Geschäft mit Sport- und Beklei­dungs­ar­ti­keln und die Flä­chen­be­gren­zung

Zur Ein­däm­mung der Aus­brei­tung des Coro­na­vi­rus ist die Flä­chen­be­schrän­kung für groß­flä­chi­ge Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te in Sach­sen-Anhalt, die nicht bereits von der Schlie­ßung aus­ge­nom­men sind, als not­wen­di­ge infek­ti­ons­schutz­recht­li­che Schutz­maß­nah­me anzu­se­hen.

Geschäft mit Sport- und Beklei­dungs­ar­ti­keln und die Flä­chen­be­gren­zung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Antrag auf einst­wei­li­ge Außer­voll­zug­set­zung der Schlie­ßungs­an­ord­nung in § 7 der Vier­ten Ver­ord­nung über Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 (4. SARS-CoV-2-Ein­dV) abge­lehnt. Als Antrag­stel­le­rin hat sich die Betrei­be­rin von Ein­zel­han­dels­ge­schäf­ten mit Sport- und Beklei­dungs­ar­ti­keln im Bun­des­ge­biet – u.a. im Land Sach­sen-Anhalt – mit einer Grö­ße von über 800 qm gegen die Schlie­ßungs­an­ord­nung gewehrt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt ist die Flä­chen­be­schrän­kung für groß­flä­chi­ge Ein­zel­han­dels­ge­schäf­te, die nicht bereits von der Schlie­ßung aus­ge­nom­men sind, als not­wen­di­ge infek­ti­ons­schutz­recht­li­che Schutz­maß­nah­me anzu­se­hen. Die Rege­lun­gen der 4. SARS-CoV-2-Ein­dV bezweck­ten die fort­ge­setz­te Ein­däm­mung wei­te­rer Anste­ckun­gen mit dem Coro­na­vi­rus und damit den Erhalt der Leis­tungs­fä­hig­keit des Gesund­heits­we­sens und ins­be­son­de­re der Kran­ken­häu­ser zur Behand­lung schwer und schwerst­kran­ker Men­schen. Die Epi­de­mie sei trotz der Ver­lang­sa­mung der Infek­ti­ons­ket­ten nicht bewäl­tigt. Es sei wei­ter­hin wich­tig, sozia­le Kon­tak­te mit dem Ziel der Ver­mei­dung von Infek­tio­nen im pri­va­ten, beruf­li­chen und öffent­li­chen Bereich zu beschrän­ken.

bei der Beur­tei­lung, wel­che Maß­nah­men die Lan­des­re­gie­rung zur Ver­wirk­li­chung der Zie­le für geeig­net, erfor­der­lich und ange­mes­sen hal­ten dür­fe, kom­me ihr in der unsi­che­ren epi­de­mi­schen Lage ein gericht­lich nur begrenzt über­prüf­ba­rer Ein­schät­zungs- und Pro­gno­se­spiel­raum zu. Mit der Flä­chen­be­schrän­kung habe sie ihren Spiel­raum nicht über­schrit­ten. Die Maß­nah­me sei ver­hält­nis­mä­ßig. Das Ziel, Kon­tak­te zu mei­den, kön­ne im Ein­zel­han­del der­zeit noch nicht voll­stän­dig durch stren­ge Hygie­ne­maß­nah­men abge­löst wer­den. Bei der Ent­schei­dung, Locke­run­gen im Bereich der Laden­schlie­ßun­gen zuzu­las­sen, habe die Lan­des­re­gie­rung in zuläs­si­ger Wei­se an das typi­sie­ren­de, pau­scha­lie­ren­de Merk­mal der Groß­flä­chig­keit der Laden­flä­chen ange­knüpft. Die dar­in lie­gen­de Ungleich­be­hand­lung sei gerecht­fer­tigt, weil die Anzie­hungs­kraft eines klei­ne­ren Geschäfts im Regel­fall hin­ter der­je­ni­gen eines groß­flä­chi­gen Ein­zel­han­dels­ge­schäfts zurück­blei­ben dürf­te. Die Öff­nung von Ein­zel­han­dels­ge­schäf­ten bis zu 800 qm füh­re zudem zu einer Ver­bes­se­rung der wohn­ort­na­hen Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung, so dass gera­de im Flä­chen­land Sach­sen-Anhalt eine gemä­ßig­te Wie­der­be­le­bung des Ein­zel­han­dels erreicht wer­de. Besu­cher­strö­me ins­be­son­de­re aus dem länd­li­chen Raum, die vom groß­flä­chi­gen Ein­zel­han­del her­vor­ge­ru­fen wür­den, könn­ten hier­durch in wesent­li­chen Tei­len begrenzt wer­den. Es kom­me nicht maß­geb­lich dar­auf an, ob und inwie­weit sich infek­ti­ons­hy­gie­ni­sche Maß­nah­men in einem groß­flä­chi­gen Ver­kaufs­raum zumin­dest mit dem glei­chen Sicher­heits­ni­veau wie bei Geschäf­ten mit einer Ver­kaufs­flä­che von weni­ger als 800 qm durch­füh­ren lie­ßen. Mit der Ent­schei­dung, den Buch­han­del sowie den Fahr­rad- und Kfz-Han­del von der Flä­chen­be­gren­zung aus­zu­neh­men, habe die Lan­des­re­gie­rung nicht will­kür­lich gehan­delt. Dem Buch­han­del kom­me zur Wah­rung der Informations‑, Pres­se- und Wis­sen­schafts­frei­heit sowie zur Deckung des schu­li­schen Bedarfs, und dem Fahr­rad- und Kfz-Han­del zur Siche­rung der Mobi­li­tät der Bevöl­ke­rung ein beson­de­rer Ver­sor­gungs­auf­trag zu.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 27. April 2020 – 3 R 52/​20