GSM-Gate­ways

Ein Mobil­funk­be­trei­ber – im jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall E‑Plus – ist nicht ver­pflich­tet, die Nut­zung sei­ner SIM-Kar­ten in sog. GSM-Gate­ways zu gestat­ten.

GSM-Gate­ways

Bei GSM-Gate­ways han­delt es sich um Gerä­te, mit denen Tele­fon­an­ru­fe aus dem Fest­netz ent­ge­gen­ge­nom­men und – unter Ver­wen­dung einer ent­spre­chen­den SIM-Kar­te – in das Mobil­funk­netz des ange­ru­fe­nen Teil­neh­mers wei­ter­ge­lei­tet wer­den kön­nen. Einer Ein­spei­sung des Fest­netz­an­rufs in das Mobil­funk­netz an einem fes­ten Über­ga­be­punkt (Inter­con­nec­tion-Punkt) bedarf es dabei nicht.

Die Beklag­te hat­te SIM-Kar­ten von E‑Plus zu End­nut­zer­be­din­gun­gen erwor­ben und in GSM-Gate­ways ein­ge­setzt, ohne auf die­se Ver­wen­dungs­ab­sicht hin­zu­wei­sen. E‑Plus, der dadurch Ent­gel­te ent­gin­gen, nahm die Beklag­te des­halb unter ande­rem auf Unter­las­sung und Scha­dens­er­satz in Anspruch. Die Beklag­te woll­te mit ihrer Wider­kla­ge errei­chen, dass E‑Plus den Ein­satz von SIM-Kar­ten in GSM-Gate­ways erlaubt.

In der Vor­in­stanz hat­te das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Beklag­ten teil­wei­se Recht gege­ben 1: E‑Plus miss­brau­che unter Ver­stoß gegen Art. 82 EG (jetzt: Art 102 EG) ihre markt­be­herr­schen­de Stel­lung auf dem maß­geb­li­chen Markt der Zustel­lung von Anru­fen in ihrem Mobil­funk­netz, wenn sie den Ein­satz von GSM-Gate­ways gene­rell unter­sa­ge. E‑Plus sei jedoch nicht ver­pflich­tet, die Kar­ten zu End­kun­den-Kon­di­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Sie dür­fe viel­mehr ein ange­mes­se­nes Ent­gelt ver­lan­gen und dem Ein­satz von GSM-Gate­ways ange­pass­te beson­de­re Nut­zungs­be­din­gun­gen ver­ein­ba­ren.

Dem folg­te der Bun­des­ge­richts­hof jedoch nicht: Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs han­delt E‑Plus durch die Wei­ge­rung, SIM-Kar­ten zum Zweck des Ein­sat­zes in GSM-Wand­lern zur Ver­fü­gung zu stel­len, nicht miss­bräuch­lich im Sin­ne von Art. 82 EG.

Maß­geb­lich für die­se Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs war, dass der Zugang zu dem Mobil­funk­netz von E‑Plus durch Ver­fü­gung der Bun­des­netz­agen­tur nach § 21 TKG dahin­ge­hend regu­liert wor­den ist, dass E‑Plus die Zusam­men­schal­tung ihres Mobil­funk­net­zes mit ande­ren Tele­fon­net­zen an einem fes­ten Über­ga­be­punkt zu einem von der Bun­des­netz­agen­tur fest­ge­setz­ten Ver­bin­dungs­ent­gelt gewäh­ren muss. Ein Unter­neh­men, das für bestimm­te Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­tun­gen eine markt­be­herr­schen­de Stel­lung hat, han­delt daher grund­sätz­lich nicht miss­bräuch­lich, wenn es Zugang zu dem von ihm beherrsch­ten Markt nur unter den von der Regu­lie­rungs­be­hör­de nach § 21 TKG fest­ge­setz­ten Bedin­gun­gen gewährt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juni 2010 – KZR 31/​08

  1. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 13.03.2008 – VI U (Kart) 29/​06/​10[]