Der Aus­gleichs­an­spruch des Ver­trags­händ­lers und die Lea­sing­käu­fer

Für die Bestim­mung des Aus­gleichs­an­spruchs des Händ­lers ist bei Neu­wa­gen­ver­käu­fen an Lea­sing­ge­sell­schaf­ten regel­mä­ßig der Lea­sing­neh­mer als Kun­de des Händ­lers anzu­se­hen, weil die wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung zur Anschaf­fung des Fahr­zeugs vom Lea­sing­neh­mer getrof­fen wird 1.

Der Aus­gleichs­an­spruch des Ver­trags­händ­lers und die Lea­sing­käu­fer

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die auf Han­dels­ver­tre­ter zuge­schnit­te­ne Bestim­mung des § 89b HGB auf einen Ver­trags­händ­ler ent­spre­chend anzu­wen­den, wenn zum einen sich das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen ihm und dem Her­stel­ler oder Lie­fe­ran­ten nicht in einer blo­ßen Käu­fer-Ver­käu­fer-Bezie­hung erschöpf­te, son­dern der Ver­trags­händ­ler so in die Absatz­or­ga­ni­sa­ti­on des Her­stel­lers oder Lie­fe­ran­ten ein­ge­glie­dert war, dass er wirt­schaft­lich in erheb­li­chem Umfang dem Han­dels­ver­tre­ter ver­gleich­ba­re Auf­ga­ben zu erfül­len hat­te, und zum ande­ren der Händ­ler ver­pflich­tet ist, dem Her­stel­ler oder Lie­fe­ran­ten sei­nen Kun­den­stamm zu über­tra­gen, so dass die­ser sich bei Ver­trags­en­de die Vor­tei­le des Kun­den­stamms sofort und ohne wei­te­res nutz­bar machen kann 2.

Der für den Aus­gleichs­an­spruch maß­geb­li­che Stamm­kun­den­um­satz ist grund­sätz­lich durch Mul­ti­pli­ka­ti­on des Mehr­fach­kun­den­um­sat­zes des letz­ten Ver­trags­jah­res mit dem Pro­gno­se­zeit­raum zu ermit­teln. Hat das letz­te Ver­trags­jahr einen aty­pi­schen Ver­lauf genom­men, kann ein Durch­schnitts­wert unter Her­an­zie­hung eines län­ge­ren Zeit­raums gebil­det wer­den 3.

Bei Ver­käu­fen an eine Lea­sing­ge­sell­schaft ist grund­sätz­lich der Lea­sing­neh­mer als Kun­de anzu­se­hen, weil die wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung zur Anschaf­fung des Fahr­zeugs von die­sem getrof­fen wird 4.

Das steht nicht im Wider­spruch zu der hin­sicht­lich der Berech­nung des Aus­gleichs­an­spruchs von Tank­stel­len­hal­tern ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass bei so genann­ten Flot­ten- und Fir­men­kun­den­kar­ten für die Beur­tei­lung der Stamm­kun­den­ei­gen­schaft nicht auf die ein­zel­ne Kar­te, son­dern auf den Groß­kun­den abzu­stel­len ist, der meh­re­re Kar­ten für sei­ne Fah­rer oder Fahr­zeu­ge ein­setzt 5. Zwar kommt auch im Fall des durch Lea­sing finan­zier­ten Neu­wa­gen­ver­kaufs der Kauf­ver­trag mit der Lea­sing­ge­sell­schaft und nicht mit dem Lea­sing­neh­mer zustan­de, wie bei dem Ein­satz von Flot­ten- oder Fir­men­kar­ten ein Kauf­ver­trag über die bezo­ge­ne Kraft­stoff­men­ge mit dem Groß­kun­den als Kar­ten­in­ha­ber, nicht aber mit dem die Kar­te ver­wen­den­den Fah­rer abge­schlos­sen wird 6. Den­noch sind die Fall­ge­stal­tun­gen nicht ver­gleich­bar. Denn im Fall des durch Lea­sing finan­zier­ten Kaufs eines Neu­wa­gens trifft letzt­lich der Lea­sing­neh­mer die wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung zur Anschaf­fung des Fahr­zeugs; der Abschluss des Lea­sing­ver­tra­ges und der Kauf des Fahr­zeugs durch die Lea­sing­ge­sell­schaft die­nen nur der Finan­zie­rung die­ser Anschaf­fung. Hin­ge­gen han­delt der Fah­rer bei dem Ein­satz der ihm zur Ver­fü­gung gestell­ten Flot­ten- oder Fir­men­kar­te aus­schließ­lich im Namen und auf Rech­nung des Groß­kun­den. Die Kos­ten des Kraft­stoff­kaufs sind letzt­lich von die­sem zu tra­gen, so dass sich die Sach­la­ge in die­sen Fäl­len nicht viel anders dar­stellt, als wenn der Groß­kun­de selbst mit sei­nen Fahr­zeu­gen bei der Tank­stel­le vor­fährt 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 6. Okto­ber 2010 – VIII ZR 210/​07

  1. Abgren­zung zu BGH, Urteil vom 11.11.2009 – VIII ZR 249/​08[]
  2. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 22.10.2003 – VIII ZR 6/​03, WM 2004, 991; und vom 13.01.2010 – VIII ZR 25/​08, jeweils m.w.N.[]
  3. BGH, Urtei­le vom 26.02.1997 – VIII ZR 272/​95, BGHZ 135, 14, 23; vom 12.01.2000 – VIII ZR 19/​99, a.a.O.; und vom 02.07.1987 – I ZR 188/​85, NJW-RR 1988, 42[]
  4. so auch OLG Mün­chen, Urteil vom 16.01.2002 – 7 U 4312/​00, inso­weit nicht in OLGR 2002, 216 abge­druckt; OLG Köln, VersR 2003, 105; Emde, MDR 2010, 537, 538[]
  5. BGH, Urtei­le vom 11.11.2009 – VIII ZR 249/​08; und vom 21.04.2010 – VIII ZR 108/​09, BB 2010, 1685 Rn. 26[]
  6. BGH, Urteil vom 11.11.2009 – VIII ZR 249/​08, a.a.O., Rn. 35[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 11.11.2009 – VIII ZR 249/​08, a.a.O.[]