Grund­preis­an­ga­be im Super­markt

Eine Grund­preis­an­ga­be für in Super­märk­ten ange­bo­te­ne Waren kann auch dann noch als deut­lich les­bar im Sin­ne von § 1 Abs. 6 Satz 2 PAngV anzu­se­hen sein, wenn die dabei ver­wen­de­te Schrift­grö­ße nur 2 Mil­li­me­ter beträgt.

Grund­preis­an­ga­be im Super­markt

Die Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung dient dem Zweck, durch eine sach­lich zutref­fen­de und voll­stän­di­ge Ver­brau­cher­infor­ma­ti­on Preis­wahr­heit und klar­heit zu gewähr­leis­ten, durch opti­ma­le Preis­ver­gleichs­mög­lich­kei­ten die Stel­lung der Ver­brau­cher gegen­über Han­del und Gewer­be zu stär­ken und den Wett­be­werb zu för­dern 1. Nach § 1 Abs. 6 Satz 2 PAngV müs­sen die in der Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Anga­ben ein­deu­tig zuge­ord­net, leicht erkenn­bar und deut­lich les­bar oder sonst gut wahr­nehm­bar sein. Die­se Anfor­de­run­gen kön­nen auf unter­schied­li­che Wei­se erfüllt wer­den 2. Eine Preis­an­ga­be ent­spricht dann dem in § 1 Abs. 6 Satz 2 PAngV auf­ge­stell­ten Gebot der deut­li­chen Les­bar­keit, das das Erfor­der­nis der guten Les­bar­keit in Art. 4 Abs. 1 Satz 1 der Preis­an­ga­ben­richt­li­nie umsetzt, wenn sie von einem Ver­brau­cher mit nor­ma­ler Seh­kraft aus ange­mes­se­ner Ent­fer­nung ohne Hilfs­mit­tel und ohne Mühe gele­sen wer­den kann 3. Die Fra­ge, ob eine Anga­be die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, ist unter Berück­sich­ti­gung des jewei­li­gen Ein­zel­falls zu beur­tei­len, wobei neben der Schrift­grö­ße auch das Druck­bild, das heißt unter ande­rem die Wortund Zah­len­an­ord­nung, die Glie­de­rung, das Papier, die Far­be sowie der Hin­ter­grund von Bedeu­tung sind; außer­dem ist der Abstand zu berück­sich­ti­gen, aus dem der Ver­brau­cher die Anga­be liest 4. Die (abs­trak­te) Fest­le­gung exak­ter Min­dest­schrift­grö­ßen gemäß der DIN 1450 "Schrif­ten Leser­lich­keit", die der aus Ver­tre­tern des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie und der Wirt­schafts- bzw. Verbraucherminister/​Bundesgerichtshoforen der Län­der bestehen­de Bund/​LänderAusschuss "Preis­an­ga­ben" vor­ge­schla­gen hat 5, lässt sich den gel­ten­den Bestim­mun­gen der Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung nicht ent­neh­men. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie, das die Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung zuletzt mit der Sechs­ten Ver­ord­nung zur Ände­rung der Preis­an­ga­ben­ver­ord­nung vom 1. August 2012 geän­dert hat 6, hat die­sen Vor­schlag auch nicht auf­ge­nom­men.

Das Ober­lan­des­ge­richt Nürn­berg ist der vor­lie­gen­den Sache in sei­nem Beru­fungs­ur­teil 7 nach von dem vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Maß­stab aus­ge­gan­gen und hat in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se ange­nom­men, dass ein Ver­brau­cher, der beim Ein­kauf Prei­se ver­glei­chen will, die bean­stan­de­ten Grund­preis­an­ga­ben der Beklag­ten aus einer Ent­fer­nung von 50 cm ohne wei­te­res lesen kann. Hier­zu trägt der Umstand bei, dass die Grund­prei­se kon­trast­reich und in einem umran­de­ten Käst­chen über­sicht­lich zusam­men­ge­fasst dar­ge­stellt sind. Damit ist ins­ge­samt gewähr­leis­tet, dass der Ver­brau­cher, der vor den Rega­len steht, die Grund­prei­se jeden­falls bei Waren ohne Mühe zur Kennt­nis neh­men kann, die in den Super­märk­ten der Beklag­ten in den mitt­le­ren und obe­ren Fächern der Ver­kaufs­re­ga­le ange­bo­ten wer­den. Ent­spre­chen­des gilt für die Grund­prei­se der in den Super­märk­ten der Beklag­ten in Ver­kaufs­gon­deln ange­bo­te­nen Waren.

Der gegen­tei­li­gen Ansicht ver­hilft es nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch nicht zum Erfolg, dass die Preis­schil­der in den Super­märk­ten der Beklag­ten für die in den unte­ren Fächern der Ver­kaufs­re­ga­le ange­bo­te­nen Waren und womög­lich auch bei Ver­kaufs­gon­deln gege­be­nen­falls nur weni­ge Zen­ti­me­ter über dem Fuß­bo­den ange­bracht sind, so dass ein Ver­brau­cher, der die auf die­sen Preis­schil­dern ange­ge­be­nen Grund­prei­se lesen will, sich bücken muss. Das OLG Nürn­berg hat in sei­nem Beru­fungs­ur­teil auch inso­weit in revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den­der Wei­se ange­nom­men, dass der Ver­brau­cher, der das Ange­bot der von der Beklag­ten dort plat­zier­ten Waren prü­fen will, sich ihnen ohne­dies so weit nähern wird, dass er die Grund­preis­an­ga­ben noch gut lesen kann.

Zu Recht ist das Beru­fungs­ge­richt auch davon aus­ge­gan­gen, dass die BGH-Recht­spre­chung zur Gestal­tung der Pflicht­an­ga­ben nach § 4 Abs. 4 HWG 8 wegen des regel­mä­ßig grö­ße­ren Umfangs und schwe­rer zu erfas­sen­den Inhalts auf die Grund­preis­an­ga­ben nicht über­trag­bar ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. März 2013 – I ZR 30/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 04.10.2007 – I ZR 143/​04, GRUR 2008, 84 Rn. 25 = WRP 2008, 98 Ver­sand­kos­ten; Köh­ler in Köhler/​Bornkamm, UWG, 31. Aufl., Vor­bem. PAngV Rn. 2 mwN und Hin­weis auf Art. 1 sowie die Erwä­gungs­grün­de 1 und 6 der Preis­an­ga­ben­richt­li­nie[]
  2. vgl. BGH, GRUR 2008, 84 Rn. 30 Ver­sand­kos­ten; BGH, Urteil vom 10.12.2009 – I ZR 149/​07, GRUR 2010, 744 Rn. 35 = WRP 2010, 1023 Son­der­news­let­ter, jeweils zum Erfor­der­nis der ein­deu­ti­gen Zuord­nung; vgl. wei­ter Köh­ler in Köhler/​Bornkamm aaO § 1 PAngV Rn. 44[]
  3. Sos­nitza in Piper/​Ohly/​Sosnitza, UWG, 5. Aufl., § 1 PAngV Rn. 55; Völ­ker in Harte/​Henning, UWG, 2. Aufl., § 1 PAngV Rn. 60; Fezer/​Wenglorz, UWG, 2. Aufl., § 4S14 Rn. 157[]
  4. vgl. Völ­ker in Harte/​Henning aaO § 1 PAngV Rn. 60; Fezer/​Wenglorz aaO § 4S14 Rn. 157[]
  5. vgl. Jaco­bi, WRP 2010, 1217, 1221[]
  6. BGBl. I, S. 1706[]
  7. OLG Nürn­berg, Urteil vom 31.01.2012 – 3 U 1723/​11[]
  8. BGH, Urteil vom 10.12.1986 – I ZR 213/​84, GRUR 1987, 301, 302 = WRP 1987, 378 6‑Punkt-Schrift[]