Son­der­zah­lungs­ver­spre­chen für stil­le Gesell­schaf­ter

Leis­tun­gen aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen an ein­zel­ne Gesell­schaf­ter, die im Hin­blick auf die Mit­glied­schaft erfol­gen, beru­hen regel­mä­ßig auch dann, wenn im Leis­tungs­zeit­punkt kei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung zur Erbrin­gung der Leis­tung besteht, auf der gesell­schafts­ver­trag­lich ver­ab­re­de­ten gemein­sa­men Zweck­ver­fol­gung, an deren Erfolg der Gesell­schaf­ter teil­ha­ben soll; auch bei einer stil­len Gesell­schaft steht der im Gesell­schafts­ver­hält­nis wur­zeln­de Zweck einer sol­chen Leis­tung der Annah­me einer unent­gelt­li­chen Zuwen­dung im Sin­ne des § 516 Abs. 1 BGB eben­so ent­ge­gen wie bei ent­spre­chen­den frei­wil­li­gen Leis­tun­gen des Gesell­schaf­ters an die Gesell­schaft.

Son­der­zah­lungs­ver­spre­chen für stil­le Gesell­schaf­ter

Eine Ände­rung eines Unter­neh­mens­ver­trags im Sin­ne des § 295 AktG ist gege­ben, wenn durch eine rechts­ge­schäft­li­che Ver­ein­ba­rung inhalt­lich auf die nach der bis­he­ri­gen Ver­trags­la­ge bestehen­den Rech­te und Pflich­ten der Par­tei­en ein­ge­wirkt wird, ohne dass zwi­schen wesent­li­chen und unwe­sent­li­chen Ände­run­gen zu unter­schei­den ist.

Mit die­ser Begrün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof hat ein frei­wil­li­ges Son­der­zah­lungs­ver­spre­chen, das die HSH Nord­bank AG zur Zeit der Finanz­markt­kri­se im Jahr 2008 zu Guns­ten ihrer stil­len Gesell­schaf­ter abge­ge­ben hat­te, für unwirk­sam erach­tet und die auf Zah­lung der ver­spro­che­nen Son­der­ver­gü­tung gerich­te­ten Kla­gen stil­ler Gesell­schaf­ter abge­wie­sen.

In ins­ge­samt sie­ben Ver­fah­ren ist die durch Ver­schmel­zung aus der Lan­des­bank Schles­wig-Hol­stein Giro­zen­tra­le und der Ham­bur­gi­schen Lan­des­bank – Giro­zen­tra­le her­vor­ge­gan­ge­ne HSH Nord­bank AG mit Dop­pel­sitz in Ham­burg und Kiel von Spar­kas­sen und Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men, die im Jahr 2008 mit einer Ver­mö­gens­ein­la­ge als stil­le Gesell­schaf­ter betei­ligt waren, auf Zah­lung von Beträ­gen bis zu 3,8 Mio. € in Anspruch genom­men wor­den. In den zwi­schen Ende 1997 und Mit­te 2000 geschlos­se­nen Gesell­schafts­ver­trä­gen war eine jähr­li­che Gewinn­be­tei­li­gung der stil­len Gesell­schaf­ter in Höhe eines bestimm­ten Pro­zent­sat­zes ihrer Ein­la­ge ver­ein­bart, die ent­fal­len soll­te, wenn dadurch bei der HSH Nord­bank AG ein Jah­res­fehl­be­trag ent­ste­hen oder erhöht wür­de.

Mit einem Schrei­ben zum Ende des Jah­res 2008 hat­te die HSH Nord­bank AG den stil­len Gesell­schaf­tern sodann bestä­tigt, dass sie die Ver­gü­tung für die stil­le Ein­la­ge auch dann in vol­ler Höhe aus­zah­len wer­de, wenn im Geschäfts­jahr 2008 ein Jah­res­fehl­be­trag erwirt­schaf­tet wer­de. Damit soll­te ein erheb­li­cher Repu­ta­ti­ons­ver­lust der HSH Nord­bank AG ver­mie­den wer­den, der befürch­tet wur­de, wenn die stil­len Gesell­schaf­ter nicht bedient wür­den. Der im Früh­jahr 2009 auf­ge­stell­te Jah­res­ab­schluss der HSH Nord­bank AG für das Geschäfts­jahr 2008 wies einen Jah­res­fehl­be­trag in Höhe von über 3 Mrd. € aus.

Nach­dem die HSH Nord­bank AG die ange­kün­dig­ten Son­der­zah­lun­gen ver­wei­gert hat­te, haben die Klä­ge­rin­nen mit ihren beim Land­ge­richt Kiel oder beim Land­ge­richt Ham­burg erho­be­nen Kla­gen Zah­lung der Ver­gü­tung für das Geschäfts­jahr 2008 begehrt. Die HSH Nord­bank AG hat sich unter ande­rem dar­auf beru­fen, ein wirk­sa­mes Zah­lungs­ver­spre­chen sei nicht zustan­de gekom­men, weil die erfor­der­li­che Schrift­form nicht gewahrt wor­den sei. Die bei­den beim Land­ge­richt Ham­burg 1 erho­be­nen Kla­gen hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg als Beru­fungs­ge­richt abge­wie­sen 2 . In den wei­te­ren fünf Fäl­len hat­ten die Kla­gen vor dem Land­ge­richt Kiel 3 und dem Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Ober­lan­des­ge­richt 4 Erfolg.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Ent­schei­dun­gen des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg bestä­tigt und in den schles­wig-hol­stei­ni­schen Ver­fah­ren die Kla­gen unter Auf­he­bung der von der HSH Nord­bank AG ange­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen abge­wie­sen. Er hat in der Zusa­ge der Son­der­zah­lung zwar kein Schen­kungs­ver­spre­chen gese­hen, das nach § 518 Absatz 1 Satz 1 BGB der nota­ri­el­len Beur­kun­dung bedurft hät­te, son­dern eine Leis­tung, die im Hin­blick auf die Gesell­schaf­ter­stel­lung der jewei­li­gen Klä­ge­rin, mit­hin cau­sa societa­tis, zuge­sagt wor­den ist. Durch die Son­der­zah­lungs­ab­re­de ist sei­ner Auf­fas­sung nach aber der jeweils zwi­schen den stil­len Gesell­schaf­tern als Teil­ge­winn­ab­füh­rungs­ver­trag bestehen­de Unter­neh­mens­ver­trag im Sin­ne des § 295 Absatz 1 Satz 1 AktG abge­än­dert wor­den. Da dabei die gemäß § 295 Absatz 1 Satz 2, § 293 Absatz 3 AktG erfor­der­li­che Schrift­form eines von bei­den Par­tei­en unter­zeich­ne­ten Ver­trags nicht ein­ge­hal­ten und die nach § 295 Absatz 1 Satz 2, § 294 Absatz 2 AktG not­wen­di­ge Ein­tra­gung im Han­dels­re­gis­ter nicht vor­ge­nom­men wor­den ist, wur­de eine wirk­sa­me Zah­lungs­ver­pflich­tung der HSH Nord­bank AG nicht begrün­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 18. Sep­tem­ber 2012 – II ZR 50/​11, II ZR 51/​11, II ZR 59/​11, II ZR 127/​11, II ZR 128/​11, II ZR 129/​11 und II ZR 241/​11

  1. LG Ham­burg, Urtei­le vom 22.12.2009 – 404 O 68/​09; und vom 07.07.2010 – 4040 O 128/​09[]
  2. OLG Ham­burg, Urtei­le vom 11.02.2011 – 11 U 127/​10 und 11 U 12/​10, ZIP 2011, 430[]
  3. LG Kiel, Urtei­le vom 16.04.2010 – 14 O 110/​09; vom 21.10.2010 – 15 O 71/​10; vom 06.08.2010 – 14 O 13/​10; vom 02.11.2010 – 16 O 68/​10; und vom 15.10.2010 – 14 O 57/​10[]
  4. OLG Schles­wig, Urtei­le vom 02.03.2011 – 9 U 22/​10, ZIP 2011, 517; vom 01.06.2011 – 9 U 65/​10, 9 U 47/​10 und 9 U 63/​10; sowie vom 02.11.2011 – 9 U 60/​10[]