Zah­lun­gen nach Insol­venz­rei­fe

§ 64 Satz 1 GmbHG ist kein Schutz­ge­setz im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB zu Guns­ten der Gesell­schaft, son­dern begrün­det eine eigen­stän­di­ge Anspruchs­grund­la­ge der Gesell­schaft bzw. einen "Ersatz­an­spruch eige­ner Art" 1.

Zah­lun­gen nach Insol­venz­rei­fe

Dass der Geschäfts­füh­rer durch das Zah­lungs­ver­bot dar­an gehin­dert wird, das Unter­neh­men nach Insol­venz­rei­fe fort­zu­füh­ren, ist ein Reflex von § 64 GmbHG.

Der Norm­zweck ver­bie­tet es ihm, das Unter­neh­men auf Kos­ten und Gefahr der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit mit dem Risi­ko wei­te­rer Mas­se­min­de­run­gen fort­zu­füh­ren.

Allen­falls soweit aus­nahms­wei­se eine kon­kre­te Chan­ce auf Sanie­rung und Fort­füh­rung im Insol­venz­ver­fah­ren zunich­te gemacht wer­den wür­de, kön­nen Zah­lun­gen zur Ver­mei­dung noch grö­ße­rer Nach­tei­le mit der Sorg­falt eines ordent­li­chen Geschäfts­manns ver­ein­bar sein und damit das Ver­schul­den ent­fal­len las­sen 2.

Der bestell­te Geschäfts­füh­rer einer Gesell­schaft mit beschränk­ter Haf­tung muss für eine Orga­ni­sa­ti­on sor­gen, die ihm die zur Wahr­neh­mung sei­ner Pflich­ten erfor­der­li­che Über­sicht über die wirt­schaft­li­che und finan­zi­el­le Situa­ti­on der Gesell­schaft jeder­zeit ermög­licht 3. Will er sich haf­tungs­be­frei­end von der Gesell­schaft tren­nen, muss er sein Amt nie­der­le­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Mai 2019 – II ZR 337/​17

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.03.2011 – II ZR 204/​09, ZIP 2011, 1007 Rn.20 f. mwN zu § 64 Abs. 2 GmbHG aF[]
  2. BGH, Urteil vom 23.06.2015 – II ZR 366/​13, BGHZ 206, 52 Rn. 24; Urteil vom 04.07.2017 – II ZR 319/​15, ZIP 2017, 1619 Rn. 21[]
  3. BGH, Urteil vom 06.11.2018 – II ZR 11/​17, ZIP 2019, 261 Rn. 14 f. z.V. in BGHZ vor­ge­se­hen mwN[]