Stimm­ver­bot des GmbH-Gesell­schaf­ters

Soll ein Geschäfts­füh­rer aus wich­ti­gem Grund wegen einer Pflicht­ver­let­zung abbe­ru­fen wer­den, ist, wie der Bun­des­ge­richts­hof in einem aktu­el­len Urteil fest­ge­stellt hat, ein Gesell­schaf­ter, der die Pflicht­ver­let­zung gemein­sam mit dem Geschäfts­füh­rer began­gen hat, von der Abstim­mung aus­ge­schlos­sen.

Stimm­ver­bot des GmbH-Gesell­schaf­ters

Ein Gesell­schaf­ter ist regel­mä­ßig dann vom Stimm­recht aus­ge­schlos­sen, wenn gegen ihn gesell­schafts­recht­lich bedeut­sa­me Maß­nah­men ergrif­fen wer­den sol­len und er – qua­si als Rich­ter in eige­ner Sache – dazu sein eige­nes Ver­hal­ten beur­tei­len muss 1. Liegt der Abbe­ru­fung als Geschäfts­füh­rer als wich­ti­ger Grund eine Pflicht­ver­let­zung zugrun­de, ist auch der Gesell­schaf­ter aus­ge­schlos­sen, dem eine gemein­sam mit dem Geschäfts­füh­rer began­ge­ne Pflicht­ver­let­zung vor­ge­wor­fen wird 2. Ein Stimm­ver­bot nach § 47 Abs. 4 GmbHG ist sinn­ge­mäß auch in den Fäl­len anzu­neh­men, in denen das Aus­maß des Inter­es­sen­kon­flikts für meh­re­re Gesell­schaf­ter iden­tisch ist 3. Die Inter­es­sen­kol­li­si­on ist nicht nur bei der Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen 3, der Ent­las­tung 4 oder der Bestel­lung eines beson­de­ren Ver­tre­ters für die GmbH 5 zu berück­sich­ti­gen. Das gemein­schaft­li­che Fehl­ver­hal­ten kann auch bei der Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers aus wich­ti­gem Grund nur ein­heit­lich beur­teilt wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil v. 27. April 2009 – II ZR 167/​07

  1. BGHZ 86, 177, 178; BGH, Urteil vom 21. April 1969 – II ZR 200/​67, WM 1969, 808[]
  2. OLG Düs­sel­dorf GmbHR 2000, 1050; Scholz/​K. Schmidt, GmbHG 10. Aufl. § 47 Rdn. 139; Ulmer/​Hüffer, GmbHG § 47 Rdn. 166; Michalski/​Römermann, GmbHG § 47 Rdn. 268[]
  3. BGHZ 97, 28, 33[][]
  4. BGHZ 108, 21, 25; BGH, Urteil vom 7. April 2003 – II ZR 193/​02, ZIP 2003, 945[]
  5. BGHZ 116, 353, 358[]
  6. BFH, Urteil in BFHE 218, 163, BSt­Bl II 2007, 874[]