Der Aus­gleichs­an­spruch des schei­den­den Tank­stel­len­päch­ters

Zur Berech­nung des Han­dels­ver­tre­ter­aus­gleichs­an­spruchs eines Tank­stel­len­hal­ters kann der Anteil des Umsat­zes und der Pro­vi­si­ons­ein­nah­men, der auf Geschäf­te mit Stamm­kun­den ent­fällt, für Bar­zah­ler auf der Basis der Geschäf­te mit Kar­ten­zah­lern (EC-Kar­ten, Kre­dit­kar­ten, Tank­kar­ten) hoch­ge­rech­net wer­den. Dabei sind sol­che Kar­ten aus­zu­neh­men, bei denen an der betref­fen­den Tank­stel­le kon­kre­te Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass sie von Kun­den ein­ge­setzt wer­den, die ihrer Art nach nicht mit der­sel­ben Häu­fig­keit und in dem­sel­ben Umfang Bar­ge­schäf­te täti­gen 1.

Der Aus­gleichs­an­spruch des schei­den­den Tank­stel­len­päch­ters

Bei so genann­ten Flot­ten- und Fir­men­kun­den­kar­ten ist für die Beur­tei­lung der Stamm­kun­den­ei­gen­schaft auf den Groß­kun­den abzu­stel­len, der meh­re­re Kar­ten für sei­ne Fah­rer oder Fahr­zeu­ge ein­setzt. Denn nicht mit dem Fah­rer, son­dern mit dem Groß­kun­den als Kar­ten­in­ha­ber kommt ein Kauf­ver­trag über die bezo­ge­ne Kraft­stoff­men­ge zustan­de.

Im Rah­men der tatrich­ter­li­chen Schät­zung (§ 287 Abs. 2 ZPO) ist auch dem Umstand Rech­nung zu tra­gen, dass eine nur auf Kar­ten­num­mern basie­ren­de Fest­stel­lung von Stamm­kar­ten­kun­den erheb­lich von den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen abwei­chen kann. Der Tatrich­ter ist hier­bei nicht gehin­dert, auch auf sol­che Erhe­bun­gen über wech­seln­des Zah­lungs­ver­hal­ten von Kar­ten­kun­den (Wech­sel zwi­schen ver­schie­de­nen Kar­ten; Wech­sel zwi­schen Kar­ten- und Bar­zah­lung) zurück­zu­grei­fen, die nicht auf den kon­kre­ten Ver­hält­nis­sen der ehe­ma­li­gen Tank­stel­le des Tank­stel­len­hal­ters beru­hen.

Die Annah­me einer Abwan­de­rungs­quo­te von 20 % pro Jahr liegt auch bei einer Tank­stel­le, bei der die Stamm­kun­den­ei­gen­schaft durch nur vier Tank­vor­gän­ge im Jahr begrün­det wird, im Rah­men des tatrich­ter­li­chen Schät­zungs­er­mes­sens, wenn aus­rei­chen­de Anhalts­punk­te für die tat­säch­li­chen Kun­den­be­we­gun­gen nicht vor­lie­gen 1.

BGH, Urteil vom 11. Novem­ber 2009 – VIII ZR 249/​08

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 15. Juli 2009 – VIII ZR 171/​08, DB 2009, 2038[][]
  2. EuGH, Urteil vom 28.10.2010 – C‑203/​09, DB 2010, 2495[]