Pro­spekt­haf­tung des Gesell­schaf­ters

In einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil hat der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men zur Haf­tung eines kon­zern­be­herr­schen­den Gesell­schaf­ters für feh­ler­haf­te Anga­ben in einem Pro­spekt, der zum Ver­trieb einer Immo­bi­li­en­an­la­ge her­aus­ge­ge­ben wur­de.

Pro­spekt­haf­tung des Gesell­schaf­ters

Danach hat der beherr­schen­de Gesell­schaf­ter auch per­sön­lich nach den Grund­sät­zen der Pro­spekt­haf­tung für den Scha­den des Anle­gers aus einem feh­ler­haf­ten Pro­spekt ein­zu­ste­hen, er ist für die Anga­ben im Pro­spekt mit ver­ant­wort­lich.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits in frü­he­ren Urtei­len die für die Betei­li­gung an einer Publi­kums-KG ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze der Haf­tung für den Inhalt eines Ver­kaufs­pro­spek­tes auf das Bau­her­ren­mo­dell, auf Anla­ge­mo­del­le, die am so genann­ten "Ham­bur­ger Modell" ori­en­tiert sind, sowie auf das Bau­trä­ger­mo­dell über­tra­gen und wei­ter ent­wi­ckelt.

Danach haf­tet eine Per­son wegen fal­scher oder unvoll­stän­di­ger Pro­spekt­an­ga­ben unab­hän­gig von einer Betei­li­gung an einem Ver­trag mit dem Erwer­ber als so genann­ter Hin­ter­mann unter ande­rem dann, wenn sie auf die Kon­zep­ti­on des kon­kre­ten Modells maß­geb­lich Ein­fluss genom­men hat und damit für die Her­aus­ga­be des Pro­spek­tes ver­ant­wort­lich ist. Nicht ent­schei­dend ist, ob eine Mit­wir­kung unmit­tel­bar bei der Gestal­tung des Pro­spek­tes gege­ben ist. Aus­schlag­ge­bend dage­gen ist, ob der Pro­spekt mit Kennt­nis des Ver­ant­wort­li­chen in den Ver­kehr gebracht wor­den ist. Ob ein Betei­lig­ter als so genann­ter Hin­ter­mann anzu­se­hen ist, hängt jeweils von den Umstän­den des Ein­zel­fal­les ab, wobei die gesell­schafts­recht­li­che Funk­ti­on sowie ein erheb­li­ches wirt­schaft­li­ches Eigen­in­ter­es­se für eine Ein­fluss­nah­me auf die Kon­zep­ti­on des Modells spre­chen kön­nen. Nach die­sen Grund­sät­zen haf­tet auch der beherr­schen­de Gesell­schaf­ter für die Feh­ler im Pro­spekt.

BGH, Urteil vom 8. Dezem­ber 2005 – VII ZR 372/​03