Buch­aus­zug für den Han­dels­ver­tre­ter

Eine kla­re, geord­ne­te und über­sicht­li­che Form der Dar­stel­lung sämt­li­cher rele­van­ten Geschäfts­vor­fäl­le in einem Buch­aus­zug im Sin­ne von § 87c Abs. 2 HGB kann dadurch erreicht wer­den, dass einer Auf­stel­lung Abdru­cke von Auf­trags- und Rech­nungs­un­ter­la­gen bei­gefügt wer­den, die ohne Schwie­rig­kei­ten zuge­ord­net wer­den kön­nen.

Buch­aus­zug für den Han­dels­ver­tre­ter

Hat der Unter­neh­mer in einem Buch­aus­zug auf einen Akten­ord­ner Bezug genom­men, wird sein Inhalt Teil des Buch­aus­zugs und unter­liegt eben­falls den Anfor­de­run­gen, die hin­sicht­lich Klar­heit, Ord­nung und Über­sicht­lich­keit an einen Buch­aus­zug zu stel­len sind.

Das Beschwer­de­ge­richt ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass eine Ver­ur­tei­lung zur Erstel­lung eines Buch­aus­zugs im Sin­ne von § 87c Abs. 2 HGB grund­sätz­lich nach § 887 ZPO zu voll­stre­cken ist, wenn der Buch­aus­zug – wie hier – auf­grund vor­han­de­ner Unter­la­gen nicht nur vom Schuld­ner, son­dern auch von einem Drit­ten erstellt wer­den kann [1].

Das Beschwer­de­ge­richt hat fer­ner mit Recht ange­nom­men, dass im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren nach § 887 ZPO der Ein­wand des Schuld­ners zu prü­fen ist, er habe den titu­lier­ten Anspruch bereits erfüllt [2].

Das Beschwer­de­ge­richt hat ange­nom­men, die Schuld­ne­rin habe mit der Vor­la­ge der Über­sicht, die auf in meh­re­ren Ord­nern ent­hal­te­ne Unter­la­gen ver­wei­se, den titu­lier­ten Anspruch des Gläu­bi­gers auf Ertei­lung eines Buch­aus-zugs nicht erfüllt. Die­se Aus­füh­run­gen sind aus Rechts­grün­den nicht zu bean­stan­den.

Für die Ent­schei­dung, ob der titu­lier­te Anspruch erfüllt ist, ist der Voll­stre­ckungs­ti­tel maß­geb­lich [3]. Nach dem Teil­ur­teil des Land­ge­richts vom 6. Juli 2007 – soweit es in Rechts­kraft erwach­sen ist – hat die Schuld­ne­rin dem Gläu­bi­ger einen Buch­aus­zug über sämt­li­che Ver­kaufs­ge­schäf­te zu ertei­len, die zwi­schen der Schuld­ne­rin und ihren in der bei­gefüg­ten Lis­te bezeich­ne­ten Kun­den im Zeit­raum vom 1. Juli 2004 bis 31. Mai 2006 zustan­de gekom­men sind, wobei der Buch­aus­zug die oben ange­ge­be­nen Anga­ben ent­hal­ten muss. Die­ser Anspruch ist erfüllt, wenn der erteil­te Buch­aus­zug for­mal den Anfor­de­run­gen des Urteils­aus­spruchs ent­spricht, indem er sämt­li­che in den Büchern ver­zeich­ne­ten Geschäf­te, die unter den Urteils­aus­spruch fal­len, mit den in den Büchern ent­hal­te­nen Anga­ben voll­stän­dig erfasst und klar, geord­net und über­sicht­lich dar­stellt. Der Zweck des Anspruchs aus § 87c Abs. 2 HGB, dem Han­dels­ver­tre­ter eine Nach­prü­fung der vom Unter­neh­mer erteil­ten oder zu ertei­len­den Pro­vi­si­ons­ab­rech­nung zu ermög­li­chen, erfor­dert nicht nur eine voll­stän­di­ge Dar­stel­lung der geschäft­li­chen Vor­gän­ge in dem Buch­aus­zug, son­dern auch ihre Anga­be in kla­rer, geord­ne­ter und über­sicht­li­cher Form. In wel­cher Wei­se dies zu errei­chen ist, hängt von Art und Umfang der im Ein­zel­fall anzu­ge­ben­den Tat­sa­chen ab. Der Unter­neh­mer ist grund­sätz­lich nicht auf eine bestimm­te Form der Dar­stel­lung fest­ge­legt; es steht ihm viel­mehr frei, unter meh­re­ren gleich geeig­ne­ten Dar­stel­lungs­wei­sen eine Aus­wahl zu tref­fen, etwa die kos­ten­güns­ti­ge­re oder weni­ger läs­ti­ge Dar­stel­lungs­form zu wäh­len [4].

Erfor­der­lich ist, dass der Buch­aus­zug aus sich her­aus ver­ständ­lich ist [5]. Das schließt es nicht aus, dass die Anfor­de­run­gen, die an eine kla­re, geord­ne­te und über­sicht­li­che Form der Dar­stel­lung sämt­li­cher rele­van­ten Geschäfts­vor­fäl­le zu stel­len sind, auch dadurch erreicht wer­den kön­nen, dass einer Auf­stel­lung Abdru­cke von Auf­trags- und Rech­nungs­un­ter­la­gen bei­gefügt wer­den, die ohne Schwie­rig­kei­ten zuge­ord­net wer­den kön­nen [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Janu­ar 2011 – I ZB 67/​09

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2007 – I ZB 82/​06, NJW-RR 2007, 1475 Rn. 15; Beschluss vom 13.08.2009 – I ZB 43/​08, NJW-RR 2010, 279 Rn. 21[]
  2. BGH, Beschluss vom 05.11.2004 – IXa ZB 32/​04, BGHZ 161, 67, 68 ff.; Beschluss vom 22.09.2005 – I ZB 4/​05, GuT 2005, 256, 257; Beschluss vom 17.09.2009 – I ZB 67/​09, Jur­Bü­ro 2009, 662 Rn. 7[]
  3. BGH, NJW-RR 2007, 1475 Rn. 17[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 21.03.2001 – VIII ZR 149/​99, NJW 2001, 2333, 2335 f.; Urteil vom 20.09.2006 – VIII ZR 100/​05, NJW-RR 2007, 246 Rn. 17; Urteil vom 29.10.2008 – VIII ZR 205/​05, NJW-RR 2009, 821 Rn. 14[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 23.10.1981 – I ZR 171/​79, MDR 1982, 378 f.[]
  6. vgl. Emde in Großkomm.HGB, 5. Aufl., § 87c Rn. 113; MünchKomm.HGB/von Hoy­nin­gen-Hue­ne, 3. Aufl., § 87c Rn. 40[]