Han­dels­bi­lanz vs. Steuerbilanz

Die Bilanz ist ein zen­tra­ler Begriff in der Buch­hal­tung. Dabei wird hier­zu­lan­de auf­grund der recht­li­chen Vor­ga­ben in Han­dels­bi­lanz und Steu­er­bi­lanz unter­schie­den. Dem­entspre­chend wird die Han­dels­bi­lanz nach han­dels­recht­li­chen Vor­schrif­ten erstellt und dient der Infor­ma­ti­on für Kre­dit­ge­ber, Anteils­eig­ner, Kun­den und Mit­ar­bei­tern. Die Steu­er­bi­lanz folgt steu­er­recht­li­chen Vor­ga­ben und wird ein­zig und allein ver­fasst, um dem Finanz­amt vor­ge­legt zu wer­den. Zur Ver­ein­fa­chung der Jah­res­bi­lanz ist es klei­ne­ren Unter­neh­men erlaubt, bei­de Bilan­zen in einer soge­nann­ten Ein­heits­bi­lanz zusammenzufassen.

Han­dels­bi­lanz vs. Steuerbilanz

Die gesetz­li­chen Ver­än­de­run­gen, die mit dem Bilanz­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz von 2009 ein­her­gin­gen, haben sowohl im Han­dels- als auch Steu­er­recht ihre Spu­ren hin­ter­las­sen. Eini­ge unter­schied­li­che Bewer­tungs- und Bilan­zie­rungs­an­sät­ze wur­den nivel­liert, ande­re Unter­schie­de wur­den geschaf­fen. Um die­se kom­ple­xe Pro­ble­ma­tik zu durch­drin­gen, kann ein ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­scher Gut­ach­ter wert­vol­len Bei­stand leis­ten und den betrof­fe­nen Unter­neh­men zeit­li­che und finan­zi­el­le Res­sour­cen einsparen.

Das soll­te eine Bilanz aussagen

Bei einer Bilanz wird eine Auf­stel­lung aller Mit­tel eines Unter­neh­mens bezüg­lich ihrer Her­kunft und ihrer Ver­wen­dung ange­fer­tigt. Sie ist der zen­tra­le Bestand­teil eines Jah­res- oder Zwi­schen­ab­schlus­ses eines akti­ven Wirtschaftsunternehmens.

Dabei wer­den Akti­va und Pas­si­va in zwei Spal­ten ein­ge­tra­gen und erge­ben in der Sum­me die Bilanz des Betriebs. Man spricht von einer sau­be­ren Bilanz, wenn die Sum­me der Akti­va dem Betrag der Pas­si­va ent­spricht, also auf Null auf­geht. Bilan­zen sind neben den Gewinn- und Umsatz­zah­len Indi­ka­to­ren für die Liqui­di­tät einer Fir­ma.

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Maß­geb­lich­keits­prin­zip zur Erstel­lung einer Bilanz

Das Maß­geb­lich­keits­prin­zip ist in § 5 Absatz 1 EStG (Ein­kom­mens­steu­er­ge­setz) ver­an­kert. Es führt aus, dass bei einer Steu­er­bi­lanz immer die Han­dels­bi­lanz und deren Anga­ben aus­schlag­ge­bend sind.

Das bedeu­tet, dass auch die han­dels­recht­li­chen Grund­sät­ze einer ord­nungs­ge­mä­ßen Buch­füh­rung für die Erstel­lung einer Steu­er­bi­lanz maß­geb­lich sind. Aller­dings gibt es die Aus­nah­me, wenn eine ver­bind­li­che steu­er­recht­li­che Rege­lung exis­tiert. Dann ist die­se anzu­wen­den und ver­drängt den han­dels­recht­li­chen Ansatz.

Haben Steu­er – und Han­dels­bi­lan­zen Gemeinsamkeiten?

Sowohl For­de­run­gen als auch imma­te­ri­el­le Wirt­schafts­gü­ter wer­den als Anschaf­fungs­kos­ten ange­setzt. Die­se sind im dazu­ge­hö­ri­gen Anschaf­fungs­wert aus­ge­führt und in § 253 Absatz 1 HGB (Han­dels­ge­setz­buch) ver­an­kert.

Dage­gen wird das Anla­ge­ver­mö­gen als Her­stel­lungs­kos­ten klas­si­fi­ziert. Die­se sind in § 255 Absatz 2 HGB defi­niert und betref­fen selbst her­ge­stell­te Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de und Wirtschaftsgüter.

Was sind die Unterschiede?

In der Pra­xis sind nur ein­zel­ne Posi­tio­nen exis­tent, wel­che zu einer abwei­chen­den Bilanz­po­si­ti­on zwi­schen den bei­den Bilan­zen führen.

Dabei ist der Spiel­raum aus Sicht des Unter­neh­mens ein­ge­schränkt, lässt aber durch­aus posi­ti­ve Effek­te zu, die mit Hil­fe eines kom­pe­ten­ten Buch­hal­ters zu ansehn­li­chen Beträ­gen anwach­sen kön­nen. Die maß­geb­li­chen Posi­tio­nen sind im Nach­fol­gen­den aufgelistet:

  • Bei Pen­si­ons­rück­stel­lun­gen gel­ten unter­schied­li­che Bewer­tungs- und Aktivierungsansätze.
  • Bei der Bewer­tung der Vor­rä­te dür­fen im Steu­er­recht weni­ger Ver­ein­fa­chungs­ver­fah­ren ange­wen­det werden.
  • Ent­wick­lungs­auf­wen­dun­gen für selbst geschaf­fe­ne imma­te­ri­el­le Ver­mö­gens­wer­te sind han­dels­recht­lich akti­vier­bar, steu­er­recht­lich nicht.
  • Ein Fir­men­wert muss sowohl steu­er­recht­lich als auch han­dels­recht­lich akti­viert wer­den, aller­dings gibt es Unter­schie­de bei der Abschreibungsdauer.
  • Bei bestimm­ten Rück­stel­lun­gen wie z.Bsp Droh­ver­lust­rück­stel­lun­gen setzt das Steu­er­recht enge­re Maß­stä­be an.
  • Unter­schie­de in den Bewer­tungs­grund­sät­zen.
  • Lang­fris­ti­ge Ver­bind­lich­kei­ten wer­den im Steu­er­recht mit 5,5 % abgezinst.
  • Abschrei­bun­gen sind steu­er­recht­lich nur line­ar und nach Leis­tungs­richt­li­ni­en erlaubt.
  • Die Vor­aus­set­zun­gen einer Wert­min­de­rung wer­den dif­fe­ren­ziert aufgefasst.
  • Unter­schie­de in den Begriff­lich­kei­ten der zugrun­de lie­gen­den Gesetzgebungen.
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Anzu­mer­ken sei noch der Effekt der laten­ten Steu­ern. Dabei wer­den sowohl die Ver­mö­gens­wer­te als auch die Schul­den der bei­den Bilan­zen ver­gli­chen. Unter­schei­den sich die­se, muss die­ser Punkt unter bestimm­ten Umstän­den in die Bilanz auf­ge­nom­men wer­den. Dabei wird von akti­ven laten­ten Steu­ern gespro­chen, wenn in der Han­dels­bi­lanz der Wert des Ver­mö­gens nied­ri­ger ver­an­schlagt wird oder die Schul­den einen höhe­ren Betrag errei­chen als in der Steuerbilanz.

Akti­ve laten­te Steu­ern sind als Steu­er­erspar­nis­se zu ver­ste­hen und unter­lie­gen dem Akti­vie­rungs­wahl­recht. Sie kön­nen, müs­sen aber nicht in der Bilanz erschei­nen. Im gegen­tei­li­gen Fall spricht man von pas­si­ven laten­ten Steu­ern. Die­se sind als Steu­er­schuld zu inter­pre­tie­ren und müs­sen ver­rech­net werden.

Kann man auch eine Ein­heits­bi­lanz erstellen?

Klei­ne­re Betrie­be erstel­len oft­mals nur eine Ein­heits­bi­lanz. Dabei ist die Steu­er­bi­lanz mit der Han­dels­bi­lanz qua­si iden­tisch und muss nur den steu­er­recht­li­chen Vor­ga­ben ange­passt werden.

Gro­ße Unter­neh­men grei­fen dar­auf nicht zurück, gibt ihnen doch das Han­dels­recht eini­ge Instru­men­te in die Hand, die die Bilanz auf­hüb­schen kön­nen und einen bes­se­ren Ein­druck der eige­nen finan­zi­el­len Stär­ke erzeugen.

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