Haf­tung des aus­ge­schie­de­nen GbR-Gesell­schaf­ters für spä­te­re Dop­pel­zah­lun­gen

Erbringt der Schuld­ner ver­se­hent­lich eine wei­te­re Zah­lung auf sei­ne gegen­über einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts begrün­de­te Schuld, obwohl er die­se bereits durch eine frü­he­re Zah­lung getilgt hat, so haf­tet ein Gesell­schaf­ter, der nach dem Abschluss des die Zah­lungs­pflicht begrün­den­den Ver­tra­ges, aber vor der ver­se­hent­li­chen Dop­pel­zah­lung aus der Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist, nicht für die Berei­che­rungs­schuld der Gesell­schaft, wenn die Dop­pel­zah­lung in dem ursprüng­li­chen Ver­trag nicht ange­legt war. Der Gesell­schaf­ter, der aus einer bestehen­den Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist, aber wei­ter­hin als Gesell­schaf­ter nach außen auf­tritt, kann als Schein­ge­sell­schaf­ter für Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft haf­ten, wenn er gegen den gesetz­ten Rechts­schein nicht pflicht­ge­mäß vor­ge­gan­gen ist und sich ein Drit­ter bei sei­nem geschäft­li­chen Ver­hal­ten auf den Rechts­schein ver­las­sen hat.

Haf­tung des aus­ge­schie­de­nen GbR-Gesell­schaf­ters für spä­te­re Dop­pel­zah­lun­gen

Kei­ne Nach­haf­tung

Der Bun­des­ge­richt­hof ver­neint für die­sen Fall zunächst eine Nach­haf­tung der aus­ge­schie­de­nen Gesell­schaf­te­rin nach § 736 Abs. 2 BGB ver­neint. Ein Gesell­schaf­ter, der nach dem Abschluss eines eine Zah­lungs­pflicht begrün­den­den Ver­tra­ges, aber vor einer ver­se­hent­li­chen Dop­pel­zah­lung aus der Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist, haf­tet nicht für die Berei­che­rungs­schuld der Gesell­schaft, wenn die Dop­pel­zah­lung in dem ursprüng­li­chen Ver­trag nicht ange­legt war.

Neben der Gesell­schaft haf­ten ent­spre­chend § 128 HGB auch die Gesell­schaf­ter für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft, unab­hän­gig von deren Rechts­grund 1.

Im hier ent­schie­de­nen Fall stand dem Ver­trags­part­ner gegen die ver­meint­lich noch bestehen­de Gesell­schaft zwi­schen der aus­ge­schie­de­nen Gesell­schaf­te­rin und dem wei­te­ren Gesell­schaf­ter ein Anspruch in Höhe von 5.011,20 € zu. Ein Rechts­grund für die Zah­lung im April 2006 bestand nicht, soweit die Ver­gü­tungs­for­de­rung aus dem Ver­wal­ter­ver­trag bis April 2006 bereits begli­chen war. Soweit die rest­li­che, noch nicht fäl­li­ge Ver­gü­tung für 2006 bereits im April 2006 bezahlt wur­de, wur­de die Ver­gü­tung in der Fol­ge­zeit mit dem wei­ter­lau­fen­den Dau­er­auf­trag rechts­grund­los geleis­tet. Der Ver­trags­part­ner hat an die – ver­meint­lich bestehen­de – Gesell­schaft zwi­schen der aus­ge­schie­de­nen Gesell­schaf­te­rin und W. gezahlt. Die Gesell­schaft ist auf den Über­wei­sun­gen als Begüns­tig­te ange­führt. Dem Ver­trags­part­ner war nicht bekannt, dass der aus­ge­schie­de­ne Gesell­scha­fer aus der Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist und der ehe­ma­li­ge Mit­ge­sell­schaf­ter W. den Ver­wal­ter­ver­trag allei­ne fort­führ­te.

Die Ver­bind­lich­keit ist kei­ne Alt­ver­bind­lich­keit, auf die sich die Nach­haf­tung erstreckt.

Der Gesell­schaf­ter haf­tet nach § 128 HGB auch nach sei­nem Aus­schei­den aus der Gesell­schaft für Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft, die wäh­rend sei­ner Mit­glied­schaft begrün­det wur­den (Alt­ver­bind­lich­kei­ten), soweit sei­ne Nach­haf­tung nicht nach § 736 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 160 HGB begrenzt ist. Für zwei­glied­ri­ge Gesell­schaf­ten, in denen der Betrieb vom letz­ten ver­blie­be­nen Gesell­schaf­ter nach dem Aus­schei­den des vor­letz­ten Gesell­schaf­ters fort­ge­führt wird, gel­ten kei­ne Beson­der­hei­ten 2.

Die Rück­zah­lungs­ver­bind­lich­keit der Gesell­schaft auf­grund der Dop­pel­zah­lun­gen auf die Ver­wal­ter­ver­gü­tung war kei­ne Alt­ver­bind­lich­keit. Alt­ver­bind­lich­kei­ten sind alle Schuld­ver­pflich­tun­gen, deren Rechts­grund­la­ge bis zum Aus­schei­den gelegt wor­den ist, auch wenn die ein­zel­nen Ver­pflich­tun­gen erst spä­ter fäl­lig wer­den 3.

Die Rechts­grund­la­ge für die Dop­pel­zah­lun­gen ist nicht bis zum Aus­schei­den der aus­ge­schie­de­nen Gesell­schaf­te­rin gelegt wor­den. Bei einem Anspruch aus unge­recht­fer­tig­ter Berei­che­rung wegen einer rechts­grund­lo­sen Leis­tung des Berei­che­rungs­gläu­bi­gers liegt zwar grund­sätz­lich eine Alt­ver­bind­lich­keit vor, wenn der ver­meint­li­che Rechts­grund, auf den geleis­tet wur­de, bereits beim Aus­schei­den bestand; der Zeit­punkt der Leis­tungs­hand­lung des Gläu­bi­gers ist ohne Bedeu­tung 4. Die Gläu­bi­ger ver­trau­en beim Abschluss eines Geschäfts mit einer Gesell­schaft dar­auf, auf das Pri­vat­ver­mö­gen der Gesell­schaf­ter zurück­grei­fen zu kön­nen. Die­se Mög­lich­keit muss ihnen erhal­ten blei­ben, wenn ein Gesell­schaf­ter aus­schei­det 5. Ähn­lich ist die Situa­ti­on, wenn der Gläu­bi­ger nach dem Aus­schei­den des Gesell­schaf­ters rechts­grund­los an die Gesell­schaft auf­grund eines Geschäfts leis­tet, das zu einem Zeit­punkt abge­schlos­sen wor­den ist, zu dem der aus­ge­schie­de­ne Gesell­schaf­ter noch mit sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen haf­te­te.

Für eine ver­se­hent­li­che Dop­pel­zah­lung ist bei der hier gege­be­nen Fall­ge­stal­tung eine Rechts­grund­la­ge aber nicht schon mit dem ursprüng­li­chen Ver­trag gelegt. In einer ver­trag­lich ein­ge­gan­ge­nen Zah­lungs­ver­pflich­tung, die für eine zur Til­gung die­ser Zah­lungs­schuld füh­ren­de Leis­tung einen tat­säch­li­chen und nicht nur ver­meint­li­chen Rechts­grund dar­stellt, ist nicht ange­legt, dass die Leis­tung ein zwei­tes Mal erbracht wird. Der ver­meint­li­che Rechts­grund für die Über­wei­sung vom 20.04.2006 sowie für die danach erbrach­ten Leis­tun­gen auf­grund des Dau­er­auf­trags war hier zwar die Zah­lungs­ver­pflich­tung aus dem Ver­wal­ter­ver­trag und nicht, wie das Beru­fungs­ge­richt meint, die Rech­nungstel­lung. Dass bei der Über­wei­sung als Ver­wen­dungs­zweck die Rech­nungs­num­mern ange­ge­ben waren, macht die Rech­nun­gen nicht zum Rechts­grund der Zah­lung. Im Ver­wal­ter­ver­trag war aber nicht ange­legt, dass der Ver­trags­part­ner die Ver­wal­ter­ver­gü­tung neben der regel­mä­ßi­gen Zah­lung durch Dau­er­auf­trag noch ein­mal bezahl­te.

Haf­tung als Schein­ge­sell­schaf­ter

Der Bun­des­ge­richts­hof prüft sodann, ob der aus­ge­schie­de­ne Gesell­schaf­ter als Schein­ge­sell­schaf­ter haf­tet.

Der Gesell­schaf­ter, der aus einer bestehen­den Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist, aber wei­ter­hin als Gesell­schaf­ter nach außen auf­tritt, kann als Schein­ge­sell­schaf­ter haf­ten, wenn er gegen den gesetz­ten Rechts­schein nicht pflicht­ge­mäß vor­ge­gan­gen ist und sich ein Drit­ter bei sei­nem geschäft­li­chen Ver­hal­ten auf den Rechts­schein ver­las­sen hat.

Per­so­nen kön­nen als Schein­ge­sell­schaf­ter nach Rechts­schein­grund­sät­zen haf­ten, wenn sie in zure­chen­ba­rer Wei­se den Rechts­schein einer exis­tie­ren­den Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und ihrer Zuge­hö­rig­keit zu die­ser Gesell­schaft gesetzt haben oder gegen den durch einen ande­ren gesetz­ten Rechts­schein nicht pflicht­ge­mäß vor­ge­gan­gen sind und der Drit­te sich bei sei­nem geschäft­li­chen Ver­hal­ten auf den Rechts­schein ver­las­sen hat 6. Bei Vor­lie­gen der genann­ten Vor­aus­set­zun­gen trifft die Haf­tung den Schein­ge­sell­schaf­ter sowohl für ver­trag­li­che Ansprü­che wie auch für außer­ver­trag­li­che Ansprü­che 7.

Schein­ge­sell­schaf­ter ist auch der Gesell­schaf­ter, der aus einer bestehen­den Gesell­schaft aus­ge­schie­den ist, aber wei­ter­hin als Gesell­schaf­ter nach außen auf­tritt. Wenn nach außen hin für den Rechts­ver­kehr eine Ver­än­de­rung in der per­so­nel­len Zusam­men­set­zung der Gesell­schaft nicht sicht­bar gewor­den ist, muss der aus­ge­schie­de­ne Gesell­schaf­ter sich so behan­deln las­sen, als bestehe der bis­he­ri­ge Rechts­zu­stand wei­ter 8. Für das Auf­tre­ten als Gesell­schaf­ter kann es genü­gen, wenn der Gesell­schaf­ter im Brief­kopf der Gesell­schaft genannt wird 9.

Im hier ent­schie­de­nen Fall ist der aus­ge­schie­de­ne Gesell­schaf­ter nach außen wei­ter­hin als Gesell­schaf­ter in Erschei­nung getre­ten. Dem Ver­trags­part­ner, der den Ver­wal­ter­ver­trag mit der Gesell­schaft abge­schlos­sen hat­te, war sein Aus­schei­den nicht mit­ge­teilt wor­den. Im Gegen­teil war der aus­ge­schie­de­ne Gesell­schaf­ter jeden­falls auf dem Brief­kopf wei­ter­hin als Gesell­schaf­ter genannt, so auch auf den bei­den im April 2006 über­sand­ten Rech­nun­gen, die die Über­wei­sung aus­ge­löst haben. Der Ver­trags­part­ner hat sich, wie die aus­drück­lich an die Gesell­schaft gerich­te­ten Über­wei­sun­gen zei­gen, bei sei­nen Zah­lun­gen auf den damit gesetz­ten Rechts­schein eines Fort­be­stehens der Gesell­schaft mit der aus­ge­schie­de­nen Gesell­schaf­te­rin ver­las­sen.

Zum pflicht­ge­mä­ßen Vor­ge­hen gegen den gesetz­ten Rechts­schein genügt es nicht, dass der aus­schei­den­de Gesell­schaf­ter dem ver­blei­ben­den Gesell­schaf­ter die Wei­ter­ver­wen­dung von Hin­wei­sen auf die Gesell­schaft wie die Namens­ver­wen­dung im Brief­kopf oder auf einem Fir­men- oder Kanz­lei­schild unter­sagt. Er muss viel­mehr im Rah­men des ihm Zumut­ba­ren selbst die Hand­lun­gen vor­neh­men, die geeig­net sind, den aus der frü­he­ren Kund­ga­be der Stel­lung als Gesell­schaf­ter erwach­se­nen Rechts­schein zu zer­stö­ren 10.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Janu­ar 2012 – II ZR 197/​10

  1. vgl. BGH, Urteil vom 24.02.2003 – II ZR 385/​99, BGHZ 154, 88, 94[]
  2. BGH, Urteil vom 27.09.1999 – II ZR 356/​98, BGHZ 142, 324, 331[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.04.2002 – II ZR 330/​00, BGHZ 150, 373, 376[]
  4. vgl. Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 128 Rn. 69; Münch­Komm-HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 128 Rn. 57; Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 128 Rn. 53; Henssler/​Strohn/​Steitz, HGB § 128 Rn. 52; vgl. auch OVG Rhein­land­Pfalz, ZIP 1986, 1462, 1464[]
  5. BGH, Urteil vom 06.06.1968 – II ZR 118/​66, BGHZ 50, 232, 235[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 11.03.1955 – I ZR 82/​53, BGHZ 17, 13, 19; Urteil vom 24.01.1978 – VI ZR 264/​76, BGHZ 70, 247, 249; Urteil vom 24.01.1991 – IX ZR 121/​90, NJW 1991, 1225; Urteil vom 08.07.1999 – IX ZR 338/​97, NJW 1999, 3040, 3041; Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 359; Urteil vom 03.05.2007 – IX ZR 218/​05, BGHZ 172, 169 Rn.20; Urteil vom 01.06.2010 – XI ZR 389/​09, NJW 2011, 66 Rn. 23[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 03.05.2007 – IX ZR 218/​05, BGHZ 172, 169 Rn. 21 ff.[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 10.03.1988 – III ZR 195/​86, WM 1988, 986, 987; Urteil vom 24.01.1991 – IX ZR 121/​90, NJW 1991, 1225 f.[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 10.03.1988 – III ZR 195/​86, WM 1988, 986, 987; Urteil vom 17.10.1989 – XI ZR 158/​88, NJW 1990, 827, 829; Urteil vom 08.07.1999 – IX ZR 338/​97, NJW 1999, 3040, 3041; Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 359[]
  10. vgl. BGH, Urteil vom 24.01.1991 – IX ZR 121/​90, NJW 1991, 1225[]