Goog­le-Bil­der­su­che

Nach einem heu­te ver­kün­de­ten Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs kann Goog­le nicht wegen Urhe­ber­rechts­ver­let­zung in Anspruch genom­men wer­den, wenn urhe­ber­recht­lich geschütz­te Wer­ke in Vor­schau­bil­dern ihrer Such­ma­schi­ne wie­der­ge­ge­ben wer­den.

Goog­le-Bil­der­su­che

Die von Goog­le betrie­be­ne Inter­net­such­ma­schi­ne ver­fügt über eine text­ge­steu­er­te Bild­such­funk­ti­on, mit der man durch Ein­ga­be von Such­be­grif­fen nach Abbil­dun­gen suchen kann, die Drit­te im Zusam­men­hang mit dem ein­ge­ge­be­nen Such­wort ins Inter­net gestellt haben. Die von der Such­ma­schi­ne auf­ge­fun­de­nen Bil­der wer­den in der Tref­fer­lis­te als ver­klei­ner­te und in ihrer Pixel­an­zahl gegen­über den auf den Ori­gi­nal­sei­ten vor­ge­hal­te­nen Abbil­dun­gen redu­zier­te Vor­schau­bil­der (Thumb­nails) gezeigt. Die­se Vor­schau­bil­der ent­hal­ten einen elek­tro­ni­schen Ver­weis (Link), über den man zu der Inter­net­sei­te gelan­gen kann, die die ent­spre­chen­de Abbil­dung ent­hält. Zur Ver­kür­zung des Such­vor­gangs durch­sucht Goog­le das Inter­net in regel­mä­ßi­gen Inter­val­len nach Abbil­dun­gen und hält die­se als Vor­schau­bil­der auf ihren Ser­vern vor, so dass kur­ze Zeit nach Ein­ga­be eines Such­worts die Tref­fer­lis­te mit den ent­spre­chen­den Vor­schau­bil­dern ange­zeigt wer­den kann.

Die Klä­ge­rin ist bil­den­de Künst­le­rin aus Wei­mar und unter­hält eine eige­ne Inter­net­sei­te, auf der Abbil­dun­gen ihrer Kunst­wer­ke ein­ge­stellt sind. Im Febru­ar 2005 wur­den bei Ein­ga­be ihres Namens als Such­wort in die Such­ma­schi­ne der Beklag­ten Abbil­dun­gen ihrer Kunst­wer­ke als Vor­schau­bil­der ange­zeigt.

Das von der Künst­le­rin ange­ru­fe­ne Land­ge­richt Erfurt hat ihre Kla­ge abge­wie­sen [1], das das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt in Jena ihre hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung zurück­ge­wie­sen [2]. Nach Ansicht des Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richts hat die Beklag­te zwar das Urhe­ber­recht der Klä­ge­rin wider­recht­lich ver­letzt. Die Gel­tend­ma­chung des Unter­las­sungs­an­spruchs sei jedoch rechts­miss­bräuch­lich (§ 242 BGB).

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun auch die Revi­si­on der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen, und das mit einer für Goog­le güns­ti­ge­ren Begrün­dung als noch das Thü­rin­ger Ober­lan­des­ge­richt:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ange­nom­men, dass die Beklag­te schon kei­ne rechts­wid­ri­ge Urhe­ber­rechts­ver­let­zung began­gen hat. In Über­ein­stim­mung mit den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts ist der Bun­des­ge­richts­hof davon aus­ge­gan­gen, dass die Klä­ge­rin zwar nicht durch eine aus­drück­li­che oder still­schwei­gen­de rechts­ge­schäft­li­che Erklä­rung Goog­le ein Recht zur Nut­zung ihrer Wer­ke als Vor­schau­bil­der im Rah­men der Bil­der­su­che ein­ge­räumt hat. Der in der Wie­der­ga­be in Vor­schau­bil­dern lie­gen­de Ein­griff in das Recht der Klä­ge­rin, ihre Wer­ke öffent­lich zugäng­lich zu machen (§ 19a UrhG), ist jedoch gleich­wohl nicht rechts­wid­rig, weil die Beklag­te dem Ver­hal­ten der Klä­ge­rin (auch ohne rechts­ge­schäft­li­che Erklä­rung) ent­neh­men durf­te, die­se sei mit der Anzei­ge ihrer Wer­ke im Rah­men der Bil­der­su­che der Such­ma­schi­ne ein­ver­stan­den. Denn die Klä­ge­rin hat den Inhalt ihrer Inter­net­sei­te für den Zugriff durch Such­ma­schi­nen zugäng­lich gemacht, ohne von tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten Gebrauch zu machen, um die Abbil­dun­gen ihrer Wer­ke von der Suche und der Anzei­ge durch Bil­der­such­ma­schi­nen in Form von Vor­schau­bil­dern aus­zu­neh­men.

Für Fäl­le, in denen – anders als im jetzt ent­schie­de­nen Fall – die von der Such­ma­schi­ne auf­ge­fun­de­nen und als Vor­schau­bil­der ange­zeig­ten Abbil­dun­gen von dazu nicht berech­tig­ten Per­so­nen in das Inter­net ein­ge­stellt wor­den sind, hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Such­ma­schi­nen­be­trei­ber nach der jüngs­ten Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen für ihre Dienst­leis­tun­gen die Haf­tungs­be­schrän­kun­gen für Anbie­ter von Diens­ten der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft nach der Richt­li­nie 2000/​31/​EG über den elek­tro­ni­schen Geschäfts­ver­kehr in Anspruch neh­men kön­nen [3]. Danach käme eine Haf­tung des Such­ma­schi­nen­be­trei­bers erst dann in Betracht, wenn er von der Rechts­wid­rig­keit der von ihm gespei­cher­ten Infor­ma­ti­on Kennt­nis erlangt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. April 2010 – I ZR 69/​08 – Vor­schau­bil­der

  1. LG Erfurt, Urteil vom 15.03.2007 – 3 O 1108/​05[]
  2. Thür. OLG, Urteil vom 27.02.2008 – 2 U 319/​07, GRUR-RR 2008, 223[]
  3. EuGH, Urteil vom 23.03.2010 – C‑236/​08 bis C‑238/​08 Tz. 106 ff. – Goog­le France/​Louis Vuit­ton[]