Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge einer GbR

Rich­tet sich ein Voll­stre­ckungs­ti­tel gegen eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts als Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin, steht die Befug­nis zur Erhe­bung einer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge der Gesell­schaft zu, nicht ihren Gesell­schaf­tern.

Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge einer GbR

Die Gesell­schaf­ter sind nicht pro­zess­füh­rungs­be­fugt.

Die Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge nach § 767 ZPO ist von „dem Schuld­ner“ zu erhe­ben. Das ist der­je­ni­ge, gegen den sich die Zwangs­voll­stre­ckung rich­tet, der also in dem voll­streck­ba­ren Titel oder in der gegen den Rechts­nach­fol­ger erteil­ten Voll­stre­ckungs­klau­sel als Schuld­ner auf­ge­führt ist [1]. Die Erhe­bung der Kla­ge durch den rich­ti­gen Gesell­schaf­ter, den Voll­stre­ckungs­schuld­ner, betrifft die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis und ist somit Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zung [2].

Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin und damit zur Erhe­bung der Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge befugt ist hier die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts.

Es kommt auch nicht in in Betracht, dass auch nach Aner­ken­nung der Rechts­fä­hig­keit der (Außen)Gesellschaft bür­ger­li­chen Rechts [3] ein Aktiv­pro­zess der Gesell­schaft wei­ter­hin von den Gesell­schaf­tern „als GbR“ geführt wer­den kön­ne. Die damit wohl ver­bun­de­ne Vor­stel­lung, die Gesell­schaf­ter könn­ten in Streit­ge­nos­sen­schaft auf das Gesamt­hand­s­ver­mö­gen bezo­ge­ne Pro­zes­se füh­ren, trifft nicht (mehr) zu. Viel­mehr ist in der­ar­ti­gen Recht­strei­tig­kei­ten grund­sätz­lich nur die rechts­fä­hi­ge Gesell­schaft die rich­ti­ge Par­tei [4], sofern nicht beson­de­re Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen, unter denen Gesell­schaf­ter Ansprü­che der Gesell­schaft – etwa im Wege der actio pro socio oder ander­wei­tig als Pro­zess­stand­schaf­ter – gericht­lich gel­tend machen kön­nen. Aus der grund­le­gen­den BGH-Ent­schei­dung vom 29.01.2001 [5] ergibt sich ersicht­lich nichts ande­res.

Die bei einer von allen Gesell­schaf­tern erho­be­nen Kla­ge ggf. in Betracht zu zie­hen­de Mög­lich­keit einer ein­fa­chen Rubrums­be­rich­ti­gung, wenn die Aus­le­gung der Kla­ge ergibt, dass sie von der Gesell­schaft erho­ben wor­den ist und die Benen­nung der Gesell­schaf­ter (nur) der Bezeich­nung der Gesell­schaft die­nen soll, bestand im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall schon des­halb nicht, weil über die Iden­ti­tät und Zusam­men­set­zung der Gesell­schaft gestrit­ten wird.

Man­gels hin­rei­chend kla­rer Anhalts­punk­te kann auch nicht ange­nom­men wer­den, dass die Gesell­schaf­ter – still­schwei­gend – in gewill­kür­ter Pro­zess­stand­schaft Ein­wen­dun­gen der GbR gel­tend machen. Im Übri­gen ist eine gewill­kür­te Pro­zess­stand­schaft bei einer Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge grund­sätz­lich nicht statt­haft [6].

Aus Treu und Glau­ben kann eine Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis der Gesell­schaf­ter eben­falls nicht her­ge­lei­tet wer­den.

Die Gesell­schaf­ter kön­nen die Kla­ge als Ver­tre­tungs­be­rech­tig­te namens der GbR erhe­ben, sofern sie deren Gesell­schaf­ter sind. Die Erwä­gung, die Gesell­schaf­ter müss­ten sich nicht auf eine Kla­ge namens der Gesell­schaft ver­wei­sen las­sen, weil dann aber­mals zwei­fel­haft gewe­sen wäre, ob sie tat­säch­lich Gesell­schaf­ter gewor­den sind, ist ver­fehlt. Viel­mehr wäre in einem sol­chen von der Gesell­schaft geführ­ten Rechts­streit zwi­schen den dor­ti­gen Par­tei­en die (Vor)Frage zu klä­ren, ob die Gesell­schaft durch die Gesell­schaf­ter als ihre Gesell­schaf­ter wirk­sam ver­tre­ten ist. Zwar kann die Fra­ge nach dem Gesell­schaf­ter­be­stand zugleich auch Gegen­stand eines Rechts­streits zwi­schen den­je­ni­gen sein, die die Gesell­schaf­ter­stel­lung für sich in Anspruch neh­men. Die­sem Rechts­streit ist aber schon des­halb kei­ne all­ge­mein­ver­bind­li­che Klä­rung die­ser Fra­ge vor­be­hal­ten, weil ein Urteil gemäß § 325 ZPO grund­sätz­lich nur zwi­schen den jewei­li­gen Pro­zess­par­tei­en Rechts­kraft­wir­kung ent­fal­tet [7].

Der Nach­weis ihrer Gesell­schaf­ter­stel­lung kann den Gesell­schaf­tern nicht aus Bil­lig­keits­er­wä­gun­gen erlas­sen wer­den. Die Grund­sät­ze von Treu und Glau­ben recht­fer­ti­gen es nicht, die blo­ße Mög­lich­keit oder Wahr­schein­lich­keit der Gesell­schaf­ter­stel­lung für die Befug­nis genü­gen zu las­sen, gegen einen die Gesell­schaft betref­fen­den Voll­stre­ckungs­ti­tel – unbe­scha­det der Mög­lich­kei­ten des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes – im Kla­ge­we­ge vor­zu­ge­hen.

Auch die akzes­so­ri­sche Gesell­schaf­ter­haf­tung, der nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs die Gesell­schaf­ter einer rechts­fä­hi­gen Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts in ent­spre­chen­der Anwen­dung der §§ 128, 129 HGB unter­lie­gen, bie­tet kei­ne trag­fä­hi­ge Begrün­dung dafür, den Gesell­schaf­tern die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis für eine von der Gesell­schaft als Voll­stre­ckungs­schuld­ne­rin zu erhe­ben­de Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge zuzu­bil­li­gen. Dies folgt schon dar­aus, dass aus einem gegen die Gesell­schaft gerich­te­ten Schuld­ti­tel nicht gegen die Gesell­schaf­ter voll­streckt wer­den kann (§ 129 Abs. 4 HGB) und dass den Gesell­schaf­tern unbe­scha­det der aus § 129 Abs. 1 HGB fol­gen­den Rechts­kraft­wir­kun­gen eines gegen die Gesell­schaft ergan­ge­nen Urteils die von der Gesell­schaft abge­lei­te­ten Ein­wen­dun­gen erhal­ten blei­ben, mit denen die Gesell­schaft nicht ihrer­seits prä­k­lu­diert ist (§ 767 Abs. 2, § 796 Abs. 2 ZPO) und auf die sie somit eine Voll­stre­ckungs­ab­wehr­kla­ge allein stüt­zen könn­te [8].

Fer­ner greift der nach § 129 Abs. 1 HGB grund­sätz­lich bestehen­de Ein­wen­dungs­aus­schluss nicht, wenn der Gläu­bi­ger mit den Ver­tre­tern der Gesell­schaft kol­lu­siv zusam­men­ge­wirkt hat oder wenn ein Nich­tig­keits­grund gemäß § 579 Abs. 1 Nr. 4 ZPO vor­liegt, weil die Gesell­schaft in dem gegen sie geführ­ten Ver­fah­ren nicht ord­nungs­ge­mäß ver­tre­ten war [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Novem­ber 2015 – II ZR 446/​13

  1. BGH, Urteil vom 25.09.2006 – II ZR 218/​05, ZIP 2006, 2128 Rn. 9; Urteil vom 05.06.2012 – XI ZR 173/​11 18 mwN[]
  2. BGH, Urteil vom 10.12 2013 – XI ZR 508/​12, ZIP 2014, 118 Rn. 12; K. Schmidt/​Brinkmann in Münch­Komm-ZPO, 4. Aufl., § 767 Rn. 44; Zöller/​Herget, ZPO, 30. Aufl., § 767 Rn. 9; a.A. Lack­mann in Musielak/​Voit, ZPO, 12. Aufl., § 767 Rn. 21: Fra­ge der Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on[]
  3. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 14.09.2005 – VIII ZR 117/​04, NJW-RR 2006, 42; Münch­Komm-BGB/­Schä­fer, 6. Aufl., § 718 Rn. 44 a.E.[]
  5. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 356 f.[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 2013 – XI ZR 508/​12, ZIP 2014, 118 Rn. 12; Preuß in Beck­OK ZPO, § 767 Rn. 34a; ande­res gilt für die gesetz­li­che Pro­zess­stand­schaft des Mit­er­ben, der im Wege der Voll­stre­ckungs­ge­gen­kla­ge Nach­lass­an­sprü­che gemäß § 2039 Satz 1 BGB gel­tend macht – BGH, Urteil vom 05.04.2006 – IV ZR 139/​05, BGHZ 167, 150 Rn. 7 ff.[]
  7. vgl. nur BGH, Urteil vom 22.03.2011 – II ZR 249/​09, ZIP 2011, 1143 Rn. 7[]
  8. BGH, Urteil vom 03.04.2006 – II ZR 40/​05, ZIP 2006, 994 Rn. 15; Hill­mann in Ebenroth/​Boujong/​Joost/​Strohn, HGB, 3. Aufl., § 129 Rn. 7; Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 129 Rn. 12[]
  9. BGH, Urteil vom 11.12 1995 – II ZR 220/​94, ZIP 1996, 227, 228; Staub/​Habersack, HGB, 5. Aufl., § 129 Rn. 11, 18[]