Haf­tung des Admin‑C

Der Bun­des­ge­richts­hofs hat­te aktu­ell zu ent­schei­den, ob der admi­nis­tra­ti­ve Ansprech­part­ner, der bei Regis­trie­rung eines Domain­na­mens immer dann benannt wer­den muss, wenn der Anmel­der nicht im Inland wohnt, in Fäl­len in Anspruch genom­men wer­den kann, in denen der regis­trier­te Domain­na­me Rech­te Drit­ter ver­letzt.

Haf­tung des Admin‑C

Im ent­schie­de­nen Fall betreibt die Klä­ge­rin unter der Bezeich­nung „Bas­ler Haar-Kos­me­tik“ unter ande­rem im Inter­net einen Ver­sand­han­del für Haar­kos­me­tik­pro­duk­te und Fri­seur­be­darf. Sie fühlt sich durch eine unter dem Domain­na­men www.baslerhaarkosmetik.de regis­trier­te Inter­net­sei­te in ihrem Namens­recht ver­letzt. Der Domain­na­me ist von einer in Groß­bri­tan­ni­en ansäs­si­gen Gesell­schaft bei der DENIC, der Genos­sen­schaft, die die Domain­na­men mit dem Top-Level-Domain „.de“ ver­gibt, ange­mel­det wor­den. Als admi­nis­tra­ti­ver Ansprech­part­ner („Admin‑C“) für den Domain­na­men war der Beklag­te regis­triert.

Die Klä­ge­rin wand­te sich mit einem Schrei­ben ihres Rechts­an­walts an den Beklag­ten und for­der­te die­sen zur Löschung des Domain­na­mens auf. Der Domain­na­me wur­de dar­auf­hin gelöscht. Im vor­lie­gen­den Rechts­streit ver­langt die Klä­ge­rin von dem Beklag­ten Erstat­tung der ihr durch die Abmah­nung ent­stan­de­nen Rechts­an­walts­kos­ten.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Stutt­gart hat den Beklag­ten antrags­ge­mäß zur Zah­lung ver­ur­teilt [1], auf die Beru­fung des Beklag­ten hat dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart das land­ge­richt­li­che Urteil abge­än­dert und die Kla­ge abge­wie­sen [2].

Der Bun­des­ge­richt­hof sah die Haf­tung des Admin‑C dif­fe­ren­ziert:

Ein Anspruch auf Erstat­tung der Abmahn­kos­ten hängt davon ab, ob der Klä­ge­rin im Zeit­punkt der Abmah­nung ein Anspruch auf Löschung des Domain­na­mens nicht nur gegen den Domain­in­ha­ber, son­dern auch gegen den Beklag­ten als Admin‑C zustand. Das Ober­lan­des­ge­richt hat­te die­se Fra­ge ver­neint. Die­se Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Beru­fungs­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Ein Anspruch gegen­über dem Admin‑C kann sich aus dem Gesichts­punkt der Stö­rer­haf­tung erge­ben. Die dafür erfor­der­li­che Ver­let­zung zumut­ba­rer Prü­fungs­pflich­ten ergibt sich aller­dings noch nicht aus der Stel­lung des Beklag­ten als Admin‑C an sich. Denn des­sen Funk­ti­ons- und Auf­ga­ben­be­reich bestimmt sich allein nach dem zwi­schen der DENIC und dem Domain­in­ha­ber abge­schlos­se­nen Domain­ver­trag, wonach sich der Auf­ga­ben­be­reich des Admin‑C auf die Erleich­te­rung der admi­nis­tra­ti­ven Durch­füh­rung des Domain­ver­tra­ges beschränkt. Unter bestimm­ten Umstän­den kann den Admin‑C aber – so der Bun­des­ge­richts­hof – eine beson­de­re Prü­fungs­pflicht hin­sicht­lich des Domain­na­mens tref­fen, des­sen Regis­trie­rung er durch sei­ne Bereit­schaft, als Admin‑C zu wir­ken, ermög­licht. Im Streit­fall hat­te sich der Beklag­te gegen­über der in Groß­bri­tan­ni­en ansäs­si­gen Inha­be­rin des Domain­na­mens gene­rell bereit erklärt, für alle von ihr regis­trier­ten Domain­na­men als Admin‑C zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Fer­ner hat­te die Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen, dass die bri­ti­sche Gesell­schaft in einem auto­ma­ti­sier­ten Ver­fah­ren frei­wer­den­de Domain­na­men ermit­telt und auto­ma­tisch regis­trie­ren lässt, so dass auf der Ebe­ne des Anmel­ders und Inha­bers des Domain­na­mens kei­ner­lei Prü­fung statt­fin­det, ob die ange­mel­de­ten Domain­na­men Rech­te Drit­ter ver­let­zen könn­ten. Bei die­ser Ver­fah­rens­wei­se besteht im Hin­blick dar­auf, dass auch bei der DENIC eine sol­che Prü­fung nicht statt­fin­det, eine erhöh­te Gefahr, dass für den Domain­in­ha­ber rechts­ver­let­zen­de Domain­na­men regis­triert wer­den. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof eine Pflicht des Admin‑C bejaht, von sich aus zu über­prü­fen, ob die auto­ma­ti­siert regis­trier­ten Domain­na­men Rech­te Drit­ter ver­let­zen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Sache an das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart zurück­ver­wie­sen, das nun noch klä­ren muss, ob die von der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen beson­de­ren Umstän­de vor­lie­gen und der Beklag­te davon Kennt­nis hat­te oder haben muss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Novem­ber 2011 – I ZR 150/​09 „Bas­ler Haar­kos­me­tik“

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 27.01.2009 – 41 O 127/​08[]
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 24.09.2009 – 2 U 16/​09, GRUR-RR 2010, 12 = K&R 2010, 197[]