Gren­zen der erlaub­ten Tätig­kei­ten einer IHK

Einer Indus­trie- und Han­dels­kam­mer obliegt die Wahr­neh­mung der Inter­es­sen ihrer Mit­glie­der, ihr kommt aber kein all­ge­mein­po­li­ti­sches Man­dat zu, wobei die Gren­zen teil­wei­se schwer zu zie­hen sind. So hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof heu­te in einem Recht­streit gegen die IHK Kas­sel die Aus­sa­gen in dem Grund­satz­pa­pier “ Gewer­be- und Indus­trie­stand­ort Hes­sen“ der „Arbeits­ge­mein­schaft hes­si­scher Indus­trie und Han­dels­kam­mern“ vom Juni 2004 teil­wei­se als nicht mit dem Gesetz ver­ein­bar bean­stan­det.

Gren­zen der erlaub­ten Tätig­kei­ten einer IHK

Geklagt hat der Betrei­ber eines Rei­se­bü­ros in Kas­sel mit der Begrün­dung, die Aus­sa­gen des Grund­satz­pa­piers, ins­be­son­de­re zu den The­men Bil­dungs- und Umwelt­po­li­tik hät­ten kei­nen Bezug zu den Auf­ga­ben einer Indus­trie- und Han­dels­kam­mer, viel­mehr wer­de damit ein all­ge­mein­po­li­ti­sches Man­dat in Anspruch genom­men, was nicht zuläs­sig sei. In ers­ter Instanz wur­de sei­ne Kla­ge vom Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel abge­wie­sen.

Auf die Beru­fung des Klä­gers hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof das erst­in­stanz­li­che Urteil abge­än­dert und der Kla­ge teil­wei­se statt­ge­ge­ben. Zur Begrün­dung hat das Gericht aus­ge­führt, das Gesetz gestat­te den Indus­trie- und Han­dels­kam­mern die For­mu­lie­rung von Zie­len gegen­über der Poli­tik, die der För­de­rung der gewerb­li­chen Wirt­schaft dien­ten, nicht gestat­tet sei es jedoch, auch bestimm­te Wege ein­zu­for­dern, wie die­se Zie­le erreicht wer­den soll­ten. Nach die­sem Maß­stab hat das Gericht im zu ent­schei­den­den Fall die Aus­sa­gen aus dem Grund­satz­pa­pier „Gewer­be- und Indus­trie­stand­ort Hes­sen“ aus dem Jahr 2004 zu den Hand­lungs­fel­dern Bildungs‑, For­schungs- und Hoch­schul­po­li­tik sowie Umwelt­po­li­tik und Ener­gie­po­li­tik für nicht mehr mit dem Gesetz ver­ein­bar gehal­ten.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig, die Revi­si­on gegen das Urteil, über die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig zu ent­schei­den hät­te, wur­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­sa­che zuge­las­sen.

Hes­si­sches Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Febru­ar 2009 – 8 A 1559/​07