Wenn der Geschäfts­füh­rer aus der eige­nen Tasche zahlt…

Begleicht der hier­zu nicht ver­pflich­te­te Geschäfts­füh­rer der spä­te­ren Insol­venz­schuld­ne­rin deren Ver­bind­lich­keit aus eige­nen Mit­teln, benach­tei­ligt er hier­durch nicht die spä­te­ren Insol­venz­gläu­bi­ger.

Wenn der Geschäfts­füh­rer aus der eige­nen Tasche zahlt…

Wird ein Dar­le­hen eigens zur Beglei­chung einer bestimm­ten Schuld auf­ge­nom­men und gewährt, schließt die hier­in lie­gen­de treu­hän­de­ri­sche Bin­dung des Dar­le­hens­neh­mers eine Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung und damit eine Insol­venz­an­fech­tung nicht aus. Wird die For­de­rung eines Gläu­bi­gers begli­chen, der nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens nur Insol­venz­gläu­bi­ger wäre, benach­tei­ligt dies die Gesamt­heit der Insol­venz­gläu­bi­ger, weil die hier­für auf­ge­wand­ten Mit­tel zu deren Befrie­di­gung nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­hen. Das gilt auch dann, wenn der Schuld­ner sich die­se Mit­tel durch Auf­nah­me eines Dar­le­hens ver­schafft hat. Der Anspruch auf Aus­zah­lung eines Dar­le­hens ist auch dann der (spä­te­ren) Insol­venz­mas­se zuzu­rech­nen, wenn er wegen einer ver­ein­bar­ten Zweck­bin­dung zunächst unpfänd­bar ist. Ob das Dar­le­hen nach der Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en des Dar­le­hens­ver­tra­ges einem bestimm­ten Zweck, ins­be­son­de­re der Rück­füh­rung einer bestimm­ten Schuld die­nen soll, ist anfech­tungs­recht­lich uner­heb­lich 1.

Die Gesamt­heit der Insol­venz­gläu­bi­ger wird nicht benach­tei­ligt, wenn ein Drit­ter eine Ver­bind­lich­keit des spä­te­ren Insol­venz­schuld­ners mit Mit­teln begleicht, die nicht in des­sen haf­ten­des Ver­mö­gen gelangt sind. Bei einer Zah­lung des Schuld­ners durch Ein­schal­tung eines Drit­ten ist zwi­schen der Anwei­sung auf Schuld und der Anwei­sung auf Kre­dit zu unter­schei­den. Im ers­ten Fall tilgt der Ange­wie­se­ne mit der Zah­lung an den Emp­fän­ger eine eige­ne, gegen­über dem Anwei­sen­den bestehen­de Ver­bind­lich­keit 2. Dem­ge­gen­über nimmt der Ange­wie­se­ne im zwei­ten Fall die Zah­lung an den Emp­fän­ger ohne eine Ver­pflich­tung gegen­über dem Anwei­sen­den vor, so dass er infol­ge der Zah­lung zum Gläu­bi­ger des Anwei­sen­den wird 3. Han­delt es sich um eine Anwei­sung auf Schuld, führt die Zah­lung durch den Ange­wie­se­nen zu einer Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung, weil der Schuld­ner mit der Zah­lung an den Drit­ten sei­ne For­de­rung gegen den Ange­wie­se­nen ver­liert 4. Liegt dage­gen eine Anwei­sung auf Kre­dit vor, schei­det eine Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung grund­sätz­lich aus, weil es durch die Zah­lung ledig­lich zu einem Gläu­bi­ger­wech­sel in der Per­son des Ange­wie­se­nen kommt. Die Belas­tung der Mas­se mit dem Rück­griffs­an­spruch des Ange­wie­se­nen wird hier durch die Befrei­ung von der Schuld des Zah­lungs­emp­fän­gers aus­ge­gli­chen 5. An die­ser Recht­spre­chung hält der Bun­des­ge­richts­hof fest. Die spä­ter ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen 6 bedeu­ten 7 kei­ne Abkehr von den Grund­sät­zen des Beschlus­ses vom 16.10.2008 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Juni 2012 – IX ZR 59/​11

  1. grund­le­gend BGH, Urteil vom 07.06.2001 – IX ZR 195/​00, NZI 2001, 539, 540; vgl. auch Urteil vom 07.02.2002 – IX ZR 115/​99, ZIP 2002, 489, 490; vom 17.03.2011 – IX ZR 166/​08, NZI 2011, 400 Rn. 10 f[]
  2. Bamberger/​Roth/​Gehrlein, BGB, 3. Aufl., § 787 Rn. 1[]
  3. Bamberger/​Roth/​Gehrlein, aaO[]
  4. Münch­Komm-InsO/­Kirch­hof, 2. Aufl., § 129 Rn. 144[]
  5. BGH, Beschluss vom 16.10.2008 – IX ZR 147/​07, NZI 2009, 56 Rn. 9; RGZ 48, 148, 151 f; 81, 144, 145 f; Münch­Komm-InsO/­Kirch­hof, aaO; Jaeger/​Henckel, InsO § 129 Rn. 81, § 130 Rn. 59; Uhlenbruck/​Hirte, InsO, 13. Aufl. § 129 Rn. 85; Gehr­lein in Ahrens/​Gehrlein/​Ringstmeier, InsO § 129 Rn. 113[]
  6. BGH, Urteil vom 06.10.2009 – IX ZR 191/​05, BGHZ 182, 317 Rn. 15; vom 17.03.2011 – IX ZR 166/​08, NZI 2011, 400 Rn. 17[]
  7. ent­ge­gen Hof­mann, EWiR 2011, 431 f; Lütcke, NZI 2011, 702, 705 ff; Hen­kel, ZIn­sO 2012, 774[]
  8. vgl. Gan­ter, NZI 2011, 475 ff[]