe der Stamm­ka­pi­tal­zif­fer vor einer Zweck­ent­frem­dung durch die Gesell­schaf­ter geschützt und damit die Funk­ti­on des Stamm­ka­pi­tals als Min­dest­be­triebs­ver­mö­gen und Befrie­di­gungs­re­ser­ve für die Gesell­schafts­gläu­bi­ger erhal­ten wer­den 1.

Zwar kann der im Zusam­men­hang mit der Grün­dung einer GmbH ent­ste­hen­de, nach der Inten­ti­on des Gesetz­ge­bers grund­sätz­lich die Gesell­schaf­ter als Grün­der tref­fen­de Kos­ten­auf­wand (sog. Grün­der­kos­ten) – sol­che für nota­ri­el­le Beur­kun­dung, Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung, Bekannt­ma­chung, Auf­wen­dun­gen für Rechts­an­wäl­te und Steu­er­be­ra­ter sowie etwai­ge im Zusam­men­hang mit der Grün­dung anfal­len­de Steu­ern – der Gesell­schaft auf­er­legt wer­den, so dass die­se den Grün­dungs­auf­wand zu Las­ten ihres Nomi­nal­ka­pi­tals zu tra­gen hat; dies gilt jeden­falls dann, wenn der Grün­dungs­auf­wand ana­log § 26 Abs. 2 AktG im Gesell­schafts­ver­trag als Gesamt­be­trag geson­dert fest­ge­setzt wor­den ist. Da die in die­ser Norm gere­gel­te Ver­tei­lung der Kos­ten Aus­druck eines all­ge­mei­nen Rechts­ge­dan­kens ist, der für alle Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten glei­cher­ma­ßen gilt, fin­det § 26 Abs. 2 AktG nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes auch im Recht der GmbH ent­spre­chen­de Anwen­dung 2. Die­se Mög­lich­keit ist jedoch nicht unein­ge­schränkt eröff­net:

Selbst dann, wenn im Gesell­schafts­ver­trag eine ent­spre­chen­de Kos­ten­über­nah­me­re­ge­lung vor­ge­se­hen ist, gewährt die­se aller­dings nur dann eine Befrei­ung von der Bin­dung des § 30 GmbHG, wenn es sich um not­wen­di­ge Auf­wen­dun­gen für sol­che Kos­ten han­delt, die kraft Geset­zes oder nach Art und Umfang ange­mes­sen die GmbH tref­fen 3. In der Pra­xis wird viel­fach eine Gren­ze von 10 % des Stamm­ka­pi­tals ange­wen­det, weil eine bezif­fer­te gesetz­li­che Ober­gren­ze sich nicht fin­det.

Dass jedoch eine sol­che Ober­gren­ze Gel­tung bean­sprucht, erschließt sich aus dem Recht der mit­tels Mus­ter­pro­to­kolls gegrün­de­ten Unter­neh­mer­ge­sell­schaft. Zwar kann bei ihr im Fall der Grün­dung mit einem Stamm­ka­pi­tal bis 300 Euro die Tra­gung von Grün­dungs­kos­ten bis zur Höhe des gesam­ten Stamm­ka­pi­tals in der Sat­zung vor­ge­se­hen wer­den.

Bei Unter­neh­mer­ge­sell­schaf­ten mit einem höhe­ren Stamm­ka­pi­tal, also im Bereich bis zu 24.999 €, ist die Tra­gung von Grün­dungs­kos­ten jedoch gesetz­lich auf den Betrag von 300 € beschränkt. Gera­de die­se Gestal­tung zeigt, dass das Gesetz dort, wo ein nen­nens­wer­tes, zur Ver­fol­gung des Gesell­schafts­zwecks ver­wend­ba­res Stamm­ka­pi­tal auf­zu­brin­gen ist, die­ses nicht über­wie­gend durch Grün­dungs­kos­ten auf­ge­zehrt wer­den darf.

Die­se Ange­mes­sen­heits­gren­ze, bei deren Ein­hal­tung es gestat­tet ist, unter Durch­bre­chung von § 30 GmbHG den Grün­dungs­auf­wand der (künf­ti­gen) GmbH auf­zu­er­le­gen, ist, auch wenn eine bestimm­te Ober­gren­ze, inner­halb der eine Vor­be­las­tung als zuläs­sig anzu­se­hen wäre, gesetz­lich nicht – über das Bei­spiel der UG hin­aus – nor­miert ist 4, im vor­lie­gen­den Fall über­schrit­ten. Eine Auf­zeh­rung des Stamm­ka­pi­tals im Umfang von 60 Pro­zent durch die mit der Grün­dung ver­bun­de­nen Kos­ten, wie sie in § 17 Abs. 2 des Gesell­schafts­ver­trags vor­ge­se­hen ist, stellt eine so erheb­li­che Schmä­le­rung der der Siche­rung der Gläu­bi­ger die­nen­den Min­dest­haf­tungs­mas­se dar, dass sich dies mit dem in § 30 GmbHG gere­gel­ten Prin­zip der Kapi­tal­bin­dung und ‑erhal­tung, das einen Vor­ver­brauch und eine Rück­zah­lung des Stamm­ka­pi­tals grund­sätz­lich ver­bie­tet, in kei­ner Wei­se mehr in Ein­klang brin­gen lässt.

Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass im Streit­fall im Gesell­schafts­ver­trag die Höhe der Grün­dungs­kos­ten von 60 Pro­zent des Stamm­ka­pi­tals in der Sat­zung auf­ge­deckt wird. Denn bei § 26 Abs. 2 AktG han­delt es sich um eine Rege­lung, die von ihrem Schutz­zweck her dar­auf aus­ge­rich­tet ist, gläu­bi­ger­schüt­zen­de Grund­sät­ze des Gesell­schafts­rechts, wie sie in § 30 GmbHG gere­gelt sind, zu sichern 5, nicht hin­ge­gen, die­se zuguns­ten der Gesell­schaft oder ihrer Gesell­schaf­ter ein­zu­schrän­ken oder zu durch­bre­chen.

Dass im vor­lie­gen­den Fall die (künf­ti­ge) GmbH aus der Umwand­lung eines bereits bestehen­den Rechts­trä­gers her­vor­geht, und bei einem Form­wech­sel – anders als bei der Neu­grün­dung einer GmbH – Kos­ten­schuld­ner für die mit der Errich­tung des Rechts­trä­gers in neu­er Rechts­form ver­bun­de­nen Kos­ten der bestehen­de Rechts­trä­ger und nicht sei­ne Gesell­schaf­ter sind, führt nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung. Die Gesell­schafts­gläu­bi­ger einer durch einen Form­wech­sel ent­stan­de­nen GmbH sind in nicht gerin­ge­rem Maße schüt­zens­wert als die­je­ni­gen einer durch Neu­grün­dung ent­stan­de­nen GmbH. Ent­spre­chend gilt daher auch hier der Grund­satz der Kapi­tal­bin­dung und ‑erhal­tung, da gem. § 197 UmwG auf den Form­wech­sel grund­sätz­lich die für die neue Rechts­form gel­ten­den Grün­dungs­vor­schrif­ten anzu­wen­den sind, man­gels abwei­chen­der Bestim­mung durch das Umwand­lungs­ge­setz ins­be­son­de­re auch die Rege­lun­gen für den Grün­dungs­auf­wand 6, dem im Fall des Form­wech­sels die Kos­ten der Umwand­lung ent­spre­chen. Im Streit­fall ist nichts auf­ge­zeigt, was die Grün­der, in deren Inter­es­se die Umwand­lung offen­bar liegt, hin­dern wür­de, die Grün­dungs­kos­ten als Grün­der­kos­ten ihrer­seits zu tra­gen. Im Streit­fall sprä­che – ange­sichts des Vor­tra­ges zum Wert der ein­ge­brach­ten KG aber auch nichts dage­gen, für die künf­ti­ge Gesell­schaft einen Stamm­ka­pi­tal­be­trag vor­zu­se­hen, der zu sat­zungs­mä­ßi­gen Grün­dungs­kos­ten von bis zu 15.000 Euro in einem ange­mes­se­nen Ver­hält­nis stün­de. Nach­voll­zieh­ba­re und damit in die Ent­schei­dung des Gerichts ein­be­zieh­ba­re Grün­de der künf­ti­gen GmbH-Gesell­schaf­ter (Grün­der), die sie zu einer Gestal­tung des künf­ti­gen Rechts­trä­gers mit dem Min­dest­stamm­ka­pi­tal einer GmbH, dass von den Grün­dungs- bzw. Umwand­lungs­kos­ten bereits zu 60 Pro­zent auf­ge­zehrt wird, bewo­gen haben, wer­den nicht auf­ge­deckt.

Ob sich dar­über hin­aus vor­lie­gend ein wei­te­res Ein­tra­gungs­hin­der­nis auch dar­aus ergibt, dass die ein­zel­nen Kos­ten­po­si­tio­nen des Grün­dungs­auf­wands nicht aus­rei­chend nament­lich benannt sind, weil in § 17 Abs. 2 der Sat­zung anstel­le von "Steu­er­be­ra­tungs­kos­ten" nur von "Bera­tungs­kos­ten" die Rede ist, bedarf nach dem Vor­ste­hen­den im Streit­fall kei­ner Ent­schei­dung.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 22. Okto­ber 2014 – 9 W 124/​1

  1. Fastrich, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 30 Rn. 5 mwN[]
  2. BGH, Beschluss v.20.02.1989, II ZB 10/​88 13; Fastrich, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 5 Rn. 57[]
  3. Fastrich, a.a.O., § 5 Rn. 57 mwN[]
  4. vgl. Lim­mer, in: Spindler/​Stilz, Akti­en­ge­setz, Mün­chen 2007, § 26 Rn. 9; Wach­ter, Akti­en­ge­setz, 2. Aufl., § 26 Rn. 13[]
  5. BGH, a.a.O. 13[]
  6. Decher/​Hoger, in: Lut­ter, UmwG, 5. Aufl., § 197 Rn. 23[]