Gold­rap­per – Hin­ter­grund-Loo­ps und das Urhe­ber­recht

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ein Urteil des Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg auf­ge­ho­ben, mit dem das Ver­bot der Ver­brei­tung von Auf­nah­men des Rap­pers „B.“ wegen der Ver­wen­dung von Musik­stü­cken einer fran­zö­si­schen Musik­grup­pe bestä­tigt wor­den war.

Gold­rap­per – Hin­ter­grund-Loo­ps und das Urhe­ber­recht

Die Klä­ger sind nach ihrer Dar­stel­lung Mit­glie­der der fran­zö­si­schen Gothic-Band „Dark S.“, die in den Jah­ren 1999 bis 2004 meh­re­re Musik­al­ben ver­öf­fent­licht hat. Der Beklag­te tritt als Rap­per unter dem Künst­ler­na­men „B.“ auf. Die Klä­ger behaup­ten, der Beklag­te habe bei 13 der von ihm ver­öf­fent­li­chen Rap­stü­cke Musik­ab­schnit­te von durch­schnitt­lich zehn Sekun­den ver­wen­det, die aus den Ori­gi­nal­auf­nah­men der Grup­pe „Dark S.“ ohne Ver­wen­dung des jewei­li­gen Tex­tes elek­tro­nisch kopiert („gesam­pelt“) wor­den sei­en. Die­se Abschnit­te habe der Beklag­te jeweils als sich stän­dig wie­der­ho­len­de Ton­schlei­fe („Loop“) ver­wen­det, mit einem Schlag­zeug-Beat ver­bun­den und dar­über sei­nen Sprech­ge­sang (Rap) auf­ge­nom­men. Die Klä­ger sehen dar­in eine Ver­let­zung ihrer Urhe­ber­rech­te. Einer der Klä­ger macht inso­weit Rech­te als Kom­po­nist, die übri­gen Klä­ger jeweils Rech­te als Text­dich­ter gel­tend. Sie haben den Beklag­ten unter ande­rem auf Unter­las­sung und Zah­lung einer Ent­schä­di­gung für einen erlit­te­nen imma­te­ri­el­len Scha­den in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Ham­burg hat der Kla­ge weit­ge­hend statt­ge­ge­ben [1]. Das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg hat die Beru­fung des Beklag­ten über­wie­gend zurück­ge­wie­sen [2]. Dabei hat das Ober­lan­des­ge­richt auf­grund des eige­nen Hör­ein­drucks und unter teil­wei­ser Her­an­zie­hung des Inhalts von Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten der Streit­par­tei­en die urhe­ber­recht­li­che Schutz­fä­hig­keit der streit­ge­gen­ständ­li­chen Musik­pas­sa­gen bejaht und ange­nom­men, dass durch eine Ver­wen­dung die­ser Aus­schnit­te in Musik­ti­teln des Beklag­ten in die Urhe­ber­rech­te der Klä­ger ein­ge­grif­fen wor­den sei. Auf die vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg zuge­las­se­nen Revi­si­on hat nun der Bun­des­ge­richts­hof das Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben:

Die von den Mit­glie­dern der Grup­pe „Dark S.“ erho­be­ne Kla­ge, die sich allein auf ihre Urhe­ber­rech­te als Text­dich­ter gestützt haben, hat er abge­wie­sen. Da der Beklag­te nur Tei­le der Musik, nicht aber auch den Text von Stü­cken der Grup­pe über­nom­men hat, liegt inso­weit kein urhe­ber­recht­lich rele­van­ter Ein­griff vor. Die ursprüng­li­che Ver­bin­dung zwi­schen Text und Musik ist urhe­ber­recht­lich nicht geschützt.

Im Hin­blick auf die Kla­ge des Kom­po­nis­ten der Grup­pe hat der Bun­des­ge­richts­hof die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Die vom OLG Ham­burg bis­lang getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen tra­gen nicht sei­ne Annah­me, dass die nach dem Vor­trag des Kom­po­nis­ten vom Beklag­ten über­nom­me­nen Tei­le der von ihm kom­po­nier­ten Musik­stü­cke urhe­ber­recht­lich geschützt sind. Es ist nicht ersicht­lich, durch wel­che objek­ti­ven Merk­ma­le die für einen urhe­ber­recht­li­chen Schutz erfor­der­li­che schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit der über­nom­me­nen Sequen­zen aus den vom Klä­ger kom­po­nier­ten Musik­stü­cken bestimmt wird. Das Ober­lan­des­ge­richt hät­te nicht ohne Hil­fe eines vom Gericht beauf­trag­ten Sach­ver­stän­di­gen anneh­men dür­fen, dass die kur­zen Musik­se­quen­zen über ein rou­ti­ne­mä­ßi­ges Schaf­fen hin­aus­ge­hen und die Vor­aus­set­zun­gen urhe­ber­recht­li­chen Schut­zes erfül­len.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. April 2015 – I ZR 225/​12

  1. LG Ham­burg, Urteil vom 23.3.2010 – 308 O 175/​08[]
  2. OLG Ham­burg, Urteil vom 31.10.2012 – 5 U 37/​10[]