Haf­tung von Neu-Gesell­schaf­tern

Bei der Fra­ge der Haf­tung eines neue in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts (GbR) ein­tre­ten­den Gesell­schaf­ters hat der Bun­des­ge­richts­hof sei­ne Recht­spre­chung näher ein­ge­grenzt.

Haf­tung von Neu-Gesell­schaf­tern

Der BGH hat­te zunächst im April 2003, inso­fern bereits in Abwei­chung von der bis dahin vor­herr­schen­den Recht­spre­chung, ent­schie­den, dass ein neu in die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ein­ge­tre­te­ner Gesell­schaf­ter nach § 130 HGB per­sön­lich, d.h. mit sei­nem Pri­vat­ver­mö­gen, neben den Alt­ge­sell­schaf­tern für bereits begrün­de­te Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft haf­tet. Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes hat der BGH in dem sei­ner­zeit zu ent­schei­den­den Fall – es ging um einen Jung­an­walt, der für die Rück­zah­lung von vor sei­nem Bei­tritt ein­ge­zahl­ten Hono­rar­vor­schüs­sen haf­ten soll­te – die Haf­tung des Neu­ge­sell­schaf­ters jedoch gleich­wohl abge­lehnt und aus­ge­spro­chen, dass die Grund­sät­ze über die per­sön­li­che Haf­tung des Neu­ge­sell­schaf­ters erst auf künf­ti­ge Bei­tritts­fäl­le Anwen­dung fin­den soll­ten.

Auf die­sen Ver­trau­ens­schutz berief sich dann auch der Beklag­te in einem spä­te­ren Ver­fah­ren, das der BGH heu­te zu ent­schei­den hat­te. In die­sem Ver­fah­ren ging es um das Ent­gelt für den Bezug aus einem Gas­lie­fe­rungs­ver­trag. Die­ser Ver­trag war vor dem Ein­tritt des neu­en Gesell­schaf­ters in die GbR geschlos­sen wor­den, die noch nicht bezahl­ten Lie­fe­run­gen aller­dings danach erfolgt.

Der BGH hat in sei­nem Urteil zunächst noch­mals bestä­tigt, dass bei Suk­zes­siv­lie­fe­rungs­ver­trä­gen wie dem vor­lie­gen­den Ver­sor­gungs­ver­trag die durch die Ein­zel­lie­fe­run­gen aus­ge­lös­ten Ver­bind­lich­kei­ten bereits in dem Moment begrün­det sind, in dem der Ver­sor­gungs­ver­trag abge­schlos­sen wird. Durch die Ein­zel­lie­fe­run­gen ent­ste­hen nicht jeweils „neue“ Ver­bind­lich­kei­ten. Des­halb han­delt es sich bei den ein­ge­klag­ten For­de­run­gen für die nach dem Ein­tritt des Gesell­scha­fers erbrach­ten Lie­fe­run­gen gleich­wohl um bei Ein­tritt des Beklag­ten bereits begrün­de­te Ver­bind­lich­kei­ten gemäß § 130 HGB, also um soge­nann­te Alt­ver­bind­lich­kei­ten.

Gleich­wohl kann sich der Neu­ge­sell­schaf­ter nach Ansicht des BGH nicht dar­auf beru­fen , ihm sei als neu bei­getre­te­nem Gesell­schaf­ter Ver­trau­ens­schutz gegen­über der Haf­tung für Alt­ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft zu gewäh­ren. Denn der BGH stellt klar, dass ein Neu­ge­sell­schaf­ter sich nicht gene­rell auf Ver­trau­ens­schutz gegen­über Alt­ver­bind­lich­kei­ten einer BGB-Gesell­schaft beru­fen kann, wenn er die­ser vor der Publi­ka­ti­on des Urteils vom 7. April 2003 bei­getre­ten ist. Erfor­der­lich ist viel­mehr in jedem Ein­zel­fall eine Abwä­gung dahin, ob im Inter­es­se des Ver­trau­ens des Bei­tre­ten­den der Gesichts­punkt der Rechts­si­cher­heit, dass ein bei­tre­ten­der Gesell­schaf­ter für die Alt­ver­bind­lich­kei­ten nicht nach § 130 HGB (ana­log) haf­tet, gegen­über der mate­ri­el­len Rechts­la­ge Vor­rang hat. Weiß der Neu­ge­sell­schaf­ter bei sei­nem Bei­tritt vom Vor­han­den­sein von Alt­ver­bind­lich­kei­ten oder hät­te er hier­von bei auch nur gerin­ger Auf­merk­sam­keit Kennt­nis erlan­gen kön­nen, ist die Gewäh­rung von Ver­trau­ens­schutz nicht gerecht­fer­tigt. Das gilt erst Recht, wenn sich dem Bei­tre­ten­den das Bestehen von Alt­ver­bind­lich­kei­ten auf­drän­gen muss, weil sie – etwas auf­grund von Son­der­ab­neh­mer­ver­trä­gen über die Belie­fe­rung von Gas für Miets­häu­ser – typi­scher­wei­se vor­han­den sind. Des­we­gen ist der Neu­ge­sell­schaf­ter hier nicht schutz­wür­dig und haf­tet dem­entspre­chend für die nach sei­nem Bei­tritt erfolg­ten Lie­fe­run­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Dezem­ber 2005 – II ZR 283/​03