Geträn­ke­wer­bung – und das Pfand

Es besteht kei­ne Ver­pflich­tung, bei der Bewer­bung von Geträn­ken einen Gesamt­preis ein­schließ­lich des Pfan­des anzu­ge­ben.

Geträn­ke­wer­bung – und das Pfand

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len zwei Kla­gen eines Wett­be­werbs­ver­ban­des abge­wie­sen, der zwei gro­ße Han­dels­ket­ten dazu ver­pflich­ten woll­te, Geträn­ke mit einem Gesamt­preis aus­zu­zeich­nen. Bei der Wer­bung mit pfand­pflich­ti­gen Geträn­ken soll­te danach der Gesamt­preis inklu­si­ve Pfand ange­ge­ben wer­den. Der Klä­ger war der Auf­fas­sung, die Beklag­ten sei­en ver­pflich­tet, bei der Bewer­bung von Geträn­ken einen Gesamt­preis ein­schließ­lich des Pfan­des anzu­ge­ben. Soweit nach § 1 Abs. 4 der Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung (PAngV) gera­de kein Gesamt­be­trag zu bil­den sei, dür­fe die Vor­schrift man­gels Grund­la­ge im Recht der Euro­päi­schen Uni­on nicht mehr ange­wen­det wer­den. Dies erge­be sich aus Art. 7 Abs. 4 lit c) und Art. 3 Abs. 5 der euro­päi­schen Richt­li­nie über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken. Vom Land­ge­richt Köln sind die Kla­gen in zwei par­al­lel geführ­ten Ver­fah­ren abge­wie­sen wor­den. Der Wett­be­werbs­ver­band hat dage­gen Beru­fung ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln aus­ge­führt, dass nach deut­schem Recht – § 1 Abs. 4 PAngV – die Ein­be­zie­hung des Pfan­des in den Gesamt­preis unzu­läs­sig sei. Es kön­ne kei­nen lau­ter­keits­recht­li­chen Unter­las­sungs­an­spruch aus­lö­sen, dass die Beklag­ten das deut­sche Recht ein­ge­hal­ten hät­ten. Zwar habe die deut­sche Vor­schrift kei­ne Grund­la­ge im Recht der Euro­päi­schen Uni­on. Sie sei jedoch gel­ten­des deut­sches Recht und daher vom Gericht gera­de auch im Hin­blick auf das in Art. 20 Abs. 3 des Grund­ge­set­zes nie­der­ge­leg­te Rechts­staats­prin­zip anzu­wen­den. Der deut­sche Gesetz­ge­ber habe trotz der gel­tend gemach­ten Beden­ken bis heu­te kei­ne Ver­an­las­sung gese­hen, die Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung zu ändern. Das Gericht sei an das gel­ten­de Recht gebun­den und nicht befugt, eine bestehen­de Vor­schrift zu igno­rie­ren. Es kön­ne sich ins­be­son­de­re nicht aus der Rol­le des Norman­wen­ders in die einer norm­set­zen­den Instanz bewe­gen. EU-Richt­li­ni­en hät­ten kei­ne unmit­tel­ba­re Gel­tung in den EU-Mit­glieds­staa­ten und eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung von § 1 Abs. 4 PAngV sei nicht mög­lich.

Nach Mei­nung des Ober­lan­des­ge­richts Köln ste­he aber auch die Vor­schrift des § 1 Abs. IV der PAngV außer­halb des voll­har­mo­ni­sier­ten Rege­lungs­be­reichs der euro­päi­schen Richt­li­nie über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken und muss­te vom deut­schen Gesetz­ge­ber nicht gestri­chen wer­den. Die Vor­schrift ver­folgt den umwelt­po­li­ti­schen Zweck, Benach­tei­li­gun­gen von Mehr­weg­ge­bin­den gegen­über Ein­weg­ge­bin­den bei der Preis­an­ga­be zu ver­mei­den, weil andern­falls Mehr­weg­fla­schen teu­rer erschie­nen. Außer­dem wahrt die Preis­aus­zeich­nung gemäß § 1 Abs. 4 PAngV die Inter­es­sen der Ver­brau­cher und beein­träch­tigt gera­de nicht spür­bar. Die sepa­ra­te Aus­zeich­nung von Waren­preis und zu zah­len­dem Pfand sei nicht nur markt­üb­lich, son­dern auch in hohem Maße trans­pa­rent. Sie tra­ge erheb­lich dazu bei, Rechen­feh­ler bei der Ermitt­lung des rele­van­ten Waren­prei­ses ohne Pfand zu ver­mei­den.

Der Auf­fas­sung eini­ger Land­ge­rich­te, wonach § 1 Abs. 4 PAngV nicht mehr ange­wen­det wer­den dür­fe, sei nicht zu fol­gen. Es gebe kei­ne tra­gen­de Begrün­dung für die For­de­rung, gel­ten­des Recht zu igno­rie­ren.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Urtei­le vom 6. März 2020 – 6 U 89/​19 und 6 U 90/​19