Ver­sor­gungs­an­sprü­che aus der Alt­so­zie­tät

Tre­ten einer Rechts­an­walts-Part­ner­schafts­ge­sell­schaft Rechts­an­wäl­te bei, die zuvor mit ande­ren Rechts­an­wäl­ten eine Sozie­tät in der Rechts­form der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts betrie­ben haben, haf­tet die Part­ner­schafts­ge­sell­schaft nur auf­grund eines erklär­ten Schuld­bei­tritts, nicht jedoch ent­spre­chend § 28 Abs. 1 HGB für die bis­her die Sozie­tät ver­pflich­ten­den Ver­sor­gungs­an­sprü­che eines aus der Sozie­tät aus­ge­schie­de­nen Alt­part­ners.

Ver­sor­gungs­an­sprü­che aus der Alt­so­zie­tät

Eine Haf­tung der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft für die Ver­sor­gungs­an­sprü­che des aus der Sozie­tät aus­ge­schie­de­nen Alt­part­ners nach § 28 Abs. 1 HGB oder einer ent­spre­chen­den Anwen­dung der Vor­schrift besteht nicht.

Es ist zwei­fel­haft, ob § 28 HGB auf die Part­ner­schafts­ge­sell­schaft bereits des­halb nicht anwend­bar ist, weil § 2 Abs. 2 PartGG zwar eine Rei­he von Vor­schrif­ten des 3. Abschnitts des HGB aus­drück­lich für anwend­bar erklärt, aber neben § 25 HGB und eini­gen ande­ren Vor­schrif­ten auch den § 28 HGB nicht auf­führt 1. Dies ist hier aller­dings eben­so wenig ent­schei­dungs­er­heb­lich wie die Fra­ge, ob – wofür gute Grün­de ange­führt wer­den kön­nen – mit einer im Schrift­tum ver­tre­te­nen Ansicht jeder Unter­neh­mens­trä­ger, nicht bloß der Kauf­mann i.S. des HGB, als Ein­zel­kauf­mann i.S. des § 28 Abs. 1 HGB ange­se­hen wer­den kann und ob es genügt, wenn durch den Ein­tritt in das Geschäft des bis­he­ri­gen Ein­zel­un­ter­neh­mers eine (das Unter­neh­men tra­gen­de) Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ent­steht 2. Denn eine Haf­tung der auf­neh­men­den Part­ner-schafts­ge­sell­schaft für Ver­sor­gungs­an­sprü­che des aus der ehe­ma­li­gen Sozie­tät Aus­ge­schie­de­nen kann aus­ge­hend von Wort­laut, Sys­te­ma­tik, Zweck und Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Vor­schrift sowie bei Zugrun­de­le­gung der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht auf eine ana­lo­ge Anwen­dung des § 28 Abs. 1 HGB gestützt wer­den.

§ 28 Abs. 1 HGB ord­net die Haf­tung der Gesell­schaft für Alt­schul­den des auf­neh­men­den Geschäfts­in­ha­bers an. Alt­schul­den des ein­tre­ten­den Gesell­schaf­ters hat dage­gen – neben dem mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­be­nen § 419 BGB sowie § 613 a BGB und § 75 AO – der hier man­gels Über­nah­me des Sozie­täts­na­mens nicht ein­grei­fen­de § 25 HGB im Blick 3. Bei § 28 Abs. 1 HGB geht es nicht um die Alt­schul­den des Ein­tre­ten­den. Geschützt wer­den sol­len viel­mehr die Gläu­bi­ger des "alten Geschäfts" 4.

Eine Anwen­dung des § 28 Abs. 1 HGB auf den Bei­tritt in eine bestehen­de Gesell­schaft mit der Fol­ge der Haf­tung der Gesell­schaft für die Alt­ver­bind­lich­kei­ten des Bei­tre­ten­den 5 ver­lässt den Boden einer zuläs­si­gen Ana­lo­gie, also die Anwen­dung einer im Gesetz gere­gel­ten Rechts­fol­ge auf einen ver­gleich­ba­ren Fall. Es geht nicht an, hier die Part­ner der Part­ner­schafts­ge­sell­schaft bzw. die­se selbst als Ein­tre­ten­de und die "Sozie­tät S. " als die auf­neh­men­de Gesell­schaf­ter anzu­se­hen 6.

Dies wäre zudem mit dem vom Bun­des­ge­richts­hof ver­tre­te­nen Grund­satz einer not­wen­di­ger­wei­se engen Aus­le­gung des § 28 HGB nicht ver­ein­bar 7. Dem Gesetz­ge­ber ging es allein um die Sicher­stel­lung der Haf­tung des Ein­tre­ten­den für die Alt­schul­den des Ein­zel­kauf­manns und nicht um die Haf­tung der ent­ste­hen­den Gesell­schaft für Alt­schul­den des Ein­tre­ten­den. Aus­gangs­punkt der Über­le­gun­gen des Gesetz­ge­bers war die Haf­tung des Ein­tre­ten­den gem. § 130 HGB, der aller­dings nur ein­greift, wenn jemand in eine bereits bestehen­de Gesell­schaft ein­tritt. Da sich die Ver­hält­nis­se bei einem Zusam­men­schluss eines Ein­zel­kauf­manns mit einem Teil­ha­ber und der dar­aus erst ent­ste­hen­den Gesell­schaft und die Ver­hält­nis­se bei einem Bei­tritt in eine bereits bestehen­de Gesell­schaft ähneln und eine "grund­sätz­lich ver­schie­de­ne Behand­lung sach­lich nicht" zu recht­fer­ti­gen ist, hat der Gesetz­ge­ber den § 28 HGB als Ergän­zung zu § 130 HGB geschaf­fen 4.

Auf sich beru­hen kann damit, dass es vor­lie­gend oben­drein um eine Haf­tung für eine Ver­sor­gungs­ver­bind­lich­keit geht, wel­che gem. § 10 Abs. 2 Sozie­täts­ver­trag die alte Sozie­tät S. , also eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts zu erfül­len hat­te. Die­se Gesell­schaft ist aber der ver­klag­ten Part­ner­schafts­ge­sell­schaft zwei­fels­frei nicht bei­getre­ten 8, son­dern bei­getre­ten sind drei der alten Gesell­schaf­ter der Sozie­tät.

Bun­des­ge­richts­hofs, Beschluss vom 23. Novem­ber 2009 – II ZR 7/​09

  1. vgl. dazu Ulmer/​Schä­fer in Münch­KommBGB 5. Aufl. 2009, § 2 PartGG Rdn. 2[]
  2. offen gelas­sen in BGHZ 157, 361, 365 m.w.Nachw.[]
  3. Hopt in Baumbach/​Hopt, HGB 33. Aufl. 2008 § 28 Rdn. 2; K. Schmidt, Han­delsR § 8 III 1 b cc, S. 259 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 06.07.1966 – VIII ZR 92/​64, NJW 1966, 1917, 1918[][]
  5. so aller­dings in einem allen­falls de lege feren­da taug­li­chen Ansatz Lieb in Münch­KommH­GB 2. Aufl. § 28 Rdn. 6[]
  6. vgl. dazu K. Schmidt, Han­delsR § 8 III 1 b cc, S. 259 Bei­spiel Nr. 46[]
  7. BGH, Urteil vom 07.01.1960 – II ZR 228/​59, NJW 1960, 624, 625; Urteil vom 14.06.1961 – VIII ZR 73/​60, NJW 1961, 1765, 1767[]
  8. vgl. auch § 1 Abs. 1 Satz 3 PartGG, dazu Ulmer/​Schäfer in Münch­KommBGB 5. Aufl. § 1 PartGG Rdn. 23[]