Geschlos­se­ne Gat­stät­ten

In Gas­tro­no­mie­be­trie­ben kom­men Men­schen häu­fig zusam­men, um in „gesel­li­ger Run­de“ Spei­sen und Geträn­ke zu sich zu neh­men. Gera­de in Anbe­tracht die­ser sozia­len Bedeu­tung von Gast­stät­ten erschei­ne die vor­über­ge­hen­de Schlie­ßung die­ser Ein­rich­tun­gen als nicht unwe­sent­lich für die vom Ver­ord­nungs­ge­ber bezweck­te Ver­hin­de­rung wei­te­rer Infek­ti­ons­ket­ten.

Geschlos­se­ne Gat­stät­ten

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Antrags auf einst­wei­li­ge Außer­voll­zug­set­zung des § 6 Abs. 1 der Vier­ten Ver­ord­nung über Maß­nah­men zur Ein­däm­mung der Aus­brei­tung des neu­ar­ti­gen Coro­na­vi­rus SARS-CoV‑2 (4. SARS-CoV-2-Ein­dV) abge­lehnt. In die­ser Rege­lung ist bestimmt, dass Gast­stät­ten im Sin­ne des Gast­stät­ten­ge­set­zes des Lan­des Sach­sen-Anhalt für den Publi­kums­ver­kehr zu schlie­ßen sind.

Nach Mei­nung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt ist die Schlie­ßung von Gast­stät­ten als not­wen­di­ge infek­ti­ons­schutz­recht­li­che Schutz­maß­nah­me anzu­se­hen. Die Schlie­ßung von Gast­stät­ten die­ne der Ein­däm­mung einer wei­te­ren Aus­brei­tung des Virus. Denn nach den gegen­wär­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen erfol­ge die Über­tra­gung des Virus über­wie­gend durch Tröpf­chen-Infek­ti­on zwi­schen Men­schen. Dazu kom­me es ins­be­son­de­re bei kör­per­li­cher Nähe von Men­schen im pri­va­ten und beruf­li­chen Umfeld unab­hän­gig von direk­tem Kör­per­kon­takt. Die Schlie­ßung von Gas­tro­no­mie­ein­rich­tun­gen begren­ze in nicht nur uner­heb­li­chem Maße sol­che phy­si­schen Kon­takt­mög­lich­kei­ten. In Gas­tro­no­mie­be­trie­ben kom­men Men­schen häu­fig zusam­men, um in „gesel­li­ger Run­de“ Spei­sen und Geträn­ke zu sich zu neh­men, sich hier­bei also auch kom­mu­ni­ka­tiv aus­zu­tau­schen. Gera­de in Anbe­tracht die­ser sozia­len Bedeu­tung von Gast­stät­ten erschei­ne die vor­über­ge­hen­de Schlie­ßung die­ser Ein­rich­tun­gen als nicht unwe­sent­lich für die vom Ver­ord­nungs­ge­ber bezweck­te Ver­hin­de­rung wei­te­rer Infek­ti­ons­ket­ten.

Nach gegen­wär­ti­gem Wis­sen­stand sei die Ver­mei­dung kör­per­li­cher Nähe zwi­schen Men­schen und die Ein­hal­tung bestimm­ter Hygie­ne­re­geln die gebo­te­ne Metho­de, die Ver­brei­tung des Virus zu ver­lang­sa­men oder gar zu hem­men. Dazu gehö­re auch die Begren­zung der Kon­takt­mög­lich­kei­ten der Men­schen unter­ein­an­der. Ande­re Metho­den stün­den momen­tan nicht zur Ver­fü­gung.

Zwar ist vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt ein­ge­räumt wor­den, dass hier­durch eine Viel­zahl von Gas­tro­no­mie­be­trie­ben einen emp­find­li­chen Ein­griff in ihre Berufs­aus­übung und mas­si­ve Ein­kom­mens­ein­bu­ßen hin­neh­men müss­ten, die exis­ten­ti­el­le Fol­gen haben kön­nen. Die­ses pri­va­te, vor­wie­gend wirt­schaft­li­che Inter­es­se der Betrof­fe­nen blei­be jedoch hin­ter dem öffent­li­chen Inter­es­se an Schutz von Leben und kör­per­li­cher Unver­sehrt­heit der Bevöl­ke­rung zurück. Denn der Gesund­heits­schutz, ins­be­son­de­re die Ver­lang­sa­mung der Aus­brei­tung der hoch infek­tiö­sen Virus­er­kran­kung zwecks Gewähr­leis­tung aus­rei­chen­der Kapa­zi­tä­ten des Gesund­heits­sys­tems zur Behand­lung der schwer Erkrank­ten, recht­fer­ti­ge in der gegen­wär­ti­gen epi­de­mi­schen Lage auch der­ar­tig ein­schnei­den­de Maß­nah­men.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 30. April 2020 – 3 R 69/​20