Die oHG als Han­dels­ver­tre­tung – und ihre Umwand­lung zur GmbH

Für den Fort­be­stand eines Han­dels­ver­tre­ter­ver­trags ist es ohne unmit­tel­ba­ren Ein­fluss, wenn in einer als OHG orga­ni­sier­ten Han­dels­ver­tre­tung nach und nach die OHG-Gesell­schaf­ter ihre Antei­le in eine GmbH ein­brin­gen und auf die­se Wei­se dann letzt­lich das Ver­mö­gen der OHG ana­log § 738 BGB auf die GmbH über­geht.

Die oHG als Han­dels­ver­tre­tung – und ihre Umwand­lung zur GmbH

Ein sol­cher Rechts­form­wech­sel allein recht­fer­tigt eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung durch den Unter­neh­mer nicht und stellt auch kein schuld­haf­tes Ver­hal­ten des Ver­trags­part­ners dar. Der Han­dels­ver­tre­tung ver­bleibt daher der Han­dels­ver­tre­ter­aus­gleichs­an­spruch.

"Über­gang" des Han­des­lver­tre­ter­ver­tra­ges auf die GmbH

Der Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag wur­de zwi­schen der Beklag­ten und einer oHG geschlos­sen. Die Über­tra­gung des Ver­mö­gens die­ser Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft und damit auch der Rech­te aus dem Ver­trag auf eine bestehen­de Kapi­tal­ge­sell­schaft ist ohne wei­te­res im Wege von Anteils­über­tra­gun­gen als Fall der Anwach­sung gem. § 738 BGB mög­lich 1 und im hier vom Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ent­schie­de­nen Fall auch erfolgt:

Der Gesell­schaf­ter­wech­sel voll­zieht sich bei einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft der­ge­stalt, dass ein Gesell­schaf­ter sei­nen Gesell­schafts­an­teil an einen Drit­ten abtritt 2.

Bleibt bei einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft nach Anteils­über­tra­gung nicht min­des­tens eine Zwei­per­so­nen­ge­sell­schaft übrig und ver­ei­ni­gen sich alle Antei­le auf eine Per­son, so steht das Ver­mö­gen die­ser unmit­tel­bar zu, wobei in der Leh­re umstrit­ten ist, ob dies eine Anwach­sung gem. § 738 BGB 3 dar­stellt oder – so der Bun­des­ge­richts­hof – eine Anwach­sung ohne beson­de­ren Über­tra­gungs­akt 4, durch ein­heit­li­chen Akt 5 bzw. als Gan­zes 6 bzw. im Wege der Gesamt­rechts­nach­fol­ge 7.

Hier­an ändert auch das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 16. März 1970 8 nichts. Der inso­fern ent­schie­de­ne Fall ist mit der vor­lie­gen­den Situa­ti­on bereits nicht ver­gleich­bar. Die Ent­schei­dung betrifft einen Gesell­schafts­ver­trag zur Errich­tung einer oHG durch einen bis­her als Ein­zel­kauf­mann täti­gen Han­dels­ver­tre­ter. Soweit die Beklag­te meint, die Ent­schei­dung bele­ge, dass ein Wech­sel in der Per­son des Han­dels­ver­tre­ters ohne Zustim­mung des Unter­neh­mers grund­sätz­lich nicht mög­lich sei, so kann dies dem zitier­ten Urteil nicht ent­nom­men wer­den. Anders als hier geht es dort dar­um, ob der Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag in eine neue Gesell­schaft ein­ge­bracht wer­den kann. Das ist eine grund­le­gend ande­re Kon­stel­la­ti­on als die hier zur Debat­te ste­hen­de blo­ße Anteils­über­tra­gung. Auch hat sich der Bun­des­ge­richts­hof in den Ent­schei­dungs­grün­den vor­nehm­lich mit der Fra­ge aus­ein­an­der­setzt, inwie­fern, auch wenn die Rechts­stel­lung des Unter­neh­mens in dem Han­dels­ver­tre­ter­ver­hält­nis durch die Grün­dung der oHG nicht beein­träch­tigt wor­den sei, eine ein­ge­tre­te­ne oder dro­hen­de Ver­än­de­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se es der dor­ti­gen Beklag­ten unzu­mut­bar gemacht haben, das Ver­trags­ver­hält­nis fort­zu­set­zen 9, was den grund­sätz­li­chen Bestand eines Ver­tra­ges vor­aus­setzt.

Dass es sich bei der Klä­ge­rin um eine juris­ti­sche Per­son han­delt, hin­dert die „Über­nah­me“ des zwi­schen der H. oHG und der Beklag­ten abge­schlos­se­nen Han­dels­ver­tre­ter­ver­trags nicht. Auch eine juris­ti­sche Per­son kann Han­dels­ver­tre­ter sein 10. Natür­li­che und juris­ti­sche Per­so­nen ste­hen sich inso­weit recht­lich gleich.

Kein Grund zur frist­lo­chen Kün­di­gung

Eine Kün­di­gung des Han­dels­ver­tre­ter­ver­tra­ges aus wich­ti­gem Grund hät­te vor­aus­ge­setzt, dass für den Geschäfts­herrn die Zusam­men­ar­beit mit dem Han­dels­ver­tre­ter durch den ein­ge­tre­te­nen Gesell­schaf­ter­wech­sel infol­ge Ver­trau­ens­ver­lus­tes in einem Maße gestört wor­den wäre, dass ihm ein Zuwar­ten bis zur Been­di­gung des Ver­tra­ges durch ordent­li­che Kün­di­gung unter Beach­tung der sechs­mo­na­ti­gen Kün­di­gungs­frist nicht hät­te zuge­mu­tet wer­den kön­nen. Dies kann nicht bejaht wer­den.

Allein die Tat­sa­che, dass der Geschäfts­herr es nun mit einer GmbH zu tun hat, reicht dafür nicht. Für die Erfül­lung der ver­trag­li­chen Pflich­ten aus dem Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag hat sich dadurch nichts geän­dert, da die Tätig­keit des Han­dels­ver­tre­ters gleich geblie­ben ist und nach wie vor der Mit­ar­bei­ter P., zu dem nach eige­nem Vor­trag der Geschäfts­herrn das maß­geb­li­che per­sön­li­che Ver­trau­ens­ver­hält­nis bestan­den hat, der maß­geb­li­che Sach­be­ar­bei­ter und Ansprech­part­ner der Prin­zi­pals geblie­ben ist. Auch dass der Han­dels­ver­tre­ter als GmbH nur einer beschränk­ten Haf­tung unter­liegt, war für den Geschäfts­herrn von unter­ge­ord­ne­ten Bedeu­tung, da der Han­dels­ver­te­ter ihm gegen­über natur­ge­mäß stets in Vor­la­ge zu tre­ten hat­te.

Ein Han­dels­ver­tre­ter­aus­gleichs­an­spruch wür­de im Übri­gen gemäß § 89 b Abs. 3 S. 2 HGB nur ent­fal­len, wenn dem Han­dels­ver­tre­ter ein schuld­haf­tes Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen wer­den müss­te. Die Über­tra­gung von Gesell­schafts­an­tei­len stellt sich indes­sen als Aus­druck der unter­neh­me­ri­schen Frei­heit dar, die per se nicht ohne wei­te­res als schuld­haf­tes Ver­hal­ten gegen­über einem Ver­trags­part­ner gese­hen wer­den kann. Dies gilt in beson­de­rem Maße dann, wenn wie hier die Über­tra­gung beim Gesell­schaf­ter He. aus Alters- und Gesund­heits­grün­den erfolgt ist und der wei­te­re ursprüng­li­che OHG-Gesell­schaf­ter M. an der klä­ge­ri­schen GmbH betei­ligt ist und die­se als Geschäfts­füh­rer maß­geb­lich steu­ert.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 30. Mai 2011 – 5 U 189/​10

  1. BGH, Urteil vom 10.05.1978 – VIII ZR 32/​77 = NJW 1978, 1525 m.w.N.[]
  2. BGH, Urteil vom 08.11.1965 – II ZR 223/​64 = NJW 1966, 499 m.w.N.[]
  3. ana­log; vor­mals § 142 HGB[]
  4. BGH, Urteil vom 22.09.1993 – IV ZR 183/​92 = NJW-RR 1993, 1443[]
  5. BGH, Urteil vom 09.07.1968 – V ZR 80/​66 = BGHZ 50, 307[]
  6. BGH, Urteil vom 06.05.1993 – IX ZR 73/​92 = NJW 1993, 1917[]
  7. BGH, Urteil vom 07.07.2008 – II ZR 37/​07 = NJW 2008, 2992 m.w.N.; BGH, Urteil vom 10.05.1978 – VIII ZR 32/​77 = NJW 1978, 1525 m.w.N.; MüKo/​HGB, Bd. 2, 2. Aufl., § 131 HGB Rn. 105; MüKo/​HGB, Bd. 1, 3. Aufl., § 89 b HGB Rn. 48; Baumbach/​Hopt, HGB, 34. Aufl., § 131 Rn. 35 und 39; Orth, Umwand­lung durch Anwach­sung, in: DStR 1999, 1011; Thu­me, Neu­es zum Aus­gleich­an­spruch des Han­dels­ver­tre­ters und des Ver­trags­händ­lers, in: BB 1994, 2358[]
  8. BGH, Urteil vom 16.03.1970 – VII ZR 135/​68, HVR Nr. 419[]
  9. BGH, aaO[]
  10. MüKo/​HGB, Bd. 1, 3. Aufl., § 84 n. 21 m.N. zur Rspr.[]