Liqui­da­ti­ons­lo­se Voll­be­en­di­gung einer GmbH & Co. KG – und die Titel­um­schrei­bung auf den ehe­ma­li­gen Kom­man­di­tis­ten

Durch das Aus­schei­den der ver­mö­gens­lo­sen Kom­ple­men­tä­rin aus der GmbH & Co. KG geht das Gesell­schafts­ver­mö­gen im Weg der Gesamt­rechts­nach­fol­ge durch Anwach­sung kraft Geset­zes auf den Kom­man­di­tis­ten als den ein­zi­gen ver­blie­be­nen "Gesell­schaf­ter" über. Daher kann für Schuld­ti­tel gegen die GmbH & Co. KG eine neue Voll­stre­ckungs­klau­sel gegen den Kom­man­di­tis­ten als Rechts­nach­fol­ger erteilt wer­den.

Liqui­da­ti­ons­lo­se Voll­be­en­di­gung einer GmbH <span class="amp">&</span> Co. KG – und die Titel­um­schrei­bung auf den ehe­ma­li­gen Kom­man­di­tis­ten

Der Beginn der Zwangs­voll­stre­ckung gegen eine Per­son setzt nach § 750 Abs. 1 Satz 1 ZPO vor­aus, dass sie in dem Urteil oder in der ihm bei­gefüg­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel nament­lich bezeich­net ist und das Urteil bereits zuge­stellt ist oder gleich­zei­tig zuge­stellt wird. Die Zwangs­voll­stre­ckung gegen den Rechts­nach­fol­ger darf nach § 750 Abs. 2 ZPO nur begin­nen, wenn ihm das Urteil, die die­sem bei­gefüg­te Voll­stre­ckungs­klau­sel und, sofern die Voll­stre­ckungs­klau­sel auf­grund öffent­li­cher oder öffent­lich beglau­big­ter Urkun­den erteilt wor­den ist, auch eine Abschrift die­ser Urkun­den bereits zuge­stellt sind oder gleich­zei­tig zuge­stellt wer­den.

Gegen den Rechts­nach­fol­ger des in dem Urteil bezeich­ne­ten Schuld­ners kann nach § 727 Abs. 1 ZPO eine voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung erteilt wer­den, wenn die titu­lier­te Ver­pflich­tung nach dem Ein­tritt der Rechts­hän­gig­keit des Anspruchs auf ihn über­ge­gan­gen ist 1. Fer­ner muss die Rechts­nach­fol­ge bei dem Gericht offen­kun­dig sein oder durch öffent­li­che oder öffent­lich beglau­big­te Urkun­den nach­ge­wie­sen wer­den. Tritt die Rechts­nach­fol­ge erst zu einem Zeit­punkt ein, zu dem – wie im Streit­fall – bereits eine voll­streck­ba­re Aus­fer­ti­gung erteilt wor­den war, erfolgt die "Titel­um­schrei­bung" nach § 733 Abs. 1 iVm. § 727 Abs. 1 ZPO durch Rück­ga­be der bis­he­ri­gen voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung an das Gericht und Ertei­lung einer neu­en Voll­stre­ckungs­klau­sel gegen den Rechts­nach­fol­ger 2.

Im vor­lie­gen­den Fall bedeu­te­te dies: Die GmbH & Co. KG (Schuld­ne­rin) st aus­weis­lich des Han­dels­re­gis­ter­ein­trags vom 01.07.2013 erlo­schen. Ihre – liqui­da­ti­ons­lo­se – Voll­be­en­di­gung war nach § 131 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 iVm. § 161 Abs. 2 HGB unmit­tel­ba­re Fol­ge der am 17.04.2013 in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­ge­nen, von Amts wegen nach § 394 Abs. 1 FamFG ver­füg­ten Löschung ihrer ver­mö­gens­lo­sen Kom­ple­men­tä­rin. Durch das Aus­schei­den der Kom­ple­men­tä­rin aus der Schuld­ne­rin ist das Gesell­schafts­ver­mö­gen im Weg der Gesamt­rechts­nach­fol­ge durch Anwach­sung kraft Geset­zes auf den Kom­man­di­tis­ten als den ein­zi­gen ver­blie­be­nen "Gesell­schaf­ter" über­ge­gan­gen 3. Der Über­gang erfolg­te erst nach Erlass des Ver­säum­nis­ur­teils vom 12.01.2011.

Die teil­wei­se gel­tend gemach­ten haf­tungs­recht­li­chen Beden­ken gegen den Ein­tritt die­ser nach § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB auch für die sog. Simul­tan- oder Dop­pe­lin­sol­venz einer GmbH & Co. KG zur Anwen­dung kom­men­den Rechts­fol­ge kön­nen im Fall der – hier gege­be­nen – liqui­da­ti­ons­lo­sen Voll­be­en­di­gung der Kom­ple­men­tä­rin dahin­ste­hen 4. Der ehe­ma­li­ge Kom­man­di­tist haf­tet für die Ver­bind­lich­kei­ten der Gesell­schaft ohne­hin nur mit dem ihm zuge­fal­le­nen Gesell­schafts­ver­mö­gen 5. Der Ertei­lung einer voll­streck­ba­ren Aus­fer­ti­gung des Ver­säum­nis­ur­teils vom 12.01.2011 gegen den Kom­man­di­tis­ten steht daher auch § 129 Abs. 4 HGB nicht ent­ge­gen 6.

Der Hilfs­an­trag, mit dem der Kom­man­di­tist im Ergeb­nis begehrt, sein Pri­vat­ver­mö­gen vor der Zwangs­voll­stre­ckung zu schüt­zen, hat kei­nen Erfolg. Zu Recht hat bereits das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Auf­nah­me eines ent­spre­chen­den Vor­be­halts in die Voll­stre­ckungs­klau­sel abge­lehnt und dar­auf ver­wie­sen, dass die Haf­tungs­be­gren­zung bei Gesamt­rechts­nach­fol­ge nur durch Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge gel­tend gemacht wer­den kann 7.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist dem Ver­mö­gens­über­neh­mer, der sich im Pro­zess auf die Beschrän­kung sei­ner Haf­tung beruft, die­se Beschrän­kung nach § 780 Abs. 1, § 786 ZPO auch ohne beson­de­ren Antrag im Urteil vor­zu­be­hal­ten. Inso­weit gilt für ihn das­sel­be wie für den Erben, der die Ein­re­de der Dürf­tig­keit des Nach­las­ses erho­ben hat 8.

Danach muss der Schuld­ner, der das Ver­mö­gen sei­nes Rechts­vor­gän­gers erst über­nom­men hat, nach­dem – wie im Streit­fall – der Titel bereits rechts­kräf­tig gewor­den ist, eben­so wie der Erbe nach § 785 ZPO die Mög­lich­keit haben, die Ein­wen­dung der beschränk­ten Haf­tung nach den Vor­schrif­ten der §§ 767, 769, 770 ZPO gel­tend zu machen.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Beschluss vom 28. Febru­ar 2019 – 10 AZB 44/​18

  1. vgl. BAG 12.08.2014 – 10 AZB 8/​14, Rn.19, BAGE 149, 38; BGH 14.09.2018 – V ZR 267/​17, Rn. 14[]
  2. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Wolfs­tei­ner 5. Aufl. § 727 Rn. 55[]
  3. vgl. BGH 5.07.2018 – V ZB 10/​18, Rn. 10; 1.06.2017 – VII ZR 277/​15, Rn. 38[]
  4. gegen die Über­tra­gung der Rechts­fol­ge vor allem Schmidt ZIP 2010, 1621, 1626; ders. GmbHR 2002, 1209, 1214[]
  5. BGH 15.03.2004 – II ZR 247/​01, zu I aE der Grün­de; 10.12 1990 – II ZR 256/​89, zu 2 b der Grün­de, BGHZ 113, 132; eben­so BVerwG 13.07.2011 – 8 C 10.10, Rn.19, BVerw­GE 140, 142[]
  6. vgl. Staub/​Habersack HGB 5. Aufl. § 124 Rn. 40, 43; Reichert/​Salger GmbH & Co. KG 7. Aufl. § 45 Rn. 5; aA – aller­dings ohne Hin­weis auf die Haf­tungs­be­schrän­kung – Zöller/​Seibel ZPO 32. Aufl. § 727 Rn. 36; Saenger/​Kindl ZPO 7. Aufl. § 727 Rn. 10; Musielak/​Voit/​Lackmann ZPO 15. Aufl. § 727 Rn. 1a[]
  7. vgl. Münch­Komm-ZPO/­Wolfs­tei­ner 5. Aufl. § 727 Rn. 47; Wieczorek/​Schütze/​Paulus ZPO 4. Aufl. § 727 Rn. 30; Sou­tier Mitt­BayNot 2011, 181, 188; eben­so bereits OLG Köln 21.02.1931 – 1 W 51/​31 – JW 1932, 1405, 1406[]
  8. BGH 29.04.1993 – IX ZR 215/​92, zu I 2 a der Grün­de mwN, BGHZ 122, 297[]