Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung in All­ge­mei­nen Trans­port­be­din­gun­gen und die ADSp

Eine Gerichts­stands­klau­sel in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (Trans­port­be­din­gun­gen) eines Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­mens geht den wider­spre­chen­den Rege­lun­gen unter Zif­fer 30.2 ADSp vor, wenn die­se Trans­port­be­din­gun­gen gleich­zei­tig mit den ADSp als Bestand­teil des Trans­port­auf­tra­ges ver­ein­bart wer­den.

Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung in All­ge­mei­nen Trans­port­be­din­gun­gen und die ADSp

Zwar kann sich auch aus Zif­fer 30.2 All­ge­mei­ne Deut­sche Spe­di­teur­be­din­gun­gen (ADSp) ein Gerichts­stand erge­ben, da im vor­lie­gen­den FAll die Klä­ge­rin von der Beklag­ten mit der Durch­füh­rung eines Fracht­trans­ports beauf­tragt wur­de und bei­de Par­tei­en Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men sind. Zif­fer 30.2 ADSp wird jedoch durch die Gerichts­stands­re­ge­lung unter Zif­fer 13 der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen im Trans­port­auf­trag der Beklag­ten ver­drängt. Dort heißt es: „Gerichts­stand und Erfül­lungs­ort ist für bei­de Tei­le Düs­sel­dorf. Es gilt deut­sches Recht. Wir arbei­ten aus­schließ­lich auf­grund der ADSp, neu­es­te Fas­sung. Abso­lu­ter Kun­den­schutz ist unbe­ding­ter Ver­trags­be­stand­teil.” Die­se Gerichts­stands­re­ge­lung bestimmt – zumin­dest für Pas­siv­pro­zes­se der Beklag­ten – einen aus­schließ­li­chen Gerichts­stand in Düs­sel­dorf.

Unstrei­tig sind die All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen im Trans­port­auf­trag der Beklag­ten Ver­trags­be­stand­teil gewor­den. Da die Par­tei­en Kauf­leu­te sind, sind sie auch berech­tigt eine Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung gemäß § 38 ZPO zu schlie­ßen.

Dass gleich­zei­tig auch die Gel­tung der ADSp ver­ein­bart wur­de, steht die­ser Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung nicht ent­ge­gen. Im Gegen­teil wer­den durch die­se Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung die Rege­lun­gen der ADSp nur soweit Ver­trags­be­stand­teil, wie sie, die­ser Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung nicht wider­spre­chen. Da es sich bei den ADSp um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne des § 305 BGB han­delt 1 gehen indi­vi­du­el­le Ver­trags­ab­re­den den Rege­lun­gen der ADSp vor 2. Nichts ande­res muss für indi­vi­du­ell for­mu­lier­te All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gel­ten, wenn sie gleich­zei­tig auf die ADSp ver­wei­sen bzw. die­se ein­be­zie­hen. Der Ver­wen­der der­ar­ti­ger All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen bringt damit zum Aus­druck, dass er zwar grund­sätz­lich die ADSp zur Anwen­dung brin­gen will, aber mit den indi­vi­du­ell for­mu­lier­ten Geschäfts­be­din­gun­gen von den all­ge­mei­nen, für die gesam­te Spe­di­ti­ons­bran­che ent­wi­ckel­ten Rege­lun­gen abwei­chen möch­te.

Die Gerichts­stands­ver­ein­ba­rung ist dahin­ge­hend aus­zu­le­gen, dass sie zumin­dest für Pas­siv­pro­zes­se der Beklag­ten aus­schließ­lich sein soll. Es liegt auf der Hand, dass die Beklag­te mit Ver­wen­dung die­ser Gerichts­stands­klau­sel sicher­stel­len will, nur an einem bestimm­ten Gericht ver­klagt wer­den zu kön­nen 3. Die­se Aus­le­gung wider­spricht somit der Rege­lung unter Zif­fer 30.2 1. Teil­satz der ADSp, soweit sie einen Gerichts­stand am Sitz der Klä­ge­rin für Kla­gen gegen die Beklag­te eröff­net.

Amts­ge­richt Kehl, Beschluss vom 30. August 2013 – 5 C 19/​13

  1. sie­he Kol­ler, Trans­port­recht, 7. Auf­la­ge, vor Zif­fer 1 ADSp., Rz. 1
  2. sie­he Kol­ler, a.a.O, Rn. 10
  3. vgl. OLG Schles­wig, Beschluss vom 02.06.2006 – 2 W 80/​06