Umwand­lung einer GmbH in eine GbR – und das Han­dels­re­gis­ter

Beim Form­wech­sel einer GmbH in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts müs­sen weder die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts noch ihre Gesell­schaf­ter im Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den.

Umwand­lung einer GmbH in eine GbR – und das Han­dels­re­gis­ter

Der Name der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts und ihre Gesell­schaf­ter nach einem Form­wech­sel gemäß § 235 Abs. 1 UmwG sind kei­ne ein­tra­gungs­pflich­ti­gen Tat­sa­chen. Ein­ge­tra­gen wer­den muss nach § 235 UmwG die Umwand­lung der Gesell­schaft im Regis­ter der GmbH als form­wech­seln­der Gesell­schaft, aber in Abwei­chung von § 198 Abs. 1 UmwG nicht die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts selbst als neue Rechts­form 1. Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts unter­liegt nicht der Ein­tra­gung in das Han­dels­re­gis­ter 2. Erst recht müs­sen aus die­sem Grun­dih­re Gesell­schaf­ter bei einem Form­wech­sel nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den.

Auf nicht ein­tra­gungs­pflich­ti­ge Tat­sa­chen fin­det § 15 Abs. 3 HGB kei­ne Anwen­dung 3. Das folgt schon aus dem Wort­laut. § 15 Abs. 3 HGB setzt eine ein­zu­tra­gen­de Tat­sa­che vor­aus. Die Vor­schrift ist auch nicht mit Blick auf die Schutz­be­dürf­tig­keit des auf eine unrich­ti­ge Ein­tra­gung und Bekannt­ma­chung nur ein­tra­gungs­fä­hi­ger Tat­sa­chen Ver­trau­en­den ent­spre­chend anzu­wen­den 4. Eine sol­che Schutz­lü­cke besteht nicht. Der­je­ni­ge, der auf nicht ein­tra­gungs­pflich­ti­ge Tat­sa­chen ver­traut, kann einen Anspruch nach all­ge­mei­nen Rechts­schein­grund­sät­zen haben 5.

Zum Schutz der Gläu­bi­ger der form­wech­seln­den Gesell­schaft muss beim Form­wech­sel in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts auch nicht § 235 Abs. 1 UmwG in rich­ter­li­cher Rechts­fort­bil­dung dahin ergänzt wer­den, dass in Ana­lo­gie zu § 47 Abs. 2 GBO der Name bzw. die Bezeich­nung der Gesell­schaft und deren Gesell­schaf­ter im Han­dels­re­gis­ter des form­wech­seln­den Rechts­trä­gers ein­zu­tra­gen sind, um so § 15 Abs. 3 HGB auch für den Fall der Umwand­lung einer Kapi­tal­ge­sell­schaft in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts nutz­bar zu machen 6. Dass der Gläu­bi­ger einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts die Namen der Gesell­schaf­ter nicht kennt, weil sie nicht in einem öffent­li­chen Regis­ter ver­zeich­net sind, ist kei­ne Beson­der­heit des Form­wech­sels einer GmbH in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts. Viel­mehr ist beim Form­wech­sel die Kennt­nis von Namen und Anschrift der Gesell­schaf­ter sogar erleich­tert, weil der Gläu­bi­ger Ein­sicht in die letz­te Gesell­schafter­lis­te der form­wech­seln­den GmbH neh­men und dadurch in der Regel Namen und Wohn­ort der Gesell­schaf­ter der ent­stan­de­nen Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts erfah­ren kann. Zwar kann der Form­wech­sel in eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts eine stil­le Liqui­da­ti­on einer insol­venz­rei­fen GmbH erleich­tern. Die Anga­be der Gesell­schaf­ter im Han­dels­re­gis­ter im Zusam­men­hang mit der Umwand­lung ist aber gegen­über den Anga­ben in der Gesell­schafter­lis­te nicht geeig­net, die stil­le Liqui­da­ti­on zu ver­hin­dern oder wesent­lich zu erschwe­ren bzw. die Rechts­ver­fol­gung durch einen Gläu­bi­ger der GmbH zu erleich­tern. Es besteht schließ­lich auch kein Bedarf, über § 15 Abs. 3 HGB eine Rechts­schein­haf­tung für einen Gläu­bi­ger der GmbH zu eröff­nen, der auf eine (unrich­ti­ge) Benen­nung der Gesell­schaf­ter im Zusam­men­hang mit der Umwand­lung ver­traut, weil inso­weit auf die all­ge­mei­nen Rechts­schein­grund­sät­ze zurück­ge­grif­fen wer­den kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 18. Okto­ber 2016 – II ZR 314/​15

  1. vgl. Göthel in Lut­ter, UmwG, 5. Aufl., § 235 Rn. 10; Ihrig in Semler/​Stengel, UmwG, 3. Aufl., § 235 Rn. 1; Dirksen/​Blasche in Kall­mey­er, UmwG, 5. Aufl., § 235 Rn. 2 f.; Stratz in Schmitt/​Hörtnagl/​Stratz, Umwand­lungs­ge­setz, Umwand­lungs­steu­er­ge­setz, 7. Aufl., § 235 UmwG Rn. 1 f.[]
  2. vgl. nur BGH, Beschluss vom 16.07.2001 – II ZB 23/​00, BGHZ 148, 291, 294[]
  3. Koch in Groß­komm. HGB, 5. Aufl., § 15 Rn. 100; Hopt in Baumbach/​Hopt, HGB, 36. Aufl., § 15 Rn. 5, 16; Gehr­lein in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 15 Rn. 25; Ries in Röhricht/​Graf von Westphalen/​Haas, HGB, 4. Aufl., § 15 Rn. 35; Sonnenschein/​Weitemeyer, HGB, 2. Aufl., § 15 Rn. 23; Oetker/​Preuß, HGB, 4. Aufl., § 15 Rn. 55[]
  4. so aber Münch­Komm-HGB/Krebs, 4. Aufl., § 15 Rn. 87; Roth in Koller/​Kindler/​Roth/​Morck, HGB, 8. Aufl., § 15 Rn. 27; Bürck, AcP 171 [1971], 328, 342[]
  5. Koch in GroßKomm.HGB, 5. Aufl., § 15 Rn. 117; Oetker/​Preuß, HGB, 4. Aufl., § 15 Rn. 54; Gehr­lein in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 15 Rn. 24, 38; Ries in Röhricht/​Graf von Westphalen/​Haas, HGB, 4. Aufl., § 15 Rn. 33, 44[]
  6. so aber Pries­ter, GmbHR 2015, 1289, 1291; Mel­chi­or, EWiR 2016, 41[]