Spar­kas­sen­vor­stand – und die Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters

Auf die Haf­tung von Spar­kas­sen­vor­stän­den ist § 93 AktG, der die Sorg­falts­pflicht und Ver­ant­wort­lich­keit der Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft regelt, ent­spre­chend anwend­bar, und zwar auch im Gel­tungs­be­reich des Spar­kas­sen­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len.

Spar­kas­sen­vor­stand – und die Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters

Die Fra­ge der der ent­spre­chen­den Anwen­dung von § 93 AktG auf den Vor­stand einer Spar­kas­se ist nicht ernst­haft umstrit­ten; viel­mehr wird die Auf­fas­sung, das eine sol­che Anwen­dung des § 93 AktG für mög­lich erach­tet, in der Lite­ra­tur jeden­falls im Ergeb­nis geteilt 1.

Ins­be­son­de­re führt die Anwen­dung von § 93 Abs. 1 Satz 2 AktG nicht dazu, dass Spar­kas­sen unter Ver­stoß gegen § 107 Abs. 6 GO NW zu Ban­ken wer­den. Viel­mehr ist es auch bei Anwen­dung des akti­en­recht­li­chen Haf­tungs­re­gimes auf den Vor­stand einer Spar­kas­se ohne wei­te­res denk­bar, den even­tu­el­len Beson­der­hei­ten, die sich aus dem von Spar­kas­sen zu erfül­len­den öffent­li­chen Zweck im Rah­men der Daseins­vor­sor­ge erge­ben mögen (vgl. für Nord­rhein-West­fa­len: § 2 Abs. 3 SpkG NW), Rech­nung zu tra­gen. Eine Anwen­dung der nur für Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der vor­ge­se­he­nen Haf­tungs­er­leich­te­rung ent­spricht dage­gen, wie das Beru­fungs­ge­richt eben­falls zu Recht aus­ge­führt hat, ersicht­lich nicht dem Wil­len des nord­rhein­west­fä­li­schen Gesetz­ge­bers. Da die Zah­lungs­ver­pflich­tung des Vor­stan­des dem­entspre­chend auf einem for­mell und mate­ri­ell recht­mä­ßi­gen Gesetz beruht ver­hel­fen der Gegen­an­sicht auch ent­spre­chen­de ver­fas­sungs­recht­li­che Erwä­gun­gen nicht zum Erfolg.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2014 – II ZR 112/​13

  1. für eine Ana­lo­gie: Lut­ter, Pflich­ten und Haf­tung von Spar­kas­sen­or­ga­nen, 1991, §§ 2, 3, S. 10 ff.; ders., ZIP 2009, 197, 198 Fn. 2; ders., ZIP 2007, 841, 848 zur busi­ness jud­ge­ment rule; ders., BB 2009, 786, 790 f. für die Vor­stän­de von Lan­des­ban­ken; Grimm, Orga­ni­sa­ti­ons­recht der Lan­des­ban­ken im Span­nungs­feld zwi­schen öffent­lich­recht­li­chem Orga­ni­sa­ti­ons­recht und Akti­en­recht, 1988, S. 113 f.; Pütt­ner, Die öffent­li­chen Unter­neh­men, 1985, S. 231; Rüm­ker, Fest­schrift Wer­ner, 1984, S. 751, 775; Fischer, DStR 2007, 1083, 1088; Kie­the, BKR 2005, 177, 180; Schaaf/​Müller, VW 1997, 1593; Kust, WM 1980, 758; für eine "Ori­en­tie­rung" an § 93 AktG: Preuss­ner, NZG 2005, 575, 577; für eine Anwen­dung des § 93 AktG bei der Bestim­mung des Sorg­falts­maß­stabs für die Haf­tung aus § 280 BGB i.V.m. dem Dienst­ver­trag: Hei­nevet­ter, Spar­kas­sen­ge­setz Nord­rhein-West­fa­len, 2. Aufl., § 18 Rz.09.1 und § 38 Rz. 4; Hausch­ka, Die Dienst­rechts­stel­lung der Vor­stands­mit­glie­der der öffent­lich­recht­li­chen Spar­kas­sen, 1981, S. 115 f.; i.E. zustim­mend wohl auch Schlierbach/​Püttner, Das Spar­kas­sen­recht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, 5. Aufl., S. 220 f., der eine Haf­tungs­be­gren­zung wie bei den ehren­amt­li­chen Organ­mit­glie­dern für die Vor­stands­mit­glie­der ablehnt, die bei ihrer Geschäfts­füh­rung unter­neh­me­risch zu pla­nen und die Sorg­falt eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Geschäfts­lei­ters anzu­wen­den hät­ten[]