Ver­lust­aus­gleich im Kon­zern – und das Erfor­der­nis der Mah­nung

Das herr­schen­de Unter­neh­men gerät nicht auch ohne Mah­nung nach § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB (§ 284 Abs. 2 Satz 1 BGB aF) mit der am Bilanz­stich­tag ein­tre­ten­den Fäl­lig­keit des Anspruchs gleich­zei­tig in Ver­zug 1.

Ver­lust­aus­gleich im Kon­zern – und das Erfor­der­nis der Mah­nung

Mit dem Bilanz­stich­tag, in der Regel das Ende des Geschäfts­jahrs, wird der Anspruch auf Ver­lust­aus­gleich fäl­lig 2.

Mit dem Bilanz­stich­tag, in der Regel das Ende des Geschäfts­jahrs, wird der Anspruch auf Ver­lust­aus­gleich fäl­lig 2. Damit tritt aber auch dann, wenn wie hier der Stich­tag wegen des auf den 31.12 2000 befris­te­ten Ergeb­nis­ab­füh­rungs­ver­trags kalen­der­mä­ßig bestimmt ist, nicht ohne Mah­nung Ver­zug ein.

Nach § 286 Abs. 4 BGB (§ 285 BGB a.F.) kommt ein Schuld­ner nicht in Ver­zug, wenn die Leis­tung auf­grund von Umstän­den unter­bleibt, die er nicht zu ver­tre­ten hat. Wie jeder ande­re Schuld­ner kommt die Ober­ge­sell­schaft nicht in Ver­zug, wenn sie an der Leis­tung durch eine nicht zu ver­tre­ten­de Unge­wiss­heit über das Bestehen und den Umfang der For­de­rung gehin­dert ist 3.

Eine Unge­wiss­heit über den Umfang des Ver­lust­aus­gleichs besteht, solan­ge der Jah­res­ab­schluss nicht auf­ge­stellt ist. Vor sei­ner Auf­stel­lung, die regel­mä­ßig erst nach dem Ende des Abrech­nungs­zeit­raums erfol­gen kann, steht die Höhe des Ver­lusts nicht fest, der aus­ge­gli­chen wer­den muss.

Das hin­dert zwar nicht die Fäl­lig­keit des Ver­lust­aus­gleichs­an­spruchs, weil die herr­schen­de Gesell­schaft den zum Jah­res­en­de vor­läu­fig errech­ne­ten Betrag zah­len und sich einen Über­schuss wie­der zurück­ho­len kann 4, aber jeden­falls den Ver­zugs­ein­tritt.

Eine Mah­nung war für den Ver­zugs­ein­tritt auch nicht nach § 286 Abs. 2 Nr. 4 BGB ab dem Zeit­punkt der Auf­stel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses ent­behr­lich. Danach bedarf es einer Mah­nung nicht, wenn aus beson­de­ren Grün­den unter Abwä­gung der bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen der sofor­ti­ge Ein­tritt des Ver­zugs gerecht­fer­tigt ist. Dazu genügt es nicht, dass die Geschäfts­lei­tung der Unter­ge­sell­schaft in Ver­le­gen­heit gebracht wird, wenn sie die Leis­tung des Ver­lust­aus­gleichs anmah­nen muss. Dass die Geschäfts­füh­rung der beherrsch­ten Gesell­schaft den Ver­lust­aus­gleichs­an­spruch gel­tend machen muss und eine gegen­tei­li­ge Wei­sung des herr­schen­den Unter­neh­mens nich­tig ist, ent­spricht all­ge­mei­ner Ansicht 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Juni 2015 – II ZR 384/​13

  1. Münch­Komm-Akt­G/Alt­mep­pen, 3. Aufl., § 302 Rn. 73 a; Ste­phan in K. Schmidt/​Lutter, AktG, 2. Aufl., § 302 Rn. 43; Hir­te in Großkomm.z.AktG, 4. Aufl., § 302 Rn. 64; Thoß, DB 2007, 206, 208; Wernicke/​Scheunemann, DStR 2006, 1399, 1400; Pro­koph, DB 2007, 900, 902; aA Emme­rich in Emmerich/​Habersack, AktG- und GmbH-Kon­zern­recht, 7. Aufl., § 302 AktG Rn. 40a[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 14.02.2005 – II ZR 361/​02, ZIP 2005, 854, 855; Urteil vom 11.10.1999 – II ZR 120/​98, BGHZ 142, 382, 385[][]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 53/​10, ZIP 2011, 559 Rn. 16; Urteil vom 12.07.2006 – X ZR 157/​05, NJW 2006, 3271, 3272[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 11.10.1999 – II ZR 120/​98, BGHZ 142, 382, 386[]
  5. vgl. nur Münch­Komm- AktG/​Altmeppen, 3. Aufl., § 302 Rn. 81 f.[]