Schuld­an­er­kennt­nis und Eigen­ka­pi­ta­ler­satz

Wird eine Schuld der Gesell­schaft gegen­über einem Gesell­schaf­ter über­nom­men, die eigen­ka­pi­ta­ler­satz­recht­lich gebun­den ist, ist auch eine zum Aus­gleich der Schuld­über­nah­me durch Aner­kennt­nis begrün­de­te For­de­rung des Schuld­über­neh­mers gegen die Gesell­schaft eigen­ka­pi­ta­ler­satz­recht­lich gebun­den.

Schuld­an­er­kennt­nis und Eigen­ka­pi­ta­ler­satz

Das Eigen­ka­pi­ta­ler­satz­recht in Gestalt der Novel­len­re­geln (§§ 32a , 32b GmbHG aF) und der Recht­spre­chungs­re­geln (§§ 30, 31 GmbHG aF ana­log) ist auf den hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen "Alt­fall" noch anzu­wen­den, weil das Insol­venz­ver­fah­ren vor dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des GmbH-Rechts und zur Bekämp­fung von Miss­bräu­chen (MoMiG) 1 eröff­net wor­den ist (Art. 103d EGIn­sO 2). Danach konn­te ein Gesell­schaf­ter eine For­de­rung, die eine eigen­ka­pi­ta­ler­set­zen­de Gesell­schaf­ter­hil­fe war, wäh­rend der Dau­er der Kri­se gegen die GmbH nicht durch­set­zen 3 und wur­de in der Insol­venz der Gesell­schaft damit nur nach­ran­gig befrie­digt (§ 39 Abs. 1 Nr. 5 InsO aF).

Eine Gesell­schaft­er­leis­tung wirkt eigen­ka­pi­ta­ler­set­zend, wenn der Ge-sell­schaf­ter eine außer­halb der Kri­se gewähr­te Leis­tung bei Ein­tritt der Kri­se weder ent­zieht, obwohl dies mög­lich ist, noch die Gesell­schaft in die Liqui­da­ti­on führt. Eine Kri­se liegt vor, wenn die Gesell­schaft insol­venz­reif oder kre­dit­un­wür­dig ist 4. Kre­dit­un­wür­dig ist die Gesell­schaft, wenn sie im Zeit­punkt der Leis­tung von drit­ter Sei­te kei­nen Kre­dit zu markt­üb­li­chen Bedin­gun­gen hät­te erhal­ten kön­nen und ohne die Leis­tung des Gesell­schaf­ters hät­te liqui­diert wer­den müs­sen 5. Kre­dit­un­wür­dig­keit liegt danach ins­be­son­de­re vor, wenn die Gesell­schaft den zur Fort­füh­rung ihres Geschäfts­be­triebs erfor­der­li­chen Kre­dit­be­darf nicht aus eige­ner Kraft decken kann 6, wäh­rend gegen Kre­dit­un­fä­hig­keit spricht, wenn die Gesell­schaft noch über Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de ver­fügt, die ein außen­ste­hen­der Kre­dit­ge­ber als Sicher­heit akzep­tie­ren wür­de 7. Für die Beur­tei­lung ihrer Kre­dit­un­wür­dig­keit durch einen wirt­schaft­lich den­ken­den außen­ste­hen­den Kre­dit­ge­ber ist auch eine bereits seit län­ge­rem bestehen­de, an-stei­gen­de rech­ne­ri­sche Über­schul­dung einer GmbH von wesent­li­cher Bedeu­tung 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Janu­ar 2011 – II ZR 157/​09

  1. vom 23.10.2008, BGBl. I S. 2026[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 26.01.2009 – II ZR 260/​07, BGHZ 179, 249 Rn. 15 ff. – Gut Buschow[]
  3. BGH, Urteil vom 08.01.2001 – II ZR 88/​99, BGHZ 146, 264, 272[]
  4. BGH, Urtei­le vom 26.01.2009 – II ZR 260/​07, BGHZ 179, 249 Rn. 9 und 24 – Gut Buschow; und vom 03.04.2006 – II ZR 332/​05, ZIP 2006, 996 Rn. 7 m.w.N.[]
  5. BGH, Urteil vom 24.03.1980 – II ZR 213/​77, BGHZ 76, 326, 330[]
  6. BGH, Urteil vom 02.12.1996 – II ZR 243/​95, GmbHR 1997, 501, 503[]
  7. BGH, Beschluss vom 05.11.2007 – II ZR 298/​06, ZIP 2008, 218 Rn. 2[]
  8. BGH, Urteil vom 23.02.2004 – II ZR 207/​01, ZIP 2004, 1049, 1052[]