Die vor­zei­ti­ge Kün­di­gung eines Han­dels­ver­tre­ters

Eine Ver­trags­klau­sel, nach der ein Han­dels­ver­tre­ter zur Rück­erstat­tung monat­li­cher Zah­lun­gen von 3.000 Euro an den Unter­neh­mer ver­pflich­tet ist, wenn der Han­dels­ver­tre­ter den Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag vor Ablauf der 36-mona­ti­gen Lauf­zeit der Ver­ein­ba­rung über die (zusätz­lich zur Pro­vi­si­on erbrach­ten) Zah­lun­gen kün­digt, führt regel­mä­ßig zu einer ein­sei­ti­gen – mit­tel­ba­ren – Ein­schrän­kung des Kün­di­gungs­rechts des Han­dels­ver­tre­ters und ist des­halb gemäß § 89 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 HGB, § 134 BGB unwirk­sam.

Die vor­zei­ti­ge Kün­di­gung eines Han­dels­ver­tre­ters

Die Unwirk­sam­keit der Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung ergibt sich aus § 89 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 HGB, § 134 BGB.

Gemäß § 89 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 HGB darf die Frist zur Kün­di­gung eines Han­dels­ver­tre­ter­ver­tra­ges für den Unter­neh­mer nicht kür­zer sein als für den Han­dels­ver­tre­ter. Die­se zwin­gen­de gesetz­li­che Rege­lung stellt eine Schutz­vor­schrift zuguns­ten des im All­ge­mei­nen wirt­schaft­lich schwä­che­ren Han­dels­ver­tre­ters dar, die ver­hin­dern soll, dass der schwä­che­re Ver­trags­teil ein­sei­tig in sei­ner Ent­schlie­ßungs­frei­heit beschnit­ten wird. Eine sol­che ein­sei­ti­ge Beschrän­kung der Ent­schlie­ßungs­frei­heit kann aber nicht nur unmit­tel­bar durch die Ver­ein­ba­rung unglei­cher Kün­di­gungs­fris­ten, son­dern auch mit­tel­bar dadurch gesche­hen, dass an die Kün­di­gung des Han­dels­ver­tre­ters wesent­li­che, eine Ver­trags­be­en­di­gung erschwe­ren­de Nach­tei­le geknüpft wer­den. Da die­se Nach­tei­le den Han­dels­ver­tre­ter regel­mä­ßig von einer Kün­di­gung abhal­ten wer­den, führt dies im Ergeb­nis dazu, dass der Unter­neh­mer regu­lär mit der gesetz­li­chen oder der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten – for­mal für bei­de Ver­trags­part­ner gleich lan­gen – Frist kün­di­gen kann, wäh­rend dem Han­dels­ver­tre­ter die­se Mög­lich­keit fak­tisch ver­wehrt ist 1. So ver­hält es sich auch hier.

Im vor­lie­gen­den Fall hat die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter in der Garan­tie­ver­ein­ba­rung die Zah­lung eines monat­li­chen Betra­ges von bis zu 3.000 € für den Zeit­raum von 36 Mona­ten zuge­sagt. Die Bezeich­nung "Garan­tie" ist dabei irre­füh­rend, denn die Zah­lun­gen sind nicht garan­tiert, son­dern hän­gen von der Errei­chung bestimm­ter Zie­le bei der Ver­mitt­lung von Ver­trä­gen ab 2. Vor die­sem Hin­ter­grund wäre es näher­lie­gend, von Bonus­zah­lun­gen oder Boni­fi­ka­tio­nen zu spre­chen.

Die auf­grund der Ver­ein­ba­rung erbrach­ten Zah­lun­gen sind gemäß Zif­fer 4 Buchst. a an die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zurück­zu­zah­len, wenn der Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag vom Ver­mitt­ler, hier dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter, gekün­digt wird. Das folgt zwar nicht unmit­tel­bar aus dem Wort­laut der Rege­lung, in der ledig­lich von der Kün­di­gung der "Ver­ein­ba­rung" (nicht des Ver­tre­ter­ver­tra­ges) die Rede ist. Es ergibt sich aber aus dem Sinn und Zweck der Rege­lung und ihrem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang. In Zif­fer 3 der Ver­ein­ba­rung heißt es, dass sie "bei einem bestehen­den und unge­kün­dig­ten Han­dels­ver­tre­ter­ver­tra­ges" nach Ablauf von 36 Mona­ten endet. In Zif­fer 4 Buchst. b wird die Rück­zah­lungs­pflicht aus­drück­lich an den Umstand geknüpft, dass die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft "die Ver­ein­ba­rung bzw. den Ver­tre­ter­ver­trag gekün­digt hat…". Es kann kein Zwei­fel dar­an bestehen, dass nichts ande­res bei einer Kün­di­gung durch den Ver­mitt­ler gilt, dass also auch eine Kün­di­gung des Ver­tre­ter­ver­tra­ges – und nicht nur der Garan­tie­ver­ein­ba­rung selbst – durch den Ver­mitt­ler die Rück­zah­lungs­pflicht gemäß Zif­fer 4 Buchst. a der Ver­ein­ba­rung aus­lö­sen soll.

Denn das Bestehen des Ver­tre­ter­ver­tra­ges ist, was sich auch aus der For­mu­lie­rung in Zif­fer 3 der Ver­ein­ba­rung ergibt, Grund­la­ge für die Garan­tie­ver­ein­ba­rung. Ohne die – auf­grund des Ver­tre­ter­ver­tra­ges zu erbrin­gen­den – Ver­mitt­lungs­leis­tun­gen des Han­dels­ver­tre­ters hät­te die­ser kei­ne Mög­lich­keit, die in der Garan­tie­ver­ein­ba­rung genann­ten Zah­lungs­vor­aus­set­zun­gen zu erfül­len. Außer­dem hat die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft selbst vor­ge­tra­gen, dass die Garan­tie­ver­ein­ba­rung dazu die­nen soll­te, die Han­dels­ver­tre­ter für einen gewis­sen Zeit­raum an die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft zu bin­den. Das bedeu­tet nichts ande­res, als dass die Ver­tre­ter wäh­rend der 36-mona­ti­gen Lauf­zeit der Garan­tie­ver­ein­ba­rung für die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft tätig sein soll­ten; die Tätig­keit erfolg­te aber auf­grund des Ver­tre­ter­ver­tra­ges. Des­halb liegt es auf der Hand, dass die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft bei einer vom Han­dels­ver­tre­ter aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gung nur des Ver­tre­ter­ver­tra­ges, nicht aber der Garan­tie­ver­ein­ba­rung (deren 36-mona­ti­ge Lauf­zeit noch nicht been­det ist) argu­men­tie­ren wür­de, dass mit der Kün­di­gung des Ver­tre­ter­ver­tra­ges zwangs­läu­fig auch die Garan­tie­ver­ein­ba­rung ent­fal­len und die Vor­aus­set­zung für die Rück­zah­lung der erbrach­ten Leis­tun­gen ein­ge­tre­ten ist.

Hin­zu kommt, dass eine allei­ni­ge Kün­di­gung der Garan­tie­ver­ein­ba­rung durch den Han­dels­ver­tre­ter wirt­schaft­lich gar kei­nen Sinn machen wür­de. Denn die Garan­tie­ver­ein­ba­rung begrün­det für den Han­dels­ver­tre­ter kei­ne Pflich­ten, son­dern nur (an bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen geknüpf­te) Rech­te. Es ist nicht ersicht­lich, war­um der Han­dels­ver­tre­ter sich ein­sei­tig von einer sol­chen Ver­ein­ba­rung lösen soll­te. Hier hat der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter zwar tat­säch­lich – noch vor der Kün­di­gung des Han­dels­ver­tre­ter­ver­tra­ges – die Garan­tie­ver­ein­ba­rung zum 1.11.2011 gekün­digt. Das ist aber nur so zu erklä­ren, dass der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter auf wei­te­re Garan­tie­zah­lun­gen ver­zich­ten woll­te und dies durch die "Kün­di­gung" (die nach Zif­fer 3 der Garan­tie­ver­ein­ba­rung eigent­lich, da ein wich­ti­ger Grund nicht ersicht­lich ist, gar nicht mög­lich gewe­sen wäre) zum Aus­druck gebracht hat. Die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft hat die­se Kün­di­gung auch nicht etwa zum Anlass genom­men, die bereits geleis­te­ten Zah­lun­gen zurück­zu­for­dern, son­dern ledig­lich kei­ne wei­te­ren Garan­tie­zah­lun­gen erbracht. Die Rück­zah­lung wur­de von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft erst mit Schrei­ben vom 03.01.2012 ver­langt, nach­dem der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter (auch) den Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag gekün­digt hat­te.

Ob die an eine Ver­trags­be­en­di­gung geknüpf­ten finan­zi­el­len Nach­tei­le von sol­chem Gewicht sind, dass sie zu einer gemäß § 89 Abs. 2 Satz 1 Halbs. 2 HGB, § 134 BGB unwirk­sa­men Kün­di­gungs­er­schwer­nis füh­ren, ist eine Fra­ge des Ein­zel­falls. Dabei kommt es ins­be­son­de­re auf die Höhe der gege­be­nen­falls zurück­zu­er­stat­ten­den Zah­lun­gen an, fer­ner auf den Zeit­raum, für den die Zah­lun­gen zurück­zu­er­stat­ten sein sol­len 3.

Hier sieht die Garan­tie­ver­ein­ba­rung Zah­lun­gen der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft in Höhe von bis zu 3.000 € monat­lich vor, die an bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen geknüpft sind und die für einen Zeit­raum von 36 Mona­ten gezahlt wer­den sol­len. Bei Erfül­lung der Vor­aus­set­zun­gen errei­chen die auf­grund der Ver­ein­ba­rung zu erbrin­gen­den Zah­lun­gen somit bereits nach zwölf Mona­ten einen Betrag von 36.000 €. Ange­sichts die­ser Beträ­ge bedarf es kei­ner nähe­ren Erläu­te­rung, dass die auf­grund der Rege­lung in Zif­fer 4 Buchst. a der Garan­tie­ver­ein­ba­rung dro­hen­de Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung geeig­net ist, den Han­dels­ver­tre­ter von einer frist­ge­mä­ßen Kün­di­gung des Ver­tre­ter­ver­tra­ges abzu­hal­ten, und dass sie ihn regel­mä­ßig ver­an­las­sen wird, mit einer Kün­di­gung bis zum Ablauf der Garan­tie­ver­ein­ba­rung nach 36 Mona­ten zu war­ten. Denn es ist weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich, dass der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft Pro­vi­sio­nen in einer Höhe erhal­ten hät­te, neben der die monat­li­chen Garan­tie­zah­lun­gen von bis zu 3.000 € und eine mög­li­che Pflicht zur Rück­erstat­tung die­ser Zah­lun­gen kein beson­de­res Gewicht gehabt hät­ten.

Die­se Wür­di­gung des Senats steht im Ein­klang mit der Beur­tei­lung ähn­li­cher Klau­seln durch ande­re Gerich­te. So wur­de unter ande­rem ent­schie­den, dass Ver­ein­ba­run­gen in einem Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag, nach denen frei­wil­li­ge Leis­tun­gen (z. B. Boni­fi­ka­tio­nen oder Son­der­gra­ti­fi­ka­tio­nen) zurück­zu­zah­len sind, wenn der Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag inner­halb von zwölf Mona­ten nach der Zah­lung been­det wird, grund­sätz­lich unwirk­sam sind, weil sie zu einer Behin­de­rung der Berufs­frei­heit des Han­dels­ver­tre­ters in einem Aus­maß füh­ren, das durch den mit der Son­der­zu­wen­dung ver­folg­ten Zweck nicht mehr gerecht­fer­tigt ist 4. Die­se Recht­spre­chung hat auch im Schrift­tum Zustim­mung gefun­den 5.

Soweit das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le in einem ent­spre­chen­den Fall eine ande­re Auf­fas­sung ver­tre­ten hat, führt das nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung des hier vor­lie­gen­den Sach­ver­halts. In dem vom Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ent­schie­de­nen Fall ging es um eine für das Jahr 2005 gezahl­ten Son­der­bo­ni­fi­ka­ti­on in Höhe von 5.748,97 €, die auf­grund der Been­di­gung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses inner­halb der nächs­ten zwölf Mona­te nach der Zah­lung ver­ein­ba­rungs­ge­mäß zurück­zu­zah­len war (die Rück­zah­lungs­pflicht betraf immer nur die letz­te – jähr­lich aus­ge­zahl­te – Son­der­bo­ni­fi­ka­ti­on). Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le ist in jenem Fall zu dem Ergeb­nis gekom­men, dass der Betrag der zurück­zu­ge­wäh­ren­den Son­der­bo­ni­fi­ka­ti­on in Anbe­tracht der Ein­kom­mens­si­tua­ti­on des Han­dels­ver­tre­ters nicht so hoch gewe­sen sei, dass die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung geeig­net gewe­sen wäre, ihn von der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung abzu­hal­ten 6. Das ist aber mit dem vor­lie­gen­den Fall nicht ver­gleich­bar, in dem nach Zif­fer 4 Buchst. a der Garan­tie­ver­ein­ba­rung die über einen Zeit­raum von 36 Mona­ten erbrach­ten Zah­lun­gen, die einen Betrag von mehr als 100.000 € errei­chen kön­nen, voll­stän­dig zurück­zu­zah­len sind.

Da eine Anglei­chung der Kün­di­gungs­fris­ten, wie sie § 89 Abs. 2 Satz 2 HGB im Fall unglei­cher Kün­di­gungs­fris­ten vor­sieht, nicht in Betracht kommt, ist die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung als kün­di­gungs­be­schrän­ken­de Ver­ein­ba­rung gemäß § 134 BGB nich­tig, ohne dass dies gemäß § 139 BGB zur Nich­tig­keit der Garan­tie­ver­ein­ba­rung ins­ge­samt füh­ren wür­de 7.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht aus den Ent­schei­dun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Hamm 8 und – jener Ent­schei­dung in ers­ter Instanz vor­aus­ge­gan­gen – des Land­ge­richts Dort­mund 9, auf die die Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft hin­ge­wie­sen hat. In jenem Ver­fah­ren war der Han­dels­ver­tre­te­rin ein Dar­le­hen von 2 Mio. DM gewährt wor­den, damit sie sich an einer Gesell­schaft betei­li­gen konn­te. Das Ober­lan­des­ge­richt hat dazu ent­schie­den, dass eine even­tu­el­le Kün­di­gungs­er­schwer­nis durch bestimm­te Rege­lun­gen im Dar­le­hens­ver­trag nicht zur Unwirk­sam­keit des Dar­le­hens­ver­tra­ges an sich führt. Die­ser Gedan­ke lässt sich aber auf den vor­lie­gen­den Fall nicht über­tra­gen, denn hier wur­de dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter kein Dar­le­hen gewährt, bei dem von vorn­her­ein – defi­ni­ti­ons­ge­mäß – fest­steht, dass es zurück­zu­zah­len ist. Viel­mehr hat der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter hier soge­nann­te Garan­tie­zah­lun­gen erhal­ten, die er nach der Garan­tie­ver­ein­ba­rung behal­ten durf­te, wenn nicht der Han­dels­ver­tre­ter­ver­trag oder die Garan­tie­ver­ein­ba­rung vor Been­di­gung von deren Lauf­zeit gekün­digt wird.

Auch der Umstand, dass die Garan­tie­zah­lun­gen und die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung hier in einer geson­der­ten Ver­ein­ba­rung und nicht im Ver­tre­ter­ver­trag selbst gere­gelt sind, führt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung. Die Ver­knüp­fung zwi­schen der Garan­tie­ver­ein­ba­rung und dem Ver­tre­ter­ver­trag sowie die kün­di­gungs­er­schwe­ren­de Wir­kung von Zif­fer 4 Buchst. a der Garan­tie­ver­ein­ba­rung sind bereits dar­ge­legt wor­den. Aus dem von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft in die­sem Zusam­men­hang zitier­ten Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Köln 10 ergibt sich nichts ande­res. Die Ent­schei­dung lässt einen Bezug zu dem hier vor­lie­gen­den Fall nicht erken­nen (dort ging es um das Recht eines Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens zur frist­lo­sen Kün­di­gung eines Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter­ver­trags, die unter ande­rem dar­auf gestützt wor­den ist, dass der Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter mit einer Ver­si­che­rungs­neh­me­rin eine unzu­läs­si­ge – die Kün­di­gung durch die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin erschwe­ren­de – Ver­ein­ba­rung getrof­fen hat­te; mit einer Kün­di­gungs­er­schwer­nis zu Las­ten des Ver­si­che­rungs­ver­tre­terss befasst sich die Ent­schei­dung, soweit ersicht­lich, nicht).

Die nach Zif­fer 4 Buchst. a der Garan­tie­ver­ein­ba­rung bestehen­de Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung ist auch gemäß § 89a Abs. 1 Satz 2 HGB, § 134 BGB unwirk­sam, weil sie – aus den oben genann­ten Grün­den – auch das Recht des Han­dels­ver­tre­ters zur Kün­di­gung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses aus wich­ti­gem Grund unzu­läs­sig erschwert 11.

Nach Zif­fer 4 Buchst. a der Garan­tie­ver­ein­ba­rung soll die Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung zwar nicht bestehen, wenn ein Ver­hal­ten des Unter­neh­mers begrün­de­ten Anlass zur Kün­di­gung durch den Ver­mitt­ler gege­ben hat. Durch die­se Ein­schrän­kung wird das Recht des Han­dels­ver­tre­ters zur Kün­di­gung aus wich­ti­gem Grund gemäß § 89a Abs. 1 HGB aber nicht hin­rei­chend sicher­ge­stellt. Denn die Ein­schrän­kung gilt nur für Fäl­le, in denen ein Ver­hal­ten des Unter­neh­mers begrün­de­ten Anlass zur Kün­di­gung gege­ben hat. Als wich­ti­ge Grün­de für eine Kün­di­gung des Han­dels­ver­tre­ters gemäß § 89a Abs. 1 HGB kom­men aber auch Umstän­de in Betracht, die nicht in einem Ver­hal­ten des Unter­neh­mers bestehen 12.

Schließ­lich ist die in Zif­fer 4 Buchst. a der – von der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft ersicht­lich for­mu­lar­mä­ßig ver­wen­de­ten – Garan­tie­ver­ein­ba­rung gere­gel­te Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung auch gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirk­sam, weil sie das Kün­di­gungs­recht der betrof­fe­nen Han­dels­ver­tre­ter unzu­läs­sig ein­schränkt und damit die Ver­trags­part­ner der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, hier den Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter, unan­ge­mes­sen benach­tei­ligt 13.

Ober­lan­des­ge­richt Olden­burg – Urteil vom 26. Novem­ber 2013 – 13 U 30/​13

  1. vgl. OLG Ham­burg, Urteil vom 17.03.2000 – 14 U 77/​99, OLGR 2000, 466; Thu­me in: Küstner/​Thume, Hand­buch des gesam­ten Ver­triebs­rechts, 4. Aufl., Kap. V Rn. 26 unter Hin­weis auf LG Frank­furt a. M., VW 1975, 1551; fer­ner Emde, Ver­triebs­recht, 2. Aufl., § 89 HGB Rn. 73 [S. 957][]
  2. vgl. Thu­me, aaO, Rn. 21[]
  3. vgl. Emde, aaO; fer­ner OLG Olden­burg, Urteil vom 24.07.2012 – 13 U 118/​11, IHR 2013, 79; OLG Karls­ru­he, VersR 2011, 526, 527 m.w.N.[]
  4. LG Müns­ter, Urteil vom 16.09.2010 – 24 O 94/​09, BeckRS 2010, 23928, unter Hin­weis auf OLG Naum­burg, Urteil vom 16.02.2010 – 6 U 164/​09; und LG Ros­tock, Urteil vom 25.09.2009 – 8 O 11/​09[]
  5. Evers, VW 2010, 444; vgl. auch Emde, aaO[]
  6. OLG Cel­le, Urteil vom 29.10.2009 – 11 U 36/​09[]
  7. vgl. OLG Ham­burg, aaO, Rn. 29; fer­ner Emde, aaO[]
  8. OLG Hamm, Urteil vom 10.12 2009 – 2 U 111/​09, VersR 2010, 610[]
  9. LG Dort­mund, Urteil vom 29.04.2009 – 7 O 13/​09, VersR 2010, 609[]
  10. OLG Köln, Urteil vom 08.12 2006 – 19 U 96/​06, BeckRS 2008, 10369[]
  11. vgl. dazu OLG Karls­ru­he, VersR 2011, 526, 527 m.w.N.; OLG Olden­burg, Urteil vom 24.07.2012 – 13 U 118/​11, aaO[]
  12. vgl. Hopt in: Baumbach/​Hopt, HGB, 35. Aufl., § 89a Rn. 24 f. m.w.N.[]
  13. vgl. LG Müns­ter, Urteil vom 16.09.2010, aaO, unter Hin­weis auf OLG Naum­burg, Urteil vom 16.02.2010 – 6 U 164/​09; und LG Ros­tock, Urteil vom 25.09.2009 – 8 O 11/​09; Evers, VW 2010, 444[]