Zeit­lich befris­te­te Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gun­gen

Die zeit­li­che Beschrän­kung der Betei­li­gung von Mana­gern und Mit­ar­bei­tern an der sie anstel­len­den GmbH ist nach zwei nun ver­öf­fent­lich­ten Urtei­len des Bun­des­ge­richts­hof zuläs­sig und stellt kei­nen Ver­stoß gegen das „Hin­aus­kün­di­gungs­ver­bot“ dar.

Zeit­lich befris­te­te Mit­ar­bei­ter­be­tei­li­gun­gen

Der für das Gesell­schafts­recht zustän­di­ge II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat­te in zwei Ver­fah­ren über die Zuläs­sig­keit von sog. Mana­ger- und Mit­ar­bei­ter­mo­del­len zu ent­schei­den. Bei die­sen Per­so­nal­füh­rungs­kon­zep­ten wer­den den Geschäfts­füh­rern und/​oder ver­dien­ten Mit­ar­bei­tern einer GmbH Min­der­heits­be­tei­li­gun­gen an der Gesell­schaft über­tra­gen, und zwar ent­we­der unent­gelt­lich oder gegen einen güns­ti­gen, meist an dem Nenn­wert des Anteils ori­en­tier­ten Preis. Zugleich wird ver­ein­bart, dass der Anteil zurück über­tra­gen wer­den muss, wenn der Geschäfts­füh­rer bzw. Mit­ar­bei­ter aus dem Unter­neh­men aus­schei­det. Das hat eben­falls unent­gelt­lich bzw. zu dem für den Erwerb gezahl­ten Preis zu gesche­hen, ohne Rück­sicht auf etwai­ge Wert­stei­ge­run­gen. Auf die­sem Wege erhal­ten die Mana­ger bzw. Mit­ar­bei­ter den Sta­tus von "Mit­ge­sell­schaf­tern", die Mana­ger kön­nen sich sogar "geschäfts­füh­ren­der Gesell­schaf­ter" nen­nen. Über die jähr­li­chen Gewinn­aus­schüt­tun­gen wer­den sie an dem von ihnen mit­er­ziel­ten wirt­schaft­li­chen Erfolg ihres Unter­neh­mens betei­ligt. Sinn die­ses Modells ist es, die Moti­va­ti­on des Geschäfts­füh­rers und der Mit­ar­bei­ter zu stär­ken, sie an das Unter­neh­men zu bin­den und – bei den Mit­ar­bei­ter­mo­del­len – für ande­re Mit­ar­bei­ter einen Anreiz zu schaf­fen, durch loya­les Ver­hal­ten eben­falls in den Genuss einer sol­chen Gesell­schaf­ter­stel­lung zu kom­men.

In dem einen zur Ent­schei­dung anste­hen­den Fall geht es um ein bekann­tes Elek­tro- und Unter­hal­tungs­elek­tro­nik-Han­dels­un­ter­neh­men, das sei­ne meh­re­ren hun­dert Filia­len in der Rechts­form der GmbH orga­ni­siert hat und dar­an den jewei­li­gen "Vor-Ort-Geschäfts­füh­rer" als Gesell­schaf­ter mit einem Anteil von 10 % betei­ligt. Nach­dem einer die­ser Geschäfts­füh­rer abbe­ru­fen und ent­las­sen wor­den war, ent­stand Streit über die Fra­ge, ob sein Gesell­schafts­an­teil ent­spre­chend der Ver­ein­ba­rung an die Hol­ding-Gesell­schaft zurück über­tra­gen wer­den muss­te. In dem ande­ren Fall hat­te der Grün­dungs- und Mehr­heits­ge­sell­schaf­ter eines mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­mens ver­dien­te Mit­ar­bei­ter durch eine Gesell­schafts­be­tei­li­gung aus­ge­zeich­net. Eine Mit­ar­bei­te­rin war aus dem Betrieb aus­ge­schie­den. Auch hier kam es wegen der vor­ge­se­he­nen Rück­über­tra­gung zu einem Pro­zess. In bei­den Fäl­len berie­fen sich der ehe­ma­li­ge Geschäfts­füh­rer bzw. die aus­ge­schie­de­ne Mit­ar­bei­te­rin auf eine ursprüng­lich für das Per­so­nen­ge­sell­schafts­recht ent­wi­ckel­te, spä­ter auch in das GmbH-Recht über­tra­ge­ne Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, wonach eine sog. „Hin­aus­kün­di­gungs­klau­sel“ unwirk­sam ist. Das betraf Fäl­le, in denen ver­ein­bart wor­den war, dass ein Gesell­schaf­ter oder eine Grup­pe von Gesell­schaf­tern das Recht haben soll­ten, die ande­ren Gesell­schaf­ter ohne Anga­be von Grün­den aus­zu­schlie­ßen. Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sol­che Ver­ein­ba­run­gen als gegen § 138 BGB ver­sto­ßend mit der Begrün­dung ver­wor­fen, jedes Mit­glied einer Per­so­nen­ge­sell­schaft oder einer GmbH müs­se sei­ne Rech­te und Pflich­ten unab­hän­gig von dem Wohl­wol­len der Mehr­heit in Selbst­ver­ant­wor­tung aus­üben kön­nen und dür­fe nicht unter dem „Damo­kles­schwert“ des jeder­zei­ti­gen Aus­schlus­ses ste­hen. Das gilt ent­ge­gen einer im Schrift­tum ver­tre­te­nen Ansicht, die die Figur des „Gesell­schaf­ters min­de­ren Rechts“ aner­kennt, grund­sätz­lich auch dann, wenn der betref­fen­de Gesell­schaf­ter sei­ne Betei­li­gung geschenkt oder zu einem beson­ders güns­ti­gen Preis erhal­ten hat.

In den jetzt zu ent­schei­den­den Fäl­len hat der Senat die­se Recht­spre­chung – wie schon in zwei in den letz­ten zwölf Mona­ten ergan­ge­nen Urtei­len – bestä­tigt, davon aber wie bis­her eine Aus­nah­me gemacht, wenn sach­li­che Grün­de für eine der­ar­ti­ge Hin­aus­kün­di­gungs­mög­lich­keit bestehen. Bei den Mana­ger- und Mit­ar­bei­ter­mo­del­len hat er einen sol­chen sach­li­chen Grund ange­nom­men. Dabei ist er davon aus­ge­gan­gen, dass die Geschäfts­füh­rer und Mit­ar­bei­ter ihre Gesell­schaf­ter­stel­lun­gen nur treu­hän­der­ähn­lich hal­ten und dass sie kein berech­tig­tes Inter­es­se haben, auch nach ihrem Aus­schei­den noch an der Gesell­schaft betei­ligt zu sein. Umge­kehrt ist die Ein­räu­mung von sol­chen Betei­li­gun­gen über­haupt nur mög­lich, wenn die Antei­le am Ende der Unter­neh­mens­zu­ge­hö­rig­keit zurück­ge­ge­ben wer­den müs­sen und wenn der Aus­schei­den­de in die­sem Zusam­men­hang nicht einen Kauf­preis erhält, der die wei­te­re Durch­füh­rung des Modells ver­hin­dert. Die weit­ge­hend risi­ko­lo­se Mit­glied­schaft bei Erwar­tung erheb­li­cher Betei­li­gung am Erfolg des Unter­neh­mens durch Gewinn­aus­schüt­tun­gen recht­fer­tigt die­se für alle Tei­le vor­teil­haf­te und von der Dis­po­si­ti­ons­frei­heit des Geset­zes getra­ge­ne Gestal­tung.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 19. Sep­tem­ber 2005 – II ZR 342/​03 und II ZR 173/​04