Simul­ta­n­in­sol­venz von Kom­man­dit­ge­sell­schaft und Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft

Eine Bestim­mung in einem Gesell­schafts­ver­trag einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft, nach der ein Gesell­schaf­ter, über des­sen Ver­mö­gen das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wird, aus der Gesell­schaft aus­schei­det, fin­det auch im Fall der Simul­ta­n­in­sol­venz von Kom­man­dit­ge­sell­schaft und Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft jeden­falls dann Anwen­dung, wenn noch wei­te­re Gesell­schaf­ter ver­blei­ben.

Simul­ta­n­in­sol­venz von Kom­man­dit­ge­sell­schaft und Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft

Eine sol­che Rege­lung im Gesell­schafts­ver­trag einer Kom­man­dit­ge­sell­schaft ent­spricht im Grund­satz der gesetz­li­chen Rege­lung. Gemäß § 161 Abs. 2, § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB führt die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen eines Gesell­schaf­ters zu des­sen Aus­schei­den aus der Kom­man­dit­ge­sell­schaft.

Einem Aus­schei­den der Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft aus dem Gesell­schaf­ter­be­stand der Kom­man­dit­ge­sell­schaft steht nicht ent­ge­gen, dass zuvor mit Beschluss des Amts­ge­richts zeit­nah auch über das Ver­mö­gen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft selbst das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wur­de. Der Gesell­schafts­ver­trag der Kom­man­dit­ge­sell­schaft sieht für die­sen Fall kei­ne Ein­schrän­kung der Rege­lung in § 21 Satz 1 vor. Eben­so wenig erfor­dert die Vor­schrift des § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB im Fal­le einer Simul­ta­n­in­sol­venz von Kom­man­dit­ge­sell­schaft und Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung der gesell­schafts­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung. Zwar wird teil­wei­se ange­nom­men, die Vor­schrift des § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB sei im Fal­le der Simul­ta­n­in­sol­venz von Kom­man­dit­ge­sell­schaft und per­sön­lich haf­ten­der Gesell­schaf­te­rin ein­schrän­kend aus­zu­le­gen, sofern die Gesell­schaf­ter­insol­venz eine Fol­ge der Gesell­schafts­in­sol­venz sei. Dabei bestehen unter­schied­li­che Mei­nun­gen, in wel­chen Fäl­len eine Ein­schrän­kung des Anwen­dungs­be­reichs des § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB im Fal­le der Simul­ta­n­in­sol­venz vor­zu­neh­men ist.

Nach einer Ansicht soll eine ein­schrän­ken­de Aus­le­gung nur dann Platz grei­fen, wenn über das Ver­mö­gen sämt­li­cher Gesell­schaf­ter und der Gesell­schaft Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wer­den 1.

Nach ande­rer Ansicht soll nur bei einer zwei­glied­ri­gen GmbH & Co. KG die insol­ven­te Kom­ple­men­tä­rin in der Kom­man­dit­ge­sell­schaft ver­blei­ben, weil sonst die Gesell­schaft liqui­da­ti­ons­los voll been­det wäre 2.

Nach einer drit­ten Ansicht soll § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB im Fall einer Simul­ta­n­in­sol­venz von Kom­man­dit­ge­sell­schaft und Kom­ple­men­tä­rin all­ge­mein kei­ne Anwen­dung fin­den 3.

Nach einer wei­te­ren Auf­fas­sung kommt § 131 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 HGB auch in der Simul­ta­n­in­sol­venz unein­ge­schränkt zur Anwen­dung, weil die Per­so­nen­ge­sell­schaft und die ande­ren Gesell­schaf­ter davor geschützt wer­den sol­len, sich in Ange­le­gen­hei­ten der Gesell­schaft mit dem Insol­venz­ver­wal­ter des insol­ven­ten Mit­ge­sell­schaf­ters aus­ein­an­der­set­zen zu müs­sen. Die Not­wen­dig­keit die­ses Schut­zes ent­fal­le nicht dadurch, dass zeit­nah über das Ver­mö­gen sowohl der Kom­man­dit­ge­sell­schaft als auch der Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wer­de. Der Insol­venz­ver­wal­ter der insol­ven­ten Kom­ple­men­tä­rin habe ande­re Auf­ga­ben und Pflich­ten als der Insol­venz­ver­wal­ter der Kom­man­dit­ge­sell­schaft und die übri­gen Gesell­schaf­ter 4. Die­ser Auf­fas­sung schließt sich der Bun­des­ge­richts­hof jeden­falls für die vor­lie­gen­de Fall­kon­stel­la­ti­on an, in der nach der Simul­ta­n­in­sol­venz der Kom­man­dit­ge­sell­schaft und ihrer Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft zwei wei­te­re Kom­man­di­tis­ten als Gesell­schaf­ter ver­blei­ben. Dadurch wer­den hier Inter­es­sen­kon­flik­te zwi­schen der Kom­man­dit­ge­sell­schaft und ihren ver­blie­be­nen Gesell­schaf­tern einer­seits und den Insol­venz­ver­wal­tern der übri­gen Gesell­schaf­ter ande­rer­seits vor­lie­gend der Kom­ple­men­tär­ge­sell­schaft und der wei­te­ren Kom­man­di­tis­tin, über deren Ver­mö­gen das Insol­venz­ver­fah­ren eben­falls eröff­net wor­den ist ver­hin­dert.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Mai 2014 – I ZR 217/​12

  1. Lorz in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 2. Aufl., § 131 Rn. 46; Oetker/​Kamanabrou, HGB, 3. Aufl., § 131 Rn. 32; Bork/​Jacoby, ZGR 2005, 611, 650 ff.[]
  2. Liebs, ZIP 2002, 1716, 1717[]
  3. MünchKomm-.HGB/K. Schmidt, 3. Aufl., § 131 Rn. 76 f.; C. Schä­fer in Großkomm.HGB, 5. Aufl., § 131 Rn. 92 und 95[]
  4. vgl. BVerwG, Urteil vom 13.07.2011 8 C 10/​10, BVerw­GE 140, 142 Rn. 15 ff.; Roth in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., Anh. § 177a Rn. 45a; vgl. auch BGH, Urteil vom 15.03.2004 – II ZR 247/​01, TranspR 2004, 326 = ZIP 2004, 1047[]