„… part­ners GmbH“

Die Ver­wen­dung des Begriffs „part­ners“ in der Fir­ma einer GmbH ist zulässig.

„… part­ners GmbH“

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in dem Fall einer Rechts­an­walts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung. Die­se führt die Fir­ma „n. part­ners mbH“. Die zustän­di­ge Rechts­an­walts­kam­mer hat die Löschung der Fir­ma bean­tragt, da sie in der Ver­wen­dung des Wor­tes „part­ners“ einen Ver­stoß gegen das Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­setz sieht.

Das Amts­ge­richt Ham­burg – Regis­ter­ge­richt – hat den Antrag zurück­ge­wie­sen1. Die dage­gen ein­ge­leg­te Beschwer­de hat das Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg zurück­ge­wie­sen2. Mit der zuge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de ver­folgt die Rechts­an­walts­kam­mer ihren Löschungs­an­trag wei­ter, blieb nun aber auch vor dem Bun­des­ge­richts­hof end­gül­tig ohne Erfolg; die Beschwer­de wie auch der Löschungs­an­trag der Rechts­an­walts­kam­mer gemäß § 395 Abs. 1 Satz 1 FamFG sind unbe­grün­det. Die Ein­tra­gung der Fir­ma der GmbH ist zuläs­sig, da sie nicht gegen § 11 Abs. 1 Satz 1 PartGG verstößt:

§ 11 Abs. 1 Satz 1 PartGG bestimmt, dass die Zusät­ze „Part­ner­schaft“ oder „und Part­ner“ nur von Part­ner­schaf­ten geführt wer­den dür­fen. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist allen Gesell­schaf­ten mit einer ande­ren Rechts­form als der Part­ner­schaft, die nach dem Inkraft­tre­ten des Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­setz gegrün­det oder umbe­nannt wer­den, die Füh­rung des Zusat­zes „und Part­ner“ bzw. „Part­ner­schaft“ ver­wehrt, weil der Gesetz­ge­ber die­se Bezeich­nung für Part­ner­schaf­ten „reser­viert“ hat. Damit wird dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass das Part­ner­schafts­ge­sell­schafts­ge­setz eine neue Gesell­schafts­form namens Part­ner­schaft ein­ge­führt hat und die Part­ner­schaf­ten zur Füh­rung eines Namens ver­pflich­tet, der den Zusatz „und Part­ner“ oder „Part­ner­schaft“ ent­hält (§ 2 Abs. 1 PartGG). Da die­se Begrif­fe als Bezeich­nung der beson­de­ren Gesell­schafts­form für die frei­en Beru­fe tech­ni­sche Bedeu­tung erlan­gen sol­len, will das Gesetz ihre untech­ni­sche Ver­wen­dung durch ande­re Gesell­schaf­ten auch dann aus­schlie­ßen, wenn wegen eines zwin­gen­den Rechts­form­zu­sat­zes kei­ne Ver­wechs­lungs­ge­fahr besteht, weil die untech­ni­sche Ver­wen­dung einer Ein­bür­ge­rung der Begrif­fe als spe­zi­fi­sche Bezeich­nung der neu­en Gesell­schafts­form ent­ge­gen­stün­de3. Ent­schei­dend ist inso­weit nicht das Bin­de­wort „und“ oder des­sen Ersatz durch „+“ oder „&“. Ent­schei­dend ist viel­mehr das Sub­stan­tiv „Part­ner„4.

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Von die­sen Maß­stä­ben ist wei­ter­hin aus­zu­ge­hen, weil nicht erkenn­bar ist, dass der Gesetz­ge­ber sei­ne Ziel­set­zung auf­ge­ge­ben hat. Den Über­le­gun­gen des Gesetz­ge­bers zum Han­dels­rechts­re­form­ge­setz ist eine sol­che Inten­ti­on nicht zu ent­neh­men5. Viel­mehr hat der Gesetz­ge­ber zeit­lich nach­fol­gend ein Gesetz zur Ein­füh­rung einer Part­ner­schaft mit beschränk­ter Berufs­haf­tung ver­ab­schie­det, dabei an die ursprüng­li­che Geset­zes­in­ten­ti­on ange­knüpft und hier­von aus­ge­hend mit § 8 Abs. 4 PartGG Rege­lun­gen für eine Part­ner­schafts­ge­sell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung und deren Bezeich­nung ein­ge­führt6.

Die Ent­schei­dung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg hält nach die­sen Maß­stä­ben recht­li­cher Nach­prü­fung stand. Die Ver­wen­dung des Namens­zu­sat­zes „part­ners“ im Fir­men­na­me und damit auch bei der Betei­lig­ten zu 1 ver­stößt nicht gegen § 11 Abs. 1 Satz 1 PartGG7.

§ 11 Abs. 1 PartGG, der die untech­ni­sche Ver­wen­dung der Begrif­fe „Part­ner­schaft“ oder „und Part­ner“ durch ande­re Gesell­schaf­ten auch dann aus­schlie­ßen möch­te, wenn wegen eines Rechts­form­zu­sat­zes kei­ne Ver­wech­se­lungs­ge­fahr besteht8, ist eine Spe­zi­al­re­ge­lung für eine beson­de­re Situa­ti­on nach Ein­füh­rung der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft. Als Aus­nah­me ist die Vor­schrift eng am Wort­laut auszulegen.

Nach dem Geset­zes­zweck, den Rechts­form­zu­satz „Part­ner­schaft“ bzw. „und Part­ner“ durch­zu­set­zen und zu schüt­zen, ist eine untech­ni­sche Ver­wen­dung fol­ge­rich­tig auch nur für Begrif­fe oder Schreib­wei­sen aus­zu­schlie­ßen, die ihrer­seits als Rechts­form­zu­satz einer Part­ner­schafts­ge­sell­schaft genü­gen. Dafür kom­men über den Wort­laut hin­aus allen­falls in engen Gren­zen sinn­ge­mä­ße Abwand­lun­gen der Begrif­fe „Part­ner“ oder „Part­ner­schaft“ in Fra­ge9, fremd­spra­chi­ge Begrif­fe jedoch nicht.

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Danach ist „part­ners“ zuläs­sig. Dass „und“ oder ein gebräuch­li­ches Zei­chen dafür feh­len, ist zwar nicht von Bedeu­tung, da nicht das Bin­de­wort, son­dern das Sub­stan­tiv „Part­ner“ ent­schei­dend ist. Davon unter­schei­det sich das Wort „part­ners“ aber, wenn auch gering­fü­gig, durch das zusätz­li­che „s“. Eine sinn­ge­mä­ße Abwand­lung des Begriffs „Part­ner“ liegt dar­in nicht, viel­mehr han­delt es sich auch infol­ge der Klein­schrei­bung erkenn­bar um den Plu­ral des eng­li­schen „part­ner“. Der fremd­spra­chi­ge Begriff „part­ners“ wäre als Rechts­form­zu­satz für eine Part­ner­schafts­ge­sell­schaft aber nicht zulässig.

Die Gefahr einer Irre­füh­rung (§ 18 Abs. 2 HGB) über eine Part­ner­schafts­ge­sell­schaft besteht wegen der Ver­wen­dung des Rechts­form­zu­sat­zes „GmbH“ nicht. Dar­aus, dass § 11 Abs. 1 Satz 3 PartGG für Bestands­ge­sell­schaf­ten den Hin­weis auf die ande­re Rechts­form genü­gen lässt, ist zu ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber sogar bei Ver­wen­dung des Begriffs „Part­ner“ in einem sol­chen Fall kei­ne Ver­wechs­lungs­ge­fahr sah.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. April 2021 – II ZB 13/​20

  1. AG Ham­burg, Beschluss vom 29.01.2020 – HRB 155764[]
  2. OLG Ham­burg, Beschluss vom 10.03.2020 – 11 W 11/​20[]
  3. BGH, Beschluss vom 21.04.1997 – II ZB 14/​96, BGHZ 135, 257, 259; Beschluss vom 24.10.2012 – AnwZ (Brfg) 14/​12 7[]
  4. BGH, Beschluss vom 21.04.1997 – II ZB 14/​96, BGHZ 135, 257, 259 f.[]
  5. vgl. Regie­rungs­ent­wurf, BT-Drs. 13/​8444, S. 35 ff.[]
  6. Regie­rungs­ent­wurf, BT-Drs. 17/​10487, S. 14 f.[]
  7. OLG Ham­burg, NZG 2019, 744; MünchKommHGB/​Heidinger, 5. Aufl., § 18 Rn.195; Hirtz in Henssler/​Strohn, GesR, 5. Aufl., § 11 PartGG Rn. 3; Wolff in Meilicke/​Graf v. Westphalen/​Hoffmann/​Lenz/​Wolff, PartGG, 3. Aufl., § 11 Rn. 9; Bay­er in Lutter/​Hommelhoff, GmbHG, 20. Aufl., § 4 Rn. 33; Kögel, Rpfle­ger 2007, 590, 592; Lam­sa, EWiR 2010, 371 f.; Schnee-Gro­nau­er, AnwBl.2019, 157; Wach­ter, GmbHR, 2019, 836, 837 f.; aA KG, NJW-RR 2018, 1311, 1312; NZG 2004, 614, 616; OLG Frank­furt, Rpfl.2005, 264; OLG Mün­chen, NJW-RR 2007, 761, 762; Beck­OK BGB/​Schöne, Stand: 1.11.Römermann/Zimmermann, PartGG, 5. Aufl., 2020, § 11 § 11 Rn. 21; Rn. 3 PartGG; MünchKommGmbHG/​Heinze, 3. Aufl., § 4 Rn. 65; Baumbach/​Hueck/​Fastrich, GmbHG, 22. Aufl., § 4 Rn. 9a; Wer­ten­bruch in Westermann/​Wertenbruch, Hand­buch Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten, März 2019, Rn.199; C. Schmidt-Leit­hoff in Rowed­der/­Schmidt-Leit­hoff, GmbHG, 6. Aufl., § 4 Rn. 52; Juret­zek, DStR 2019, 1485; Cziup­ka, EWiR 2019, 9 f.[]
  8. BGH, Beschluss vom 21.04.1997 – II ZB 14/​96, BGHZ 135, 257, 259[]
  9. vgl. Hirtz in Henssler/​Strohn, GesR, 5. Aufl., § 2 PartGG Rn. 4[]

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Veräußerung von Gesellschaftsanteilen