Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Kom­man­di­tis­ten – gegen den Fremd­ge­schäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH

Ein Kom­man­di­tist einer GmbH & Co. KG kann nicht Ansprü­che der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gegen den Fremd­ge­schäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH gel­tend machen.

Scha­dens­er­satz­an­sprü­che des Kom­man­di­tis­ten – gegen den Fremd­ge­schäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH

Die Kom­man­di­tis­ten kön­nen kei­nen Anspruch der KG auf Zah­lung von Scha­dens­er­satz gemäß § 43 GmbHG ana­log für die Gesell­schaft im eige­nen Namen gel­tend machen. Dafür fehlt ihnen die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis. Die­se ist eine Pro­zess­vor­aus­set­zung, die wäh­rend des gesam­ten Ver­fah­rens vor­lie­gen muss 1.

Die Kom­man­di­tis­ten kön­nen im Gegen­satz zur Auf­fas­sung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg 2 ihre Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis nicht auf eine actio pro socio stüt­zen.

Als actio pro socio wird die Gel­tend­ma­chung eines Anspruchs aus dem Gesell­schafts­ver­hält­nis durch einen Gesell­schaf­ter im eige­nen Namen gegen einen Mit­ge­sell­schaf­ter auf Leis­tung an die Gesell­schaft bezeich­net. Sie wur­zelt im Gesell­schafts­ver­hält­nis und ist Aus­fluss des Mit­glied­schafts­rechts des Gesell­schaf­ters 3.

Mit dem Scha­dens­er­satz­an­spruch der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gegen den Geschäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH wird kein Anspruch gegen einen Mit­ge­sell­schaf­ter gel­tend gemacht, son­dern gegen einen Nicht­ge­sell­schaf­ter. Die Ein­zie­hung einer Gesell­schafts­for­de­rung ist bei einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft ein Akt der Geschäfts­füh­rung, die grund­sätz­lich Auf­ga­be der geschäfts­füh­ren­den Gesell­schaf­ter ist. Dem­ge­mäß braucht auch kein Gesell­schaf­ter zu dul­den, dass ein nicht­be­rech­tig­ter Gesell­schaf­ter die in der kla­ge­wei­sen Gel­tend­ma­chung einer For­de­rung gegen Drit­te lie­gen­de Geschäfts­füh­rungs­maß­nah­me allein trifft und damit die gesetz­li­chen oder gesell­schafts­ver­trag­li­chen Bestim­mun­gen über die Geschäfts­füh­rungs­be­fug­nis durch­bricht. Dies gilt auch für die GmbH & Co. KG. Die Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gemäß § 43 Abs. 2 GmbHG ana­log gegen einen Fremd­ge­schäfts­füh­rer obliegt deren geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­te­rin, der Kom­ple­men­tär-GmbH.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zwar eine actio pro socio für Ansprü­che der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gegen einen geschäfts­füh­ren­den Gesell­schaf­ter für mög­lich ange­se­hen 4. Er hat jedoch in der Ent­schei­dung vom 02.07.1973 eine actio pro socio gegen­über Drit­ten, also Nicht­ge­sell­schaf­tern, nicht in Erwä­gung gezo­gen.

Eine Erwei­te­rung die­ser Grund­sät­ze dahin, dass die Kom­man­di­tis­ten einer GmbH & Co. KG Ansprü­che der Gesell­schaft gegen Drit­te (actio pro societa­te) und damit auch gegen den Fremd­ge­schäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär – GmbH gel­tend machen kön­nen, ist nicht ange­zeigt.

Da nicht zu erwar­ten ist, dass ein Fremd­ge­schäfts­füh­rer einer Kom­ple­men­tär-GmbH Ansprü­che der KG gegen sich selbst gel­tend macht, wird teil­wei­se ange­nom­men, dass den Kom­man­di­tis­ten einer GmbH & Co. KG der unmit­tel­ba­re Durch­griff auf den Fremd­ge­schäfts­füh­rer wegen Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen der Gesell­schaft in Fol­ge der Ver­let­zung von Geschäfts­füh­rer­pflich­ten ermög­licht wer­den muss, wenn dafür ein beson­de­res per­sön­li­ches Inter­es­se besteht 5.

Dem folgt der Bun­des­ge­richts­hof nicht. Für einen unmit­tel­ba­ren Durch­griff besteht kein Bedürf­nis. Die Ver­let­zung der Pflich­ten des Geschäfts­füh­rers bei der Geschäfts­füh­rung für die GmbH als Kom­ple­men­tä­rin und zugleich für die Kom­man­dit­ge­sell­schaft muss sich im Innen­ver­hält­nis zwi­schen Kom­ple­men­tär-GmbH und Kom­man­dit­ge­sell­schaft ers­te­re nach § 31 BGB zurech­nen las­sen 6. Die Kom­ple­men­tär-GmbH ist damit gegen­über der Kom­man­dit­ge­sell­schaft zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet, hat aber selbst einen Ersatz­an­spruch gegen ihren Geschäfts­füh­rer nach § 43 Abs. 2 GmbHG. Die Ansprü­che der KG gegen die Kom­ple­men­tär-GmbH kön­nen die Kom­man­di­tis­ten im Wege der actio pro socio gel­tend machen 4. Sie kön­nen daher auch einen Titel gegen die Kom­ple­men­tär-GmbH erstrei­ten und dar­aus in deren Anspruch gegen ihren Geschäfts­füh­rer nach § 43 Abs. 2 GmbHG voll­stre­cken.

Einen Anspruch als actio pro socio gegen die Kom­ple­men­tär-GmbH haben die Kom­man­di­tis­ten hier nicht gel­tend gemacht, son­dern einen Anspruch der Kom­man­dit­ge­sell­schaft gegen den Fremd­ge­schäfts­füh­rer der Kom­ple­men­tär-GmbH.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2017 – II ZR 255/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 10.11.1999 – VIII ZR 78/​98, NJW 2000, 738 zur gewill­kür­ten Pro­zess­stand­schaft[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 22.09.2016 – 6 U 111/​10[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2010 – II ZR 69/​09, ZIP 2010, 1232 Rn. 3; Urteil vom 13.05.1985 – II ZR 170/​84, ZIP 1985, 1137, 1138[]
  4. BGH, Urteil vom 02.07.1973 – II ZR 94/​71, NJW 1973, 2198, 2199; Urteil vom 27.06.1957 – II ZR 15/​56, BGHZ 25, 47, 49[][]
  5. Haas/​Mock in Röhricht/​Graf v. Westphalen/​Haas, HGB, 4. Aufl., § 161 Rn. 89; Gru­ne­wald in Münch­Komm-HGB, 3. Aufl., § 161 Rn. 67 f.; Oet­ker in Oet­ker, HGB, 5. Aufl., § 161 Rn. 116; Cas­per in Groß­kommH­GB, 5. Aufl., § 161 Rn. 114; a.A. Kind­ler in Koller/​Kindler/​Roth/​Morck, HGB, 8. Aufl., § 105 Rn. 43[]
  6. Haas/​Mock in Röhricht/​Graf von Westphalen/​Haas, HGB, 4. Aufl. § 161 Rn. 79[]