Post­klau durch den Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter

Eigen­mäch­ti­ge Post­ent­nah­me recht­fer­tigt außer­or­dent­li­che Kün­di­gung eines Ver­si­che­rungs­ver­tre­ters

Post­klau durch den Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter

Die Ent­nah­me von Post­stü­cken durch einen selb­stän­di­gen Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter aus dem Brief­kas­ten des für den­sel­ben Ver­si­che­rungs­kon­zern täti­gen kon­kur­rie­ren­den Ver­si­che­rungs­bü­ros ist wich­tig genug für eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung des Ver­tra­ges mit dem Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter ohne Abmah­nung.

Die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit eines Kün­di­gungs­aus­schlus­ses gemäß § 242 BGB ist anzu­er­ken­nen. Ins­be­son­de­re wäre die Annah­me eines sol­chen Hin­de­rungs­grun­des mög­li­cher­wei­se nahe­lie­gend, wenn der Prin­zi­pal vom Vor­lie­gen einer vom Mit­be­wer­ber pro­vo­zier­ten Ent­glei­sung des Wett­be­werbs­ver­hält­nis­ses aus­ge­hen muss­te und im Rah­men sei­ner Für­sor­ge­pflicht nicht in aus­rei­chen­dem Umfang zuvor ein­ge­schrit­ten war. Selbst eine "cul­pa post con­trac­tum fini­tum" kann inso­weit beacht­lich sein.

Der Erlass eines (nicht rechts­kräf­ti­gen) Straf­be­fehls ist in der Regel aus­rei­chend ver­dachts­be­grün­dend für eine Ver­dachts­kün­di­gung des Han­dels­ver­tre­ter­ver­hält­nis­ses.

Land­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 22. Janu­ar 2010 – 6 O 302/​08